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Atlan Heftroman Nr. 30 - Dunkelstern 6: Die Varganen von Cramar

Autor: Michael Marcus Thurner

Inhalt

Nachdem die AMENSOON nur um Haaresbreite der Vernichtung durch hyperenergetische Schockwellen entgangen ist, die von fünf in unmittelbarer Nähe rematerialisierten Sonnen ausgegangen sind, geht die Reise weiter zum Planeten Cramar. Die so überraschend aufgetauchte Sternenballung wird erst einmal links liegen gelassen, obwohl sie Kalarthras bekannt ist. Warum die fünf Sonnen irgendwann verschwunden sind und warum ihre Rematerialisierung gerade jetzt erfolgte, bleibt daher unklar. Kalarthras gibt weitere Informationen preis: Einer seiner damaligen Begleiter, der Chefwissenschaftler Haitogallakin, hatte vor ca. 350.000 Jahren Teilerfolge bei dem Versuch erzielt, den varganischen Mikrokosmos zu erreichen. Über den Planeten Cramar weiß Kalarthras zu berichten, dass sich dort varganoides Leben aus Aktivierungskapseln entwickelt hat und dass er selbst dort eine lange, glückliche Zeit verbracht sowie zahlreiche Kinder gezeugt hat. Cramar, so behauptet Kalarthras, sei ein Paradies und könne jetzt als sicherer Hafen für die AMENSOON dienen, denn er habe den Varganoiden - die sich selbst Kalaro'on nennen - genetisch so konditioniert, dass sie nur einen gezügelten Aggressionstrieb haben und nach Chancengleichheit für alle, vor allem aber nach einer optimalen Lebensordnung streben.

Kalarthras ahnt nicht, dass diese Konditionierung zu ganz anderen als den erwünschten Ergebnissen geführt hat und dass Cramar alles andere als ein Paradies ist. Die Kalaro'on verfügen über keine höherwertige Technologie mehr, denn ihre Entwicklung ist in einem Gesellschaftssystem erstarrt, die einer einzigen gigantischen Behörde gleicht, deren einzige Aufgabe darin besteht, sich selbst zu verwalten. Alles und jeder ist normiert, gleichgeschaltet und streng reglementiert. Fast alle Kalaro'on sind tagein, tagaus mit völlig sinnlosen Verwaltungsaufgaben beschäftigt. Freizeit gibt es nicht - nach der Arbeit im Büro (die meist nur aus der Herausgabe widersinniger Verordnungen usw. besteht) müssen Gesetze gebüffelt werden. Denn wer sich auch nur den geringsten Verstoß gegen die unüberschaubare Masse an hirnrissigen Paragraphen leistet, wird von der komplett verbeamteten Gesellschaft ausgestoßen und zum "Freiberufler" erklärt - und das ist nur ein Euphemismus für "Sklaverei", denn die Freiberufler müssen unter erbärmlichen Bedingungen leben und schuften, um Nahrungsmittel und Verbrauchsgüter herzustellen. Sie sind die einzigen, die etwas nützliches produzieren. Dieses Schicksal erleidet auch Z-Tomanet, der sich nach der Entlassung aus dem Beamtendienst Fisker nennt und als Freiberufler erstmals so etwas wie die Freiheit eines Individuums kennen lernt.

Als Atlan, Kalarthras und Gorgh-12 den Planeten erkunden, während Kythara auf dem Schiff bleibt, dient Fisker den dreien als Führer. Um die Kalaro'on nicht zu beunruhigen, stürzen der Arkonide, der Vargane und der Daorghor sich todesmutig in die verstaubten Mahlwerke der Bürokratie, um zum "Obersten Noturierten", dem ranghöchsten Beamten von Cramar, vorgelassen zu werden. Ihre Geduld wird auf eine harte Probe gestellt und letztlich kommen sie nur durch List und handgreifliche Gewalt ans Ziel: Zur Regierungsinsel Coraak. Doch dort finden sie nur Ruinen vor. Fisker begreift, dass sein Volk betrogen worden ist - es gibt gar keine Regierung, der planetenweite Verwaltungsapparat läuft seit Jahrhunderten völlig selbständig ohne Sinn und Ziel. Während Kalarthras und Gorgh-12 in den Ruinen nach dem Zugang zu einer alten Varganenstation suchen, begegnen Atlan und Fisker den wahren Machthabern Cramars. Ein Zaqoor-Trupp hat sich hier vor längerer Zeit eingenistet, die Garbyor haben Atlan bereits erwartet. Es kommt zum Schusswechsel, auch Kalarthras und Gorgh-12 werden angegriffen. Der Vargane findet endlich einen versteckten Transmitter, über den die vier Gefährten in die eigentliche Station fliehen können, die sich in einer unterseeischen Kaverne befindet.

Kalarthras übergibt Fisker Kristalle mit technischen Informationen und Befehlsgewalt über eine Tausendschaft Varg-Roboter. Der Kalaro'on soll versuchen, die Verhältnisse auf Cramar zu verändern. Kalarthras verspricht, eines Tages zurückzukehren. Dann fliehen er, Atlan und Gorgh-12 per Transmitter zur AMENSOON, die bereits von einem Flottenverband der Zaqoor bedrängt wird.

Kommentar:

Nachdem ich mich erstmal dazu durchgerungen hatte, die völlig überspitzte, klischeebeladene und unrealistische Idee der "Verbeamtung" eines ganzen Planeten nicht für totalen Schwachsinn zu halten und über diverse umgangssprachliche Formulierungen hinwegzusehen, konnte ich mich köstlich über diese leicht kafkaesk angehauchte Story amüsieren. Für die Serie an sich war diese Episode aber leider völlig bedeutungslos. Ein Satz hätte für die Zusammenfassung gereicht: Man legt einen Zwischenstopp auf einem Planeten ein, wo nichts neues zu erfahren ist, und muss anschließend wieder fliehen. Wäre es da nicht eher angezeigt gewesen, die so plötzlich rematerialisierten fünf Sonnen zu untersuchen? Vielleicht waren die ja bis jetzt im Mikrokosmos "versteckt"? Wegen seines Unterhaltungswerts möchte ich den Roman trotzdem nicht als überflüssigen Lückenfüller bezeichnen.

Kalarthras macht es sich ziemlich leicht: 1000 Roboter und ein paar Hypnoschulungen werden Fisker wenig nützen, sollten die ja nicht gerade als sanftmütig bekannten Zaqoor auf die Idee kommen, sich an den Kalaro'on für Atlans Flucht zu rächen oder auch nur ihren Frust an den Varganoiden auszulassen…


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