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Dies ist der 18. Teil einer Übersicht meiner Bücher in der Reihenfolge, in der ich sie gelesen habe. Jedes Buch erhält eine laufende Nummer, die "ältesten" Bücher stehen unten.



860
Hellas Channel Petros Markaris: Hellas Channel
Diogenes, 2000
464 Seiten

Kommissar Kostas Charitos, Leiter der Mordkommission in Athen, muss sich Tag für Tag mit Personal- und Budgetmangel, aufdringlichen Journalisten und unfähigen Beamten wie dem Kriminalhauptwachtmeister Thanassis Kouris herumschlagen, dessen Hauptaufgabe darin besteht, seinem Chef jeden Morgen ein Croissant und Kaffee zu bringen. In der knapp bemessenen Freizeit beschäftigt sich Charitos neben dem Kleinkrieg mit Ehefrau Adriani hauptsächlich mit dem Studium von Wörterbüchern, zumal sich Adriani mehr für den permanent laufenden Fernseher als für ihren Gatten interessiert. Charitos vergöttert seine in Thessaloniki studierende Tochter Katerina. Deren Freund Panos ist ihm allerdings ein Dorn im Auge. Der Behördenfilz und die Intrigen seines Vorgesetzten Nikolaos Gikas bringen es nur allzu oft mit sich, dass Charitos Delinquenten laufen lassen muss, die er überführen könnte. Da der Kommissar es aufgrund seiner Sturheit nicht lassen kann, weiter nachzubohren, wenn ihn der Ehrgeiz erst einmal gepackt hat, handelt er sich immer wieder Ärger ein. Charitos macht sich deshalb längst keine Illusionen mehr über seine Karriere.

Den Fall eines ermordeten albanischen Gastarbeiterpaares würde Charitos gern zu den Akten legen, denn ein Landsmann der Opfer hat ein Geständnis abgelegt, dem zufolge es sich um ein Verbrechen aus Eifersucht handelt. Doch eine Bemerkung der Polizeireporterin Janna Karajorgi vom bekannten Sender Hellas Channel lässt ihm keine Ruhe. Nach Kindern soll Charitos suchen (das Ehepaar war kinderlos), stattdessen findet er 500.000 Drachmen in einem leerstehenden Rohbau, in dem die Albaner gehaust haben. Für die toten Albaner interessiert sich in Athen so gut wie niemand, aber als Janna Karajorgi im Schminkraum des Senders ermordet aufgefunden wird, entsteht gewaltiger Presserummel. An diesem Abend wollte die Journalistin eine sensationelle Enthüllungsstory bringen. Sollte sie zum Schweigen gebracht werden? Im Sender war sie nicht bei jedermann beliebt, außerdem finden sich in ihrer Wohnung mehrere Briefe, deren Tonfall zunehmend bedrohlich wird. Unterzeichnet sind sie mit dem Buchstaben "N". Als Charitos erfährt, dass die Karajorgi ein Verhältnis mit Nestor Petratos hatte, dem Chef der Nachrichtenredaktion bei Hellas Channel – sie hat ihn nur ausgenutzt – beginnt er gegen diesen zu ermitteln.

Kyriakos Delopoulos, Inhaber von Hellas Channel, ist damit ganz und gar nicht einverstanden. Wieder einmal eckt Charitos an höchster Stelle an, weil er selbst dann nicht lockerlässt, als seine Widersacher einen anderen Verdächtigen präsentieren. Die Karajorgi war vor einigen Jahren maßgeblich daran beteiligt, dass ein gewisser Petros Kolakoglou wegen Kindesmissbrauchs hinter Gitter gewandert ist. Jetzt ist Kolakoglou, der stets seine Unschuld beteuert und Rache angedroht hat, wieder auf freiem Fuß. Die Presse veranstaltet eine Hetzjagd auf den Mann. Dann wird Martha Kostarakou ermordet, die Nachfolgerin Janna Karajorgis. Der Mörder hat in ihrer Wohnung offensichtlich etwas gesucht – einen Aktenordner, den Charitos einige Zeit später von der Nichte der Karajorgi erhält. Diesen Unterlagen zufolge existieren Zusammenhänge zwischen den Mordfällen und dem Tod der Albaner. Und es muss einen Maulwurf bei der Athener Polizei geben ...

"Hellas Channel" ist der erste von zurzeit elf Romanen mit Kostas Charitos. Meine bessere Hälfte hat fast alle gelesen und findet sie gut. Welche bessere Empfehlung könnte es geben? Also bin ich jetzt ebenfalls in die Reihe eingestiegen. Zu meiner Verblüffung habe ich mich an Kommissar Kluftinger erinnert gefühlt, den Hauptprotagonisten der Allgäu-Krimis von Volker Klüpfel und Michael Kobr (siehe z.B. Milchgeld), denn zum einen ist der Lokalkolorit hier wie dort nicht unmaßgeblich für den Reiz der Romane, wobei es wahrscheinlich leichter ist, sich ins Allgäu einzufühlen als in die Metropole Athen, wenn man diese nicht kennt. Ich leide nicht unter diesem Handicap, will sagen, mir sind die Eigenheiten Griechenlands und der Griechen sehr vertraut. Ich kenne nicht alle Straßen und Orte, deren Namen vielleicht etwas allzu oft erwähnt werden (wer hat denn bei der Romanlektüre einen Stadtplan Athens dabei), aber ich kann es durchaus nachempfinden, wenn Charitos mal wieder angesichts des totalen Verkehrschaos verzweifelt. Auch kenne ich schäbige Rohbauten wie jenen, in dem die toten Albaner gefunden werden, und wenn der Kommissar ältere Damen in ihren mit unzähligen Häkeldeckchen ausgestatteten guten Stuben befragt, dann entsteht vor meinem inneren Auge sofort ein ganz bestimmtes Bild. Zum Thema "Lokalkolorit" könnte man vielleicht auch noch Charitos' Vergangenheit zählen. In der Zeit des Obristenregimes, die (was heute gern ignoriert wird) erst 1974 zu Ende gegangen ist, scheint sich Charitos so einiges geleistet zu haben ...

Zum anderen haben Charitos und Klufti durchaus ähnliche Charakterzüge. Beide sind knurrige Eigenbrötler, die ein bisschen länger brauchen, bis sie richtig in Fahrt kommen, sich dann aber umso heftiger in ihre Fälle verbeißen und diese durch solide Ermittlungsarbeit sowie mit Köpfchen und Instinkt lösen, ohne dass es zu großartigen Verfolgungsjagden, Schießereien und dergleichen kommt. Technischer Hilfsmittel bedienen sie sich nicht – Charitos, weil ihm keine zur Verfügung stehen (wir sind im Athen der Neunziger!), Klufti, weil er mit der Technik auf Kriegsfuß steht. Knauserig sind sie beide, hier hat Klufti die Nase aber ganz weit vorn. Die Kollegen in Kempten und Athen sind eher als Knallchargen zu bezeichnen und der Chef nervt, weil er nach oben eine gute Figur machen will, weshalb er nach unten austeilt. Zu Hause gibt's sowohl im Hause Kluftinger als auch im Hause Charitos mehr als genug Zündstoff. Der Grieche kommt dabei schlechter weg als der Allgäuer, was allerdings mit der griechischen Wesensart zu tun hat. Was für nordeuropäische Ohren wie ein übler Streit kurz vor Ausbruch von Handgreiflichkeiten klingt, ist für Griechen ganz normaler Konversationston! Ich weiß das, dennoch war Charitos mir zunächst sogar unsympathisch. Er kriegt aber schließlich die Kurve, hat das Herz also wohl doch am rechten Fleck. (25.02.2019)


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859
Rückkehr nach Gateway Frederik Pohl: Rückkehr nach Gateway
Heyne, 2004
329 Seiten

Zur Vorgeschichte siehe Jenseits des blauen Horizonts.

Durch die Nutzbarmachung einer gigantischen, überlichtschnell flugfähigen Hitschi-Nahrungsmittelfabrik konnte das Problem der Ressourcenknappheit auf der Erde nur vorübergehend gelöst werden, denn die Überbevölkerung nimmt bedrohliche Ausmaße an. Nicht einmal alle Hitschi-Raumschiffe zusammengenommen würden ausreichen, um es der Menschheit zu ermöglichen, andere Planeten zur Entlastung der Erde zu kolonisieren. Die internationalen Spannungen wachsen. Terroristen verüben immer wieder schwere Anschläge, bei denen sie auch Hitschi-Technik einsetzen. Obwohl Robin Broadhead einen großen Teil seines Vermögens in den Dienst der Menschheit stellt, gerät ausgerechnet er in den Fokus der Extremisten. Obendrein hat er ernste gesundheitliche Probleme. Er ist reich genug, um sich medizinischen Vollschutz leisten zu können, hat aber moralische Bedenken, wenn es um die Transplantation von Organen geht, deren "Spender" sich möglicherweise nicht freiwillig unters Messer gelegt haben. Auf der anderen Seite möchte Broadhead sein Leben weiter verlängern, solange noch die Chance besteht, dass Klara Moynhin aus dem Ereignishorizont jenes Schwarzen Loches gerettet werden könnte, in dem sie seit Jahrzehnten gefangen ist, ohne dass für sie eine nennenswerte Zeitspanne vergeht.

In der Hitschi-Nahrungsmittelfabrik wurde seinerzeit ein Teenager namens Wan gefunden, der dort ohne menschliche Fürsorge aufgewachsen ist. Wan hat sich zu einem unerträglichen Egoisten mit den verschiedensten negativen Eigenschaften entwickelt. Mit einem gestohlenen Hitschi-Raumschiff durchstreift er das All auf der Suche nach seinem Vater. Wan glaubt, sein Vater sei in einem Schwarzen Loch gefangen, und setzt Hitschi-Technik ein, die es ihm ermöglicht, quasi in Singularitäten "hineinzuhören". Eines Tages erhält er tatsächlich Kontakt mit einem anderen Bewusstsein, aber es handelt sich nicht um seinen Vater, sondern um Klara, Broadheads verlorene Liebe. Gleichzeitig erhält ein alter Freund Broadheads, der als Besatzungsmitglied der Hitschi-Nahrungsmittelfabrik unterwegs ist, durch ein Missgeschick mentalen Kontakt mit einer außerirdischen Spezies. Anders als von ihm angenommen handelt es sich nicht um die legendären Erbauer Gateways, denen kein Mensch je zuvor begegnet ist, sondern um eines von vielen Intelligenzvölkern, für die sich die Hitschi einst interessiert haben.

Die zufällige Kontaktaufnahme sowie Wans "Herumstochern" in Schwarzen Löchern bleiben den Hitschi nicht verborgen. Sie haben sich vor Äonen zurückgezogen, weil sie von der Existenz einer Bedrohung unfassbaren Ausmaßes erfahren haben, der selbst sie nichts entgegensetzen können. Als sie jetzt aus ihrem Versteck hervorkommen, um nach dem Rechten zu sehen, müssen sie mit Entsetzen zur Kenntnis nehmen, dass ihre Hinterlassenschaften von den Menschen zu Zwecken benutzt werden, für die sie nie vorgesehen waren. Es besteht die Gefahr, dass die Menschen auf diese Weise die Assassinen auf sich aufmerksam machen. Die Assassinen sind den Hitschi weit überlegen und haben vor Jahrhunderttausenden alle Zivilisationen ausgelöscht, die nicht wie die Hitschi vor ihnen fliehen konnten ...

Frederik Pohl hat nicht nur eine Trilogie geschrieben und somit ist es nicht verwunderlich, dass "Rückkehr nach Gateway" ein offenes Ende hat, zumindest insoweit, als man nicht erfährt, ob die Befürchtungen der Hitschi zutreffen. Darum geht es in einem vierten Roman, der leider nie in deutscher Übersetzung erschienen ist. Außerdem gibt es noch eine Sammlung von Kurzgeschichten, die im selben Universum spielen, sowie einen weiteren zum Gesamtzyklus gehörenden Roman.

Pohls Erzählkunst und sein Sinn für Humor machen auch Band 3 zu einem großen Lesevergnügen, dennoch halte ich diesen Roman für den schwächsten Teil der "Trilogie". Das liegt hauptsächlich an der Entmystifizierung der Hitschi. Diese Wesen treten in den ersten beiden Romanen überhaupt nicht in Erscheinung, und das ist gut so, denn so kann der Nimbus des Geheimnisvollen, der Fremdartigkeit gewahrt bleiben. Die Menschen wussten bisher so gut wie nichts über sie (es gab nicht einmal Bilder von ihnen) und konnten allenfalls Rückschlüsse anhand der von den Hitschi zurückgelassenen Supertechnik ziehen. Man konnte sich keinen Reim auf ihre Absichten, Gedanken und Gefühle machen, ja man wusste nicht einmal, ob sie überhaupt Gefühle haben. Jetzt sind die Hitschi plötzlich da, tatsächlich sind einige Kapitel sogar aus ihrem Blickwinkel geschrieben. Und prompt sind sie nichts Besonderes mehr. Abgesehen von ein paar Seltsamkeiten in der Anatomie könnten sie auch Menschen sein. Das finde ich sehr schade, dadurch geht ein Gutteil dessen verloren, was den Reiz insbesondere des ersten Romans ausmacht. Immerhin kommen mit den Assassinen neue, noch unverständlichere Wesenheiten hinzu. Auch die Schlammbewohner – intelligente, aber sehr langsam denkende Kreaturen mit sehr eigenartigen Gewohnheiten – können gefallen.

Künstliche Intelligenz und Transhumanismus sind andere Themen des Romans, die zum Zeitpunkt der Erstveröffentlichung (das war im Jahre 1984) wahrscheinlich noch höchst spekulativ und faszinierend waren, heute aber nur als alte Hüte bezeichnet werden können. So gibt es Ärger mit einem besonders fortschrittlichen Computerprogramm, welches die Identität Albert Einsteins simuliert und unerwartet allzu menschliche Reaktionen zeigt. Außerdem wartet Broadhead etwas zu lange mit den dringend nötigen Organtransplantationen, so dass es nur noch eine Möglichkeit gibt, wie er "weiterleben" kann: Sein Bewusstsein muss mittels Hitschitechnik digitalisiert werden. Andere Ideen wie die angespannte Weltlage aufgrund der Überbevölkerung werden leider nur angesprochen, nicht weiter vertieft. (18.02.20119)


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858
Der Zauberberg Thomas Mann: Der Zauberberg
Kindle Edition

Zum Inhalt dieses 1924 erschienenen Romans, den ich vor über 25 Jahren zum ersten Mal gelesen habe, verweise ich auf meine Handlungszusammenfassung des gleichnamigen Films aus dem Jahre 1982, denn was die vordergründige Story angeht, so hält sich der Film recht eng an Thomas Manns Text. Eine Interpretation erspare ich mir und euch – wird sind hier schließlich nicht in der Schule. Es gibt einen Wikipedia-Artikel, der auf die zahlreichen im Roman behandelten Themen, die Bedeutung der Protagonisten sowie auf die mehr oder weniger verborgene Symbolik dieses komplexen und trotz aller Ernsthaftigkeit durchaus humorvollen Epochalwerks eingeht, in dem die in sich abgeschlossene, ganz auf sich selbst bezogene Welt eines Hochgebirgssanatoriums stellvertretend für Europa in der Zeit kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs steht. Es wird viel geredet, insbesondere führen zwei sehr gegensätzliche "Erzieher" der jugendlichen, noch ungefestigten Hauptfigur (Hans Castorp) ermüdend lange Monologe und Streitgespräche. Ich weiß diese Textstellen heute besser zu würdigen als bei der ersten Lektüre, aber sie sind sicher nicht der Grund dafür, dass ich das Buch seinerzeit faszinierend fand. Tatsächlich verzaubert mich der Zauberberg immer noch. Es liegt wohl an der ganz besonderen Atmosphäre, die jeder kennen dürfte, dem es mal so ähnlich wie Castorp ergangen ist, der also einen längeren aus dem "normalen Leben" herausgehobenen Lebensabschnitt hinter sich hat. Das ist natürlich nur ein kleiner Teilaspekt dieses vielschichtigen Meisterwerks. Sollte man gelesen haben. (14.02.2019)

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857
Quicksilver Neal Stephenson: Quicksilver
Goldmann, 2006
1146 Seiten

Hat dieses Buch eine vielschichtige, verwickelte, komplexe und auf mehrmals wechselnden Zeitebenen angesiedelte Handlung – oder überhaupt keine? Ich habe lange über diese Frage nachgedacht, bin aber zu keinem Ergebnis gekommen. Jedenfalls könnte ich keinen Handlungsabriss schreiben, ohne mehrere Seiten zu füllen, und wüsste dennoch nicht zu sagen, worum es in dem Roman eigentlich geht! Tatsächlich geschieht sehr viel, aber es fällt nicht leicht, hinter den sich über mehrere Jahrzehnte des 17. Jahrhunderts erstreckenden Geschehnissen eine Story mit Auftakt, Mittelteil, Höhepunkt und Schluss zu entdecken. Das liegt auch daran, dass "Quicksilver" drei Einzelromane enthält, die nur wenige Berührungspunkte untereinander haben und nicht in sich abgeschlossen sind, sondern den Auftakt des "Barock-Zyklus" bilden, zu dem noch fünf auf zwei weitere Bücher verteilte Romane gehören. Selbst wenn ich davon ausgehe, dass "Quicksilver" die Expositionsphase des Zyklus bildet, komme ich kaum umhin, das Buch als weitschweifig zu bezeichnen, allerdings ist diese Weitschweifigkeit angemessen. Nur so ließ sich ein umfassendes, lebendiges Bild einer Epoche zeichnen, die von großen politischen, religiösen, gesellschaftlichen und wissenschaftlichen Umwälzungen geprägt war. Dies wird durch die Erlebnisse dreier (fiktiver) Hauptfiguren ermöglicht, die zahlreichen (historischen) Persönlichkeiten begegnen, verschiedene Länder durchreisen und in bedeutende geschichtliche Ereignisse verwickelt werden.

Hauptfigur des ersten Buches (Quicksilver) ist Daniel Waterhouse, Spross einer Puritanerfamilie. Während des Studiums am Trinity College, Cambridge, freundet er sich mit Isaac Newton an, soweit das bei jemandem wie Newton, dessen Geistesgaben denen seiner Zeitgenossen unendlich weit überlegen sind und dessen Charakter mit dem Begriff "exzentrisch" nur unzureichend beschrieben wäre, überhaupt möglich ist. Im Pestjahr 1665 wird die Universität geräumt. Während Newton von Louis Anglesey, dem Earl of Upnor, gefördert wird, schließt sich Daniel den Naturphilosophen der Royal Society an. Er unterstützt John Wilkins bei der Ausarbeitung einer universalen Sprache und assistiert Robert Hooke bei diversen Experimenten. Zu einem Wendepunkt in Daniels Leben kommt es 1666 während des großen Brandes in London. Sein Vater Drake, ein radikaler Sektierer, stirbt bei der Sprengung von Häusern, durch die eine weitere Ausbreitung der Feuersbrunst verhindert werden soll. Dieser Teil des Gesamtromans ist einerseits vollgestopft mit den Theorien, Erkenntnissen und Errungenschaften, denen Daniel durch seine Bekanntschaft mit Newton, Wilkins, Hooke und anderen Genies begegnet, andererseits treten besagte Persönlichkeiten dem Leser als "echte Menschen" vor Augen, nicht nur als Namen auf den Seiten von Geschichtsbüchern.

Das zweite Buch (König der Landstreicher) liest sich ein wenig wie ein Schelmenroman nach dem Vorbild von "Der abenteuerliche Simplicissimus". Die Ereignisse gleiten manchmal fast ins Phantastische ab, was allerdings der Tatsache geschuldet ist, dass die Hauptfigur Jack Shaftoe an Syphilis leidet, allmählich den Verstand verliert und manchmal halluziniert. Jack wächst als Straßenkind in London auf, erlebt Abenteuer (die größtenteils nur angedeutet werden) in aller Welt und landet schließlich in jenem Heer, das im Jahre 1683 die türkische Belagerung Wiens beendet. Im Kampfgetümmel eignet er sich ein prächtiges Schlachtross sowie ein wertvolles Schwert an und tötet zwei Janitscharen, die gerade dabei sind, alle Sklavinnen aus dem Harem des Sultans zu ermorden. So rettet er Eliza das Leben, einer wunderschönen jungen Frau, die als Kind zusammen mit ihrer Mutter von Piraten entführt worden ist. Um möglichst viel Profit aus der Kriegsbeute herauszuschlagen, machen sich die beiden auf die beschwerliche Reise durch ein Land, das immer noch unter den Folgen des Dreißigjährigen Krieges leidet. Sie erreichen Leipzig, wo sie Gottfried Wilhelm Leibniz begegnen, der zu dieser Zeit eine Silbermine im Harz betreibt. Nach einer wahrhaft apokalyptischen Walpurgisnacht auf dem Brocken geht die Reise weiter nach Amsterdam. Jack, der sich längst unsterblich in Eliza verliebt hat, fühlt sich ziemlich nutzlos, denn im Gegensatz zu ihm besitzt die hochintelligente Exsklavin den nötigen Geschäftssinn, um ein Vermögen zu machen. Die beiden trennen sich, was nach weiteren aberwitzigen Abenteuern dazu führt, dass Jack auf einem Sklavenschiff landet.

Im dritten Buch (Odaliske) spielt Jack keine Rolle mehr. Daniel Waterhouse und Eliza werden unabhängig voneinander in die politischen Ränke der Adelshäuser Englands, Frankreichs und der Niederlande hineingezogen; einmal begegnen sie sich sogar. Während der Stuart-Restauration wird Daniel zu einer wichtigen Triebfeder von Entwicklungen, die eines Tages zur Abschaffung des Absolutismus in England führen werden. Auch Eliza ist in diese Angelegenheiten verstrickt, denn sie spioniert für Wilhelm von Oranien, dem es bereits gelungen ist, einen Angriff des französischen Königs Ludwig XIV auf die Niederlande abzuwehren und der schließlich nach dem Thron von England greift. Wiederholt wird die gewohnte Erzählstruktur dadurch unterbrochen, dass die Geschehnisse in Form verschlüsselter Briefe und geheimer Tagebucheinträge wiedergegeben werden. Manche Kapitel sind wie Theaterstücke, Gesprächsprotokolle und dergleichen aufgebaut. Eliza bewegt sich in den höchsten Kreisen und wird geadelt, lässt sich aber nicht von der Macht korrumpieren. Aus eigener Betroffenheit ist sie eine entschiedene Gegnerin der Sklaverei, und so erklärt sie sich bereit, Jacks Bruder Bob beizustehen, dessen Geliebte als Slavin an den Earl of Upnor verkauft worden ist.

Hiermit habe ich wirklich nur ganz vorsichtig an der Oberfläche gekratzt und einige der wichtigsten Ecksteine, aber längst nicht alle Themen eines vielleicht etwas überambitionierten Epos genannt, in dem sich Fakten und Fiktion auf faszinierende Weise miteinander vermischen. Ich glaube, ich habe durch die Lektüre mehr über die genannten historischen Personen (plus viele, viele mehr), ihr Werk und die Welt gelernt, in der sie gelebt haben, als in zehn Jahren Geschichtsunterricht – und auf weit unterhaltsamere Weise. Zugegeben, manchmal wird recht lang über wissenschaftliche Erkenntnisse diskutiert, aber doch immer auf eine Art und Weise, dass man dem Ganzen auch ohne Vorkenntnisse folgen kann, und obendrein mit viel Humor. Außerdem war das Buch für mich ein Anreiz, mich genauer mit dem ausgehenden 17. Jahrhundert zu beschäftigen, einer Ära, in der Alchemie noch denselben Stellenwert hatte wie Naturwissenschaft. Nach allem, was ich bis jetzt gelesen habe, ist "Quicksilver" im Großen und Ganzen historisch korrekt. Interessant finde ich dabei, dass Stephenson meist keinen historisierenden Stil und keine altertümliche Sprache verwendet – ganz abgesehen davon, dass mit Action, Sex und Gewalt nicht gegeizt wird. Keine leichte Kost, aber lohnend. (05.02.2019)

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856
Eric Terry Pratchett: Eric
Piper, 2018
151 Seiten

In den Kerkerdimensionen, einer bizarren Welt neben der Realität, hausen uralte, schreckliche, wahnsinnige Dinge – und Rincewind. Den erfolglosesten Zauberer der Scheibenwelt hat es vor einiger Zeit dorthin verschlagen und aus eigener Kraft konnte er sich nicht befreien. Als Rincewind sich plötzlich in einem ganz normalen Haus in der Stadt Pseudopolis auf der vertrauten Scheibenwelt wiederfindet, nimmt er an, dass er das einem mächtigen Dämonenbeschwörer zu verdanken hat. Tatsächlich steht er einer bärtigen Gestalt gegenüber, die mit einem Schwert herumfuchtelt und von Rincewind die Erfüllung dreier Wünsche verlangt: Herrschaft über alle Königreiche, die schönste Frau aller Zeiten und ewiges Leben. Es stellt sich schnell heraus, dass der Dämonologe in Wahrheit ein dreizehnjähriger Junge namens Eric Thursley ist (der Bart ist angeklebt), doch dessen Fähigkeiten sind durchaus beachtlich. Rincewind wird durch ein auf den Fußboden gezeichnetes magisches Symbol gebannt, muss dem Beschwörer also zu Willen sein. Um dem Jungen zu demonstrieren, dass er keineswegs die Macht hat, Wünsche mit einem Fingerschnippen zu erfüllen, schnippt Rincewind mit den Fingern.

Prompt werden der verdutzte "Dämon" und sein Beschwörer ins Tezumanische Königreich versetzt, dessen Bewohner Eric als neuen Herrscher verehren. Dummerweise haben die Tezumaner einen ganz bestimmten Verwendungszweck für Könige: Sie müssen dem Gott Quezovercoatl geopfert werden! Rettung naht in Gestalt von Rincewinds Truhe, deren ohnehin meist miese Laune erheblich durch die Tatsache verschlechtert wurde, dass sie gezwungen war, ihrem Herrn quer durch Dimensionen und Kontinente zu folgen. Beim nächsten Fingerschnippen ist eine Zeitreise fällig, denn die schönste Frau aller Zeiten – Elenor von Tsort – hat während des lange zurückliegenden Tsortanischen Krieges gelebt, an dessen Ausbruch sie nicht ganz unschuldig war. Rincewind und Eric geraten mitten in einen Angriff auf die Stadt Tsort hinein. Lavaeolus der Listenreiche ist gerade dabei, Elenor zu befreien. Eric ist begeistert, muss aber feststellen, dass seine Traumfrau ein paar Pfunde zugelegt hat – von den Haaren auf den Zähnen ganz zu schweigen.

All diese Geschehnisse werden aufmerksam vom Astfgl beobachtet, dem König der Hölle. Unter Astfgls Herrschaft werden nicht nur die Verdammten gequält, sondern auch die Dämonen, und zwar durch Rundschreiben, Aktennotizen, allerlei neue Arbeitsregeln und sonstigen langweiligen Verwaltungskram. Nicht alle Höllenfürsten sind mit den Reformen einverstanden. Manche intrigieren gegen den König – und Eric soll ihr Werkzeug sein ...

Es ist schon erstaunlich, welche Fülle von Ideen Terry Pratchett in seinen neunten Scheibenweltroman hineingepackt hat, erst recht, wenn man den geringen Umfang berücksichtigt! 150 Seiten sind heutzutage ja gar nichts für einen Fantasyroman.

Ich fand "Eric" äußerst kurzweilig, was natürlich damit zu tun hat, dass der Schauplatz innerhalb kurzer Zeit häufig wechselt. Los geht’s mit TOD (er verabschiedet sich übrigens gern mit "auf Wiedersehen" – ganz schön gemein!), der von den Zauberern der Unsichtbaren Universität herbeigerufen wird, weil ein Phantom durch Ankh-Morpork geistert. Das ist natürlich Rincewind, der seit Band 5 (Der Zauberhut) Pause hatte. Nach einer kurzen Episode in Erics Kinderzimmer, in der nicht nur Eric und Rincewind für Amüsement sorgen, sondern auch ein fast völlig kahler Papagei namens Polly, führt uns der Weg in Windeseile zu einem an die Azteken erinnernden Volk, dessen Religion ins Wanken gerät, als sich herausstellt, dass Gott Quezovercoatl, zu dessen Ehren gewaltige Statuen errichtet wurden, nur 15 Zentimeter groß ist und sein Leben unter den Beinchen der Truhe aushaucht. Es folgt eine Parodie des trojanischen Krieges, in der alles ein klein wenig anders (und viel lustiger) abläuft als bei Homer, gefolgt von einer köstlichen Begegnung mit dem Schöpfer der Scheibenwelt, die mich ein wenig an Slartibartfast in Per Anhalter durch die Galaxis erinnert hat.

Den wahrhaft furiosen Abschluss dieses wunderbaren Kurzromans bildet ein Abstecher in die Hölle, den ich umso witziger finde, als ich mit den dämonischen Tücken der Bürokratie nur allzu vertraut bin. Dantes Inferno ist nichts dagegen! Ganz wie in der Realität gilt in der Scheibenwelt-Hölle offensichtlich das Prinzip, dass bestimmte Personen solange befördert werden, bis sie die Spitze der Machtpyramide und gleichzeitig die maximale Nutzlosigkeit erreicht haben ... (26.01.2019)


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855
Der Weltenfresser Michael Butterworth: Mondstation 1999 – Der Weltenfresser
Bastei Lübbe, 1977
159 Seiten

Zur Vorgeschichte siehe Mondbasis Alpha 1.

Ein uraltes intelligentes Lebewesen – eine Raumamöbe, deren hauchdünner Körper sich über Millionen von Kilometern erstreckt – nähert sich dem Mond auf der Suche nach einer neuen Energiequelle. Bisher hat das Wesen seinen Hunger durch das Verschlingen ganzer Sterne gestillt, doch mit zunehmendem Alter sind seine dafür benötigten Kräfte geschwunden. Die stetig schrumpfende Amöbe hat noch eine Möglichkeit, ihr Leben zu verlängern: Die explosive Freisetzung der Energie, die in den Atomreaktoren der Mondbasis Alpha sowie in den noch vorhandenen Nukleardepots gespeichert ist. Die Kreatur kann das nicht selbst bewerkstelligen, aber sie kann sich Werkzeuge schaffen. Sie manipuliert den Geist einiger Besatzungsmitglieder der Mondbasis und verstärkt die in ihnen schlummernden parapsychischen Fähigkeiten, indem sie starke Lambdawellen abgibt. So kommt es, dass der Bordalltag in der Mondbasis durch seltsame Phänomene gestört wird, die zunächst nur lästig sind, so dass sie nicht weiter beachtet werden. Dann kommt die Technikerin Sally Martin auf unerklärliche Weise ums Leben. Die Alphaner glauben an ein Beziehungsdrama, denn Sally und ihre Zimmergenossin Carolyn Powell lieben denselben Mann.

Die Alphaner kommen der Wahrheit zumindest teilweise auf die Spur, denn die Lambdawellen können geortet werden. Es stellt sich heraus, dass Carolyn unter dem Einfluss der Wellen starke psychokinetische Kräfte entwickelt hat. Sie hat ihre Nebenbuhlerin ermordet und tötet nun auch ihren Geliebten, da er sie verlassen will. Anschließend reißt sie das Kommando in der Hauptzentrale Alphas an sich. Commander John Koenig findet einen Weg, um Carolyn unschädlich zu machen. Carolyn mag versagt haben, doch der Raumamöbe stehen noch andere Möglichkeiten zur Verfügung. Als ein mit einem Überlichtantrieb ausgestattetes, mit Freunden und Verwandten der Alphaner bemanntes Raumfahrzeug von der Erde auf dem Mond landet, erkennt niemand außer Koenig, dass eine gefährliche fremde Macht nach der Mondbasis greift ...

Die Fernsehserie "Mondbasis Alpha 1" (1975 bis 1977) mag in Vergessenheit geraten sein – zumindest sind ihre Fans, soweit es heute denn außer mir überhaupt noch welche gibt, nie so aktiv gewesen wie zum Beispiel die Trekkies – aber nach der Erstausstrahlung hat es doch auch in Deutschland einiges an Merchandising gegeben. Unter anderem sind in den Siebzigern insgesamt zwölf Romane zur Serie erschienen. "Der Weltenfresser" ist Band 4 dieser Reihe und enthält die Handlung von drei Episoden aus der zweiten Staffel der Fernsehserie, nämlich "Tödliche Strahlung" (Ep. 44) und "Besuch von der Erde?" (Ep. 41/42).

Man merkt deutlich, dass da einiges zusammengeworfen wurde, das nicht so recht zusammenpassen will. Der Bruch zwischen dem Ende von Carolyns kurzer Herrschaft und der vermeintlichen Ankunft eines Raumschiffes von der Erde ist allzu krass, die Verbindung zwischen den beiden Storylines wird wenig überzeugend herbeigezwungen. Die Raumamöbe wurde eigens für den Roman hinzugedichtet, sonst hätte das Gesamtkonstrukt überhaupt keinen Sinn ergeben. Das Ergebnis ist ein ziemlich uneinheitlicher Kurzroman, der trotzdem ganz unterhaltsam sein könnte, wenn der Autor etwas weniger Pathos eingesetzt hätte – und wenn die Qualität der Übersetzung besser wäre. Letztere ist über weite Strecken hinweg so holprig, dass es schon wehtut. Wäre das Buch nicht schon 40 Jahre alt, hätte man denken können, anstelle eines Übersetzers sei Google Translate eingesetzt worden! (14.01.2019)


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854
Die Erhaltung der Wirklichkeit Bernd Kreimeier: Seterra 3 – Die Erhaltung der Wirklichkeit
Goldmann, 1986
266 Seiten

Zur Vorgeschichte siehe Seterra 2 – Die Macht der Ursachen.

Die Besiedelung Seterras musste vorübergehend unterbrochen werden, ist nach Beendigung der Alptraumkrise aber mehr oder weniger reibungslos verlaufen. Das im Orbit treibende Mutterschiff wurde weitgehend zerlegt, Bug- und Hecksektion wurden voneinander getrennt. Alle überlebenden Mitglieder des regierenden Militärrates residieren in den Überresten des kilometergroßen Raumschiffes, denn dort befindet sich der Zentralcomputer, von dem aus alles kontrolliert wird. Außerdem ist noch der größte Teil der Schockfrostkammern aktiv. Ein Pendelbetrieb mit Shuttles ist vorerst nicht möglich; die unterbesetzten und schlecht ausgerüsteten Montageteams auf Seterra hinken bei der Arbeit an den Startkomplexen dem Zeitplan hinterher. Nach dreieinhalb Monaten soll die PEGASUS, der letzte große Absetzcontainer mit 500 Personen an Bord, auf dem Planeten landen, doch es kommt zu einer Fehlfunktion. Die PEGASUS stürzt ab. Über 100 Personen sterben, hauptsächlich Sicherheitsoffiziere. Man geht davon aus, dass es sich nicht um Zufall handelt, sondern um einen gezielten Anschlag. Nur wenige Soldaten und Sicherheitsleute wurden bereits abgesetzt und weitere Landeunternehmen sind vorerst nicht möglich – somit haben die rund 900 auf Seterra lebenden Menschen die Möglichkeit, sich aus dem Unterdrückungssystem des Militärrates zu befreien. Es kommt zu einem Aufstand und die Kommunikation mit dem Mutterschiff bricht ab. Auch in der Hecksektion der SETERRA wird gekämpft.

Die in der SETERRA verbliebene Ziviltechnikerin Chris Morand wird festgenommen und gefoltert. Sie wird verdächtigt, die PEGASUS sabotiert zu haben. Morand erfährt, wie umfassend die vom Zentralcomputer ausgeübte Überwachung aller Besatzungsmitglieder wirklich ist. Der Militärrat ist in der Lage, Computeravatare von lebenden und toten Personen anzufertigen. Wer nur per Bildschirm mit einer derartigen Simulation spricht, muss glauben, er habe es mit einem echten Menschen zu tun. In dieser Situation meldet sich Errik Eibermend zu Wort, das tot geglaubte Oberhaupt des Militärrates. Er verlangt, dass der Aufstand binnen 18 Stunden niedergeschlagen wird, und droht mit der Selbstzerstörung der SETERRA. Hastig wird ein kleines Landefahrzeug flugfähig gemacht, mit dem ein Kommandotrupp zum Planeten fliegen und den dortigen Gasphasenreaktor zerstören soll. Durch die Explosion würde das Siedlungsgelände mit tödlicher Strahlung verseucht werden, so dass sich die Rebellen zurückziehen müssten. Die Aufständischen wiederum arbeiten mit Hochdruck an der Fertigstellung der Startanlagen, um ein mit improvisierter Bewaffnung ausgestattetes Shuttle in den Orbit zu bringen. Und so sind die letzten Menschen auf dem besten Wege, sich gegenseitig auszulöschen ...

Für den letzten Teil der "Seterra"-Trilogie müsste ich dieselben Kritikpunkte anbringen wie bei den ersten beiden, sodass ich wieder auf meinen Kommentar zu Band 1 verweisen kann, allerdings gilt die Kritik nur in abgeschwächter Form, denn endlich geht es nicht mehr fast ausschließlich darum, dass sich die Raumfahrer mit allzu ausführlich beschriebenen technischen Problemen und Alpträumen herumschlagen müssen. Die Rebellion sorgt dafür, dass die Story an Spannung gewinnt. Die meisten Hauptfiguren der Trilogie sind nach wie vor gesichtslos und austauschbar, aber diesmal sind ein paar dabei, die aufgrund einer Besonderheit hervorstechen. Es sind Menschen mit kybernetischen Prothesen und/oder künstlichen Sinnesorganen. Manche von ihnen sind kaum noch als menschlich zu bezeichnende, mittels Drogen am Leben erhaltene Cyborgs. Ein Thema des Romans ist also die zunehmende Abhängigkeit des Menschen von technischen Hilfsmitteln, ein anderes ist die selbst herbeigeführte Evolution hin zu einer postbiologischen Existenz sowie die damit verbundene Frage, wie Realität zu definieren ist, wenn die Sinne durch perfekte Simulationen so getäuscht werden können, dass praktisch kein Unterschied feststellbar ist. Ein Vorgriff auf die Matrix! In einer Hinsicht ist der Roman sogar verblüffend aktuell. Die Sabotage der PEGASUS bleibt unbemerkt, weil die Überwachung zu perfekt ist – es werden so viele Daten gesammelt, dass man sie gar nicht vernünftig auswerten kann ... (07.01.2019)

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853
Future Dmitry Glukhovsky: Futu.re
Heyne, 2014
925 Seiten

Die Menschheit hat den Tod besiegt. Das für den Alterungsprozess verantwortliche Gen wurde identifiziert und mit einem Virus unwirksam gemacht. Somit können alle Menschen ewige Jugend genießen – zumindest in Europa, wo jedes Neugeborene mit dem Recht auf Unsterblichkeit zur Welt kommt. Das Virus wurde ins Trinkwasser gemischt, und wer es einmal aufgenommen hat, braucht keine weitere Dosis. In anderen Ländern steht das Virus entweder gar nicht zur Verfügung oder wird nur an zahlungskräftige Kunden verkauft. Schon bald werden die negativen Folgen der Unsterblichkeit offenkundig. Die Bevölkerung explodiert und der Raubbau an den natürlichen Ressourcen der Erde nimmt ungeahnte Ausmaße an. Im 25. Jahrhundert ist Europa hoffnungslos überbevölkert. Milliarden Menschen leben in den kilometergroßen Wohntürmen einer gigantischen Stadt, in der es so gut wie kein unbebautes Fleckchen Erde mehr gibt. Überreste der alten europäischen Hauptstädte wurden integriert; so befindet sich das Straßburger Münster mit Teilen der Altstadt im Erdgeschoss eines Wohnturmes. Nur die Superreichen können sich den Luxus einer aus mehreren Zimmern bestehenden Wohnung und abwechslungsreicher Mahlzeiten leisten. Die Ärmsten drängen sich auf den unteren Ebenen zusammen, ernähren sich von Zuchtheuschrecken oder Kunstprodukten und schlucken allerlei Psychopharmaka, um ihr erbärmliches Dasein ertragen zu können. Regierungsmitglieder leben buchstäblich an der Spitze der Gesellschaft: In Penthouses auf den über die Wolken hinausragenden Dachebenen.

Durch die Bevölkerungsexplosion werden die Menschen zu drastischem Maßnahmen gezwungen. Kinder dürfen nur geboren werden, wenn ein Elternteil auf die Unsterblichkeit verzichtet. Derjenige erhält eine Akzelerator-Injektion und vergreist innerhalb von maximal zehn Jahren, kann die Zeit bis zum Tod aber mit dem Kind verbringen. Unregistrierte Geburten sind ein Kapitalverbrechen. Kommt eine solche Tat ans Licht, so wird einem Elternteil die Injektion zwangsweise verabreicht. Außerdem müssen die Kinder abgegeben werden. Sie landen in "Internaten", wo sie unter unmenschlichen Bedingungen zu Killern gedrillt werden. Nur wer verschiedene Prüfungen besteht und sich ganz von seinen Eltern lossagt, hat eine Chance, das Heim zu verlassen. Anschließend wird er in die Phalanx eingegliedert, eine mehrere zehntausend Mann starke Organisation von Unsterblichen, die Jagd auf Familien mit nicht angemeldeten Schwangerschaften macht. Die Phalanx der Unsterblichen ist einem strengen Verhaltenskodex unterworfen. Unter anderem dürfen die Mitglieder keine Partnerschaften eingehen.

Im Jahre 2454 erhält Jan Nachtigall 2T, Mitglied eines Einsatzteams der Phalanx, von Senator Erich Schreyer einen Spezialauftrag. Bei seinem nächsten Einsatz soll er Jesús Rocamora ermorden, den Anführer der als Terrororganisation gebrandmarkten "Partei des Lebens", die die Reglementierung von Geburten ablehnt. Rocamoras (bis jetzt nicht registrierte) schwangere Freundin Annelie Wallin 21P soll ebenfalls sterben. Zur Belohnung winken Jan sozialer Aufstieg und die damit verbundenen Vergünstigungen. Er muss schnell handeln, denn ein alter Feind aus dem Internat wird den Job an seiner Stelle übernehmen, sollte sich Jan als zu schwach erweisen. Der Einsatz geht schief. Jans Kameraden vergewaltigen Annelie. Er selbst bringt es nicht fertig, Rocamora zu töten. Er lässt den Mann laufen und beschützt dessen Freundin, die er eigentlich beseitigen sollte, denn er verliebt sich in die junge Frau ...

Jan Nachtigall ist der Ich-Erzähler dieses dystopischen Romans, der von Anfang bis Ende von einer beklemmenden Atmosphäre der Hoffnungs- und Ausweglosigkeit geprägt ist. Das Grundrecht auf Unsterblichkeit ist für die Europäer eher Segen als Fluch, dennoch möchte verständlicherweise niemand darauf verzichten. Und so lernen wir aus Jans Perspektive viele Aspekte einer Welt kennen, die ihren Bewohnern zwar ewige Jugend verheißt, für die meisten aber auch ein ewiges Jammertal. Nur die Reichen und Mächtigen können diese Existenz wirklich genießen. Jan haust in einem winzigen Kabuff, vergleichbar mit den heutigen Kapselhotels, und muss noch froh sein, überhaupt eine solche vergleichsweise geräumige Wohnung für sich allein zu haben. Wie alle anderen schluckt er verschiedene Pillen zur Stimmungsaufhellung und zur Unterdrückung gewisser Triebe. Als er gemeinsam mit Annelie aus dieser Existenz ausbricht, führt ihn sein Weg nach Barcelona, wo die Phalanx (noch) keine Macht hat. In diesem chaotischen Schmelztiegel gewinnt die Düsternis nochmal eine ganz eigene Qualität. Zwischendurch wird immer wieder in Jans Jugend zurückgeblendet. Sein Martyrium im "Internat" nimmt breiten Raum ein, was ich zunächst als nicht unbedingt notwendig betrachtet habe, bis klar wurde, dass diese Vergangenheit sehr wichtig für den finalen Plot-Twist ist. Den Ausgang, also die Erklärung dafür, was Schreyer wirklich von Jan will, fand ich allerdings überkonstruiert. Spoiler: Jan ist Rocamoras Sohn, den dieser illegal mit Schreyers früherer Frau gezeugt hat ...

Die sehr eindrucksvoll und bildgewaltig geschilderten Verhältnisse in Europa sind in sich stimmig. Hier spricht der obige Teaser wohl für sich. Der Autor nimmt kein Blatt vor den Mund, er hält sich mit Sex- und Gewaltdarstellungen nicht zurück. Das ist dem Thema durchaus angemessen und geht für mich in Ordnung. Die Welt der Unsterblichen ist extrem, sie ist eine Monstrosität, entsprechend drastisch muss man sie dem Leser vor Augen führen. Bei den Figuren hapert es dagegen ein wenig. Zumindest ist Jan für mich trotz wortreicher innerer Monologe nicht so recht "greifbar" geworden. Er ist ein Getriebener, der wohl selbst nicht weiß, was er eigentlich will – oder der zumindest nicht entsprechend handelt. Als er es endlich tut, ist es zu spät. Bei den anderen Figuren herrscht leider zu oft Eindimensionalität vor. Insgesamt ist "Futu.re" sicher kein schlechter Roman, aber irgendwie hat er mich nicht gepackt. Vielleicht liegt es daran, dass ich Dystopien wie diese früher heiß und innig geliebt habe – heute aber nicht mehr so sehr, weil sich unsere Realität in vielen Punkten eben jenen düsteren Zukunftsvisionen immer weiter annähert ... (26.12.2018)


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852
Prador Mond Neal Asher: Prador Mond
Bastei Lübbe, 2011
285 Seiten

Seit der Entwicklung der als "Runcibles" bezeichneten Materietransmitter haben sich die Menschen über zahlreiche Sonnensysteme ausgebreitet. Eines Tages berührt die Polis – das von Künstlichen Intelligenzen geführte Staatswesen der Menschheit – bei ihrer Expansion die Grenzen des Königreichs der Prador. Die an riesige Krabben erinnernden Wesen betreiben überlichtschnelle Raumfahrt und kennen die Runcibletechnik nicht, sind der Polis aber auf dem Gebiet der metallverarbeitenden Technik weit überlegen. Die Prador sind paranoide Individualisten. Sie leben in einem streng hierarchisch gegliederten System, in dem die Familienoberhäupter uneingeschränkte Macht besitzen und ihre Nachkommen mittels spezieller Pheromone und purer Gewalt gefügig machen. Unter den Erst- und Zweitkindern jedes Prador-Clans (noch jüngere Exemplare liegen buchstäblich auf Eis, bis sie gebraucht werden) tobt ein ständiger Konkurrenzkampf. Wenn ein Familienoberhaupt Schwäche zeigt, endet es gewöhnlich in den Mandibeln der eigenen Brut. Der erste Kontakt zwischen Menschen und Prador findet in der Raumstation Avalon statt. Ein Botschafter soll eine Abordnung der Krabbenwesen in Empfang nehmen. Jebel Krong, ein Sicherheitsoffizier der Station, wird Zeuge, wie der Anführer der Prador den Botschafter mit seinen Scheren in zwei Hälften teilt ...

Die Prador sind nicht an einer friedlichen Koexistenz interessiert. Sie kommen als Eroberer, überrennen die Station, töten tausende Zivilisten und nehmen hunderte gefangen, um mit ihnen zu experimentieren oder sie zu verspeisen – Menschenfleisch ist für die Prador besonders lecker, wenn auch schwer verdaulich. Die Menschen führen ein aussichtsloses Rückzugsgefecht, um die Flucht der Bewohner Avalons zu decken. Jebel versucht vergeblich, die Entführten zu retten. Durch eine wagemutige Aktion gelingt es ihm, den Anführer der Prador zu töten, doch unzählige Zivilisten sterben, darunter eine Frau, in die sich Jebel verliebt hat. In der folgenden Zeit greifen die Prador einen zur Polis gehörenden Planeten nach dem anderen an und metzeln gnadenlos alles nieder, was ihnen in die Quere kommt. Die Menschen kämpfen auf verlorenem Posten, weil nicht genug Schlachtschiffe zur Verfügung stehen und die Panzerungen der gegnerischen Einheiten fast unzerstörbar sind. Nur langsam läuft die Produktion neuer, besser bewaffneter Einheiten an.

Um jeden Preis muss verhindert werden, dass den Prador ein Runcible in die Hände fällt. Genau dieses Ziel verfolgt Immanenz, Kapitän jenes Prador-Kampfschiffes, das Avalon angegriffen hat. Sein Ziel ist das Trajeen-Runcible, ein experimenteller Großtransmitter für Fracht und Raumschiffe. Moria Salem, eine beim Trajeen-Torprojekt eingesetzte Technikerin, entwickelt eine tollkühnen Plan zur Rettung des Runcibles und zur Vernichtung des unbezwingbar scheinenden Feindes.

"Prador Mond" ist Bestandteil des Polis-Universums und spielt vor dem ebenfalls in dieses Universum eingebetteten fünfbändigen Ian-Cormac-Minizyklus, den ich jüngst beendet habe. In den Bänden des Minizyklus, vor allem in Band 4 (Das Tor der Zeit) wird immer wieder auf den lange zurückliegenden Pradorkrieg angespielt, durch den die Polis an den Rand des Untergangs getrieben wurde und der weitreichende Veränderungen nach sich gezogen hat. Um den Ausbruch genau dieses Krieges und nicht viel mehr geht es im vorliegenden Roman. Asher erweist sich wieder einmal als nicht zimperlich bei der Schilderung von Gewalt, und so geht es in den Jebel-Krong-Kapiteln sehr, sehr blutig zur Sache. Die Prador wirken wie Klischees aus Space Operas der Fünfzigerjahre, allerdings wird das Ganze einerseits durch Gedanken der Protagonisten ironisch gebrochen, die sich darüber wundern, dass die Prador aussehen und sich verhalten wie B-Film-Monster, andererseits sind die Prador nicht einfach böse. Sie entstammen nun einmal einer ganz anderen Kultur, in der Rücksichtnahme auf Schwächere völlig unbekannt ist. Bei ihnen gilt der Grundsatz "Fressen und gefressen werden". Die Prador gehen mit den Menschen einfach genauso um wie mit ihresgleichen und verstehen gar nicht, warum sich diese weichlichen Zweibeiner so sehr darüber aufregen. Das sorgt in den Kapiteln, bei denen die Perspektive der Prador eingenommen wird, für einige sehr schwarzhumorige Situationen.

Die Kämpfe zwischen Menschen und Prador sind durchaus packend, hätten aber auf die Dauer doch langweilig werden können. Zum Glück springt Asher nicht nur zwischen beiden Parteien hin und her. In einer dritten Handlungsebene erleben wir mit, wie Moria Salem ihren ersten Zerebralverstärker erhält. Im Ian-Cormac-Zyklus trägt praktisch jeder Bürger der Polis so ein Ding, mit dem sich die Leistungsfähigkeit des menschlichen Hirns steigern lässt und das zur Vernetzung mit den allgegenwärtigen KIs dient. Hier ist das noch nicht so. An Morias Beispiel erfahren wir, wie es sich anfühlt, einen Verstärker zu benutzen. Hinzu kommt der eine oder andere Querverweis. So lässt sich Moria von Aubron Sylac aufrüsten, einem gewissenlosen Arzt, der Arian Pelter in Der Drache von Samarkand mit Hardware zur Steuerung des Killer-Golems Mr. Crane ausstattet, außerdem erleben wir das Polis-Schlachtschiff Occam Razor in Aktion. Insgesamt ist die Handlung dieses kurzen, knackigen Romans ziemlich simpel, als kleine Facette eines größeren Universums ist das Buch dennoch OK. (10.12.2018)


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851
Fraktal Hannu Rajaniemi: Fraktal
Piper, 2013
396 Seiten

Ich gebe offen zu, dass ich nicht ganz kapiert habe, um was es in diesem Roman eigentlich geht. Das soll nicht heißen, dass man der Handlung nicht folgen könnte; man kommt schon irgendwie mit. Mir ist auch klar, dass der Autor uns ein Universum des Posthumanismus vorführen möchte, in dem Körper und Bewusstsein schon lange keine Einheit mehr bilden und in dem es keine Individualität gibt, weil ein Bewusstsein beliebig oft kopiert sowie in die verschiedensten Trägermedien eingespeist werden kann; sei es ein aus Nanomaschinen bestehender Kunstkörper, eine virtuelle Realität oder ein planetengroßes Supergehirn. Aber welche Ziele die Protagonisten verfolgen? Warum sie sich diese Ziele gesetzt haben? Was sie tun, um die Ziele zu erreichen? Und wer oder was die Protagonisten überhaupt sind? Das ist mir größtenteils schleierhaft geblieben. Deshalb müsste ich mir wie schon beim Vorgängerroman Quantum einiges zusammenreimen, um einen vernünftigen Teaser schreiben zu können. Ehrlich gesagt fehlt mir dazu die Lust.

Soweit ich es verstanden habe, soll der Meisterdieb Jean le Flambeur den Kaminari-Stein für die Gründerin Josephine Pellegrini stehlen (keine Ahnung, was das für ein Ding ist). Der Stein befindet sich im Besitz Matjek Chens, des derzeitigen Herrschers des Sobornost, und er wird zur Vollendung des großen Plans dieser Halbgötter benötigt. Ein virtuelles Universum soll entstehen, in dem alle Menschen, die vor dem Großen Zusammenbruch auf der Erde gelebt haben, wiedergeboren werden und ewig leben können. Um an Chen heranzukommen, benötigt Jean dessen Gründercodes. Diese kann er am ehesten mit der unfreiwilligen Hilfe einer Bewusstseinskopie Chens erlangen. Eine solche Kopie soll sich auf der Erde in einem Tiefbunker befinden, der so perfekt gesichert ist, dass er den Großen Zusammenbruch überstanden haben könnte. Die Sicherung stellt natürlich ein Problem dar, außerdem ist die Erde eine Wüste, in der eine ungeschützte Person von wilden Naniten zerfressen oder durch die Einwirkung von Chaoscode mutieren würde. Nur die herrschenden Muthasib-Familien können schützende Siegel verleihen. Um sich in Chens VR einschleusen zu können, nimmt Jean die Identität eines Abgesandten des Sobornost an, der einen Mord aufklären soll. Er bedient sich einer jungen Frau namens Tawaddud Gomelez, die bei ihrem Vater in Ungnade gefallen ist und sich nun rehabilitieren will. Derweil lässt sich Mieli als Söldnerin anheuern, um ebenfalls auf der Erde aktiv werden zu können.

Ich hatte dieselben Probleme wie beim ersten Roman der Trilogie, die ich jetzt wohl doch nicht wie ursprünglich beabsichtigt beenden werde. Teil 3 ist bis jetzt nur in englischer Sprache erschienen. Wenn ich bei den ersten beiden Bänden schon meistens Bahnhof verstanden habe, dann wird das beim dritten sicher noch schlimmer sein. Der Autor konfrontiert den Leser ununterbrochen mit nicht immer nachvollziehbarem Technobabble, unverständlichen Neologismen und sonstigen Fantasiebegriffen, zu denen nur in den seltensten Fällen irgendwann später wenigstens Häppchen jener Informationen geliefert werden, die man bräuchte, um zu begreifen, was der Autor einige Kapitel vorher gemeint hat. Ein Glossar wäre sehr hilfreich gewesen und über einen Abriss der Vorgeschichte, auf die in den beiden Romanen immer wieder – allerdings stets nur andeutungsweise – Bezug genommen wird, hätte ich mich gefreut. Der ständige Wechsel zwischen der selbst für SF-Fans nicht leicht verständlichen Zukunftswelt und unzähligen ineinander verschachtelten virtuellen Realitäten/Träumen/Visionen, in denen sowieso alles möglich ist, macht die Lektüre nicht gerade leichter. Irgendwann wusste ich buchstäblich nicht mehr, "wo" ich gerade war. Wie schon bei Band eins finde ich den Roman durchaus faszinierend. Besonderheit ist diesmal die Atmosphäre aus Tausendundeiner Nacht, die bei den auf der Erde spielenden Kapiteln entsteht. Nur reicht das nicht als Motivation, den Trilogie-Abschluss in einer Fremdsprache zu lesen. (05.12.2018)

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