Spectre


James Bond 007: Spectre (USA, 2015)
- Spectre -

Blu-ray, MGM
Altersfreigabe: FSK 12
Laufzeit: ca. 148 Minuten

Extras:
- Der spektakuläre Filmanfang (20:12 Min.)
- Kurzdokumentationen (9:09 Min.)
- Bildergalerie
- Trailer

Regie:
Sam Mendes

Hauptdarsteller:
Daniel Craig (James Bond)
Christoph Waltz (Ernst Stavro Blofeld / Franz Oberhauser)
Lea Seydoux (Dr. Madeleine Swann)
Ralph Fiennes (Gareth Mallory - "M")
Andrew Scott (Max Denbigh)
Ben Whishaw ("Q")
Naomie Harris (Eve Moneypenny)




Story

Zur Vorgeschichte siehe Skyfall.

James Bond erhält eine Videobotschaft, die die ehemalige Chefin des britischen Geheimdienstes MI6 für den Fall ihres gewaltsamen Todes angefertigt hat. Darin fordert sie Bond auf, einen Mann namens Sciarra zu töten und dessen Beerdigung nicht zu verpassen. Bond erfüllt diesen inoffiziellen Auftrag ohne Wissen seines neuen Chefs Gareth Mallory ("M"). Er tötet Sciarra in Mexiko-Stadt und nimmt ihm einen Ring ab, mit dem sich Sciarra Terroristen gegenüber identifiziert hat. Außerdem hört Bond ein Gespräch Sciarras mit, in dem von einem "Blassen König" die Rede ist. Anschließend wird Bond von M suspendiert. Der Agent darf London nicht verlassen und soll durch in seinen Blutkreislauf eingebrachte Nanopartikel permanent überwacht werden. Es interessiert M herzlich wenig, dass Bond mit dem Alleingang einen Anschlag auf ein Stadion verhindert hat, denn im Verlauf des Kampfes ist es zu Zerstörungen und Panik in Mexiko-City gekommen. Derartige Komplikationen kann M aufgrund der von Max Denbigh forcierten Fusion des MI6 mit dem Inlandsgeheimdienst MI5 zurzeit überhaupt nicht gebrauchen. Denbigh hält das Doppelnullprogramm des MI6 für veraltet. Er setzt stattdessen auf die totale Kontrolle der digitalen Welt. Das von ihm vorgeschlagene Programm "Nine Eyes" soll dazu führen, dass die Geheimdienste von neun Staaten miteinander vernetzt werden. Auf diese Weise soll ein umfassendes globales Überwachungssystem entstehen. Sein Vorschlag wurde noch nicht umgesetzt, denn Südafrika hat dagegen gestimmt. Dennoch droht M im Machtkampf mit Denbigh zu unterliegen.

Mit Hilfe Moneypennys und des Quartiermeisters "Q" taucht Bond unter, um an Sciarras Beerdigung in Rom teilnehmen zu können. Er rettet Sciarras nicht wirklich trauernde Witwe Lucia vor zwei Killern eines Verbrechersyndikats, dem ihr Gatte angehört hat, und verführt die Frau. Lucia ist in Lebensgefahr, weil sie zuviel über das Syndikat weiß - zum Beispiel, dass noch in derselben Nacht ein großes Zusammentreffen in Rom stattfinden wird. Bond hinterlässt die Nummer eines Kontaktmannes bei der CIA, der Lucia in Sicherheit bringen kann. Dann infiltriert er das Syndikatstreffen. Der erbeutete Ring leistet ihm dabei gute Dienste. Er wird Zeuge, wie die Syndikatsmitglieder von Erfolgen bei der Unterwanderung der Wirtschaft verschiedener Länder, der Destabilisierung durch Terroranschläge sowie anderen Aktionen berichten, und wie ein muskelbepackter Killer namens Mr. Hinx einen Konkurrenten ermordet, um Sciarras verwaisten Platz einzunehmen. Das von allen gefürchtete Oberhaupt des Syndikats weiß, dass Bond anwesend ist. Bond glaubt Franz Oberhauser in ihm wiederzuerkennen, den Sohn eines Mannes, der den jungen James Bond nach dem Tod von dessen Eltern unter seine Fittiche genommen hat. Bond hat bisher geglaubt, sein Ziehvater und Franz Oberhauser seien in einer Lawine ums Leben gekommen. Bond muss fliehen. Nachdem er Mr. Hinx abgeschüttelt hat, bittet er Moneypenny telefonisch, mehr über den Blassen König und Franz Oberhauser in Erfahrung zu bringen. Sie teilt ihm mit, dass der Blasse König mit Mr. White identisch ist und sich in Österreich versteckt hält.

Bond spürt White auf. Der Mann ist ein körperliches Wrack. Seine Organisation "Quantum" gehört zu Oberhausers Syndikat, aber White hat sich von ihm losgesagt. Zur Strafe wurde er mit Thallium vergiftet. Bond gewinnt Whites Vertrauen. Bevor der Todkranke sich mit der Pistole des Agenten erschießt, bittet er Bond, seine Tochter Madeleine zu beschützen. Sie kann Bond angeblich helfen, an Oberhauser heranzukommen, denn sie weiß, wo L'Americain ist. Madeleine, die in einer exklusiven Klinik arbeitet, weist Bond zunächst zurück. Der Agent greift ein, als Madeleine von Hinx entführt wird, und rettet die junge Frau. Q untersucht den von Bond erbeuteten Ring und findet heraus, dass Bond sich nicht getäuscht hat. Oberhauser ist tatsächlich noch am Leben und sein Syndikat, das Madeleine zufolge als "Spectre" bezeichnet wird, ist weiter verzweigt als bisher gedacht. So waren Le Chiffre, Dominic Greene und Raoul Silva Agenten von Spectre. Somit ist Spectre in letzter Konsequenz verantwortlich für den Tod von Bonds großer Liebe Vesper Lynd. Madeleine führt Bond zu L'Americain. Hierbei handelt es sich um ein Hotel in Tanger, das von Mr. White und dessen Frau oft besucht wurde. Dort entdeckt Bond einen Geheimraum voller Informationen über Spectre. White hat offensichtlich geplant, Oberhauser zu ermorden. Dessen Hauptquartier muss sich irgendwo mitten in der Wüste befinden. Derweil wendet sich das Blatt in London endgültig zu Denbighs Gunsten. Aufgrund eines von Spectre verübten Terroranschlages in Südafrika wird Nine Eyes doch noch ratifiziert. M muss zur Kenntnis nehmen, dass Denbigh nicht davor zurückschreckt, die eigenen Agenten auszuspionieren. Bonds Telefongespräch mit Moneypenny wurde abgehört. Damit hat Denbigh einen Vorwand, um das Doppelnullprogramm offiziell für beendet zu erklären.

Während Bond und Madeleine per Zug in die Wüste reisen, kommen sie sich menschlich näher. Bond beginnt über das Ende seiner Agententätigkeit nachzudenken. Nachdem sie einen Angriff von Mr. Hinx mit vereinten Kräften abgewehrt haben, schlafen Bond und Madeleine miteinander. Oberhauser erwartet die beiden schon. Er lässt sie in seine Basis inmitten eines Meteoritenkraters bringen. Von hier aus kann Spectre auf alle Datenströme zugreifen. Spectre steckt hinter Nine Eyes, und sollte dieses Programm online gehen, wäre das Syndikat nicht mehr aufzuhalten. Oberhauser hat ein ganz persönliches Interesse an Bond. Oberhauser hat sich seinerzeit zurückgesetzt gefühlt und aus diesem Grund seinen eigenen Vater ermordet. Franz Oberhauser existiert nicht mehr; er nennt sich jetzt Ernst Stavro Blofeld. Bond wird gefoltert, kann Madeleine aber eine Spezialuhr mit Sprengladung zuspielen. In der Explosion erleidet Blofeld eine Gesichtsverletzung. Auf der Flucht verursacht Bond weitere Explosionen, so dass die gesamte Basis vernichtet wird. Blofeld überlebt und folgt Bond nach London. Er entführt Madeleine, die sich von Bond getrennt hat, weil sie nicht mit einem Auftragsmörder zusammenleben will. Auch Bond fällt Blofelds Häschern in die Hände, kann sich aber befreien und das alte MI6-Gebäude als Blofelds neues Versteck identifizieren. M stellt Denbigh, während Q verhindert, dass Nine Eyes online geht. Denbigh versucht M zu überwältigen, verliert im Handgemenge das Gleichgewicht und stürzt zu Tode. Das MI6-Gebäude steckt voller Sprengladungen; es soll demnächst abgerissen werden. Blofeld lässt Bond wissen, dass sich Madeleine in dem Gebäude befindet, dann aktiviert er den auf drei Minuten eingestellten Zeitzünder der Sprengladungen und verschwindet per Hubschrauber.

Bond befreit Madeleine in letzter Minute, verfolgt Blofelds Hubschrauber per Boot und schießt die Maschine ab. Blofeld überlebt den Absturz. Bond verzichtet darauf, ihn zu töten. M. nimmt den Syndikatsboss fest. Bond quittiert den Dienst, um mit Madeleine zusammensein zu können.


Kringels Meinung

James Bonds 24. Mission ist die vierte mit Daniel Craig in der Hauptrolle. Betrachtet man die Bond-Filme seit Casino Royale (2006) als Prequels der mit James Bond jagt Dr. No im Jahre 1962 gestarteten Reihe, dann könnte man sagen, dass wir jetzt endgültig dort angelangt sind, wo Sean Connery vor über 50 Jahren angefangen hat! Schon in Skyfall wurde der weibliche MI6-Chef durch einen männlichen "M" ersetzt, Moneypenny sitzt im Vorzimmer von dessen Büro, welches sich in einem altehrwürdigen Gebäude in Whitehall befindet. Ein Element hat bisher noch gefehlt und wird jetzt eingeführt, nämlich ein Superschurke, der die Welt erobern will. Bonds bisherige Gegner hatten nicht dieses Format, und wie sich herausstellt, waren sie nur Schachfiguren in den Plänen Blofelds. Gute Idee! Die Organisation S.P.E.C.T.R.E. (in der deutschen Fassung damals "G.O.F.T.E.R." bzw. "Das Phantom" genannt) begegnet uns ja schon in "Dr. No" und Liebesgrüße aus Moskau. Dr. No war auch nur einer von Blofelds Schergen, eines Bösewichts, mit dem sich so manche Bond-Inkarnation hat herumschlagen müssen. Damit wären wir bei meinem einzigen Kritikpunkt angelangt: So sehr ich Christoph Waltz schätze, so wenig überzeugt er mich in dieser Rolle. Blofelds Bedrohlichkeit kommt gut rüber, solange er höchstens als schattenhafte Gestalt gezeigt wird. Durch die Reaktionen der Syndikatsmitglieder auf sein Erscheinen wird deutlich, wie sehr er gefürchtet wird. Der Effekt verpufft, sobald Blofeld ins Licht tritt. Er wirkt einfach zu nett! Die gemeinsame Vergangenheit Blofelds und James Bonds hätte meines Erachtens nicht sein müssen. Dieser Twist kommt mir etwas erzwungen vor.

Ansonsten habe ich nichts an "Spectre" auszusetzen. Es ist alles da, was man von einem guten Bond erwartet: Faszinierende Schauplätze in aller Welt, schöne Frauen, Luxus und Eleganz, trockener Humor - sowie Action, die erneut erfreulich solide ausfällt. Hightech kommt durchaus zum Einsatz, auf übertriebene Agenten-Gadgets wird jedoch weiterhin verzichtet und das tut dem Film gut. Die Handlung mag nicht gerade das Gelbe vom Ei sein, das wird durch die spektakulären Schauwerte aber mehr als ausgeglichen. Schon der Auftakt ist großartig. 007, eine Gespielin am Arm, folgt Sciarra mitten durch den Trubel des Dia de Muertos in Mexiko-Stadt. Wahnsinn, was da an kostümierten Statisten unterwegs ist! Gut gefällt mir, dass M, Q und Moneypenny sinnvoll in die Handlung eingebunden werden. In den alten Filmen hatte M nicht mehr zu tun, als Bond auf die nächste Mission zu schicken. Q war lediglich für die Ausstattung des Agenten mit diversem Schnickschnack zuständig. Moneypenny durfte Bond anschmachten und war nur sehr selten außerhalb des Büros zu sehen. In "Spectre" hat M einen wichtigen Part, und zwar nicht nur, weil er aktiv am Kampf gegen Denbigh mitwirkt. Er sammelt bei mir vor allem Sympathiepunkte, weil er der modernen Überwachungstechnik gelinde gesagt skeptisch gegenübersteht. Q geht ebenfalls in den Feldeinsatz und riskiert seinen Job, um Bond zu helfen. Nur Moneypenny, die in den vorherigen Craig-Filmen zu einer starken Figur aufgebaut wurde, wird ein wenig stiefmütterlich behandelt.

Wie ich schon mehrmals geschrieben habe, halte ich den Neustart der Serie für sehr gelungen. "Spectre" kommt nicht an "Skyfall" heran, spannende Unterhaltung wird aber auf jeden Fall geboten. Der neue Bond hat sich sein eigenes Profil erarbeitet. Jetzt hat er den Dienst quittiert. Dennoch ist im Abspann zu lesen, dass James Bond zurückkehren wird. Das will ich doch hoffen! Aber wird Daniel Craig ihn noch einmal spielen? Ich hätte nichts dagegen, denn ich finde nach wie vor, dass er eine hervorragende Besetzung für Ian Flemings Romanfigur ist.


Extras

Das Bonusmaterial dieser Blu-ray-Fassung ist relativ mager. Die so genannten "Kurzdokumentationen" sind wirklich sehr kurz und können nur als Werbeclips bezeichnet werden. Immerhin erfährt man, dass die Zerstörung von Blofelds Basis als größte Explosion der Filmgeschichte gilt. Interessanter ist da schon eine zwanzigminütige Featurette, die sich ausschließlich mit der Entstehung des Filmauftakts in Mexiko-Stadt beschäftigt. Ich hatte zuerst gedacht, diese Szenen seien dort wirklich während des "Tags der Toten" gedreht worden, also inmitten ganz normaler feiernder Teilnehmer dieser Veranstaltung. Weit gefehlt! Das Fest wurde mit 1500 Komparsen nachgestellt, die von hunderten Visagisten, Friseuren und Kostümbildnern entsprechend ausstaffiert wurden. Ein unglaublicher Aufwand, der sich aber wirklich gelohnt hat. Und wie es sich für einen Bond-Film gehört, wurde kein CGI-Hubschrauber eingefügt - es ist alles echt.


J. Kreis, 25.01.2018




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