300: Rise of an Empire


300: Rise of an Empire (USA, 2014)

Blu-ray, Warner Home Video
Altersfreigabe: FSK 18
Laufzeit: ca. 102 Minuten

Extras:
- Der 300-Effekt - 4 Featurettes (29:57 Min.)
- Wahre Anführer und Legenden (22:52 Min.)
- Kriegerinnen (12:22 Min.)
- Barbarische Kriegsschiffe (10:36 Min.)
- Wie man zum Krieger wird (4:39 Min)

Regie:
Noam Murro

Hauptdarsteller:
Sullivan Stapleton (Themistokles)
Eva Green (Artemisia)
Rodrigo Santoro (Xerxes)
Callan Mulvey (Scyllias)
Lena Headey (Gorgo)




Inhalt

Das Perserreich führt jahrelang Krieg gegen Athen. Unter der Führung des Generals und Staatsmanns Themistokles wird der Vormarsch der Perser in der Schlacht von Marathon gestoppt. Themistokles kämpft an vorderster Front und feuert einen Pfeil ab, durch den der persische König Darius tödlich verwundet wird. Darius fordert seinen Sohn Xerxes auf, den Krieg zu beenden. Seiner Meinung nach können die Griechen nur von den Göttern bezwungen werden. Artemisia, wichtigste Vertraute und Feldherrin des alten sowie des neuen Königs, ist von unversöhnlichem Hass gegen Griechenland erfüllt. Griechische Soldaten haben ihre gesamte Familie niedergemetzelt. Sie selbst wurde jahrelang als Sklavin in einem Schiff gefangen gehalten und vergewaltigt. Man hatte sie dem Tod überantwortet, doch ein Perser hatte sie gerettet. Sie ist zu einer exzellenten Schwertkämpferin geworden, hat viele Feinde des Darius getötet und somit seine Gunst gewonnen. Artemisia bringt Xerxes dazu, die Worte seines verstorbenen Vaters als Herausforderung zu betrachten. Xerxes nimmt die Segnung einer dunklen Macht an und unterzieht sich einem Transformationsprozess, aus dem er als Gottkönig hervorgeht. Zehn Jahre nach dem Tod seines Vaters setzt sich Xerxes an die Spitze der gewaltigsten je dagewesenen Streitmacht, um alle Griechen zu unterwerfen. Während Xerxes über Land marschiert, erhält Artemisia den Oberbefehl über die Flotte.

Themistokles erfährt durch seinen bei den Persern spionierenden Freund Scyllias, was auf Griechenland zukommt. Auf sich allein gestellt wäre Athen diesem Ansturm nicht gewachsen. Vergeblich versucht Themistokles, der auf die Stärke der seiner Flotte setzt, alle griechischen Königreiche gegen Xerxes zu vereinen. Einige wollen sich den Persern unterwerfen, andere vertrauen dem ehrgeizigen General nicht und die Spartaner lehnen Bündnisse grundsätzlich ab. Doch der Stolz der Spartaner wird zum ausschlaggebenden Faktor. Ein Gesandter des Xerxes ist am Hofe von König Leonidas erschienen und hat dessen Unterwerfung in beleidigender Weise gefordert. Leonidas hat den Gesandten getötet und ist mit seinen dreihundert besten Kriegern zum Thermopylenpass marschiert, um sich Xerxes entgegenzustellen. Dort dezimieren die standhaften Spartaner das persische Landheer nach Kräften. Währenddessen gelingt es Themistokles trotz hoffnungsloser Unterlegenheit, der schwerfälligen persischen Flotte bei Artemision mit seinen wendigen Trieren durch geschickte Rammtaktik empfindliche Schläge zu versetzen. Beeindruckt vom Erfolg des gegnerischen Anführers lädt Artemisia Themistokles zu sich ein und bietet ihm ein Bündnis an. Doch selbst die Verführungskünste der schönen Frau reichen nicht aus, um Themistokles zum Verrat zu bewegen.

Dann wendet sich das Schlachtenglück zu Gunsten der Perser. Artemisia vernichtet den größten Teil der Schiffe des Themistokles, wobei Scyllias den Tod findet. Leonidas und all seine Kämpfer fallen. Xerxes nimmt Athen ein und verwüstet die gesamte Stadt. Themistokles nutzt die Opferbereitschaft der Spartaner propagandistisch aus. Er wird auch bei Leonidas' Witwe Gorgo vorstellig und legt der stolzen Königin nahe, ihren Gatten zu rächen. Außerdem lässt er Xerxes die Nachricht zukommen, dass er ihn bei der Insel Salamis erwartet. Gegen die Anweisung ihres Königs führt Artemisia, die Leonidas für tot gehalten hat, die gesamte Seestreitmacht dorthin, um die Sache ein für alle Mal zu beenden. In einer selbstmörderischen Attacke stößt Themistokles mit seinen wenigen verbliebenen Trieren direkt bis zum feindlichen Führungsschiff vor und stellt Artemisia. Die Griechen drohen aufgerieben zu werden. Da nähern sich Flotten aus allen griechischen Königreichen - auch Sparta - von verschiedenen Seiten. Die überraschten Perser werden niedergemetzelt. Da Artemisia die Kapitulation verweigert, tötet Themistokles sie im Zweikampf.


Kringels Meinung

Ebenso wie Zack Snyders 300 ist auch "Rise of an Empire" kein Historienfilm. Das sollte man nie vergessen. Es ist die Verfilmung eines Comics, welches sich an reale geschichtliche Ereignisse anlehnt - mit der Besonderheit, dass Frank Millers Graphic Novel zum Zeitpunkt der Dreharbeiten zu "Rise of an Empire" noch gar nicht fertig war. Jedenfalls geht es diesmal hauptsächlich um die Seeschlachten von Artemision und Salamis. Der Ausgang ist bekannt und man kann behaupten, dass damals über das Geschick der westlichen Welt entschieden worden ist. Wäre Griechenland vom Perserreich erobert worden, dann würden wir heute wohl in einer völlig anderen Kultur leben. Was ich nicht wusste, als ich diesen Film noch nicht kannte: Artemisia ist eine historische Persönlichkeit. Sie hat tatsächlich ein Flottenkontingent der Perser kommandiert und muss eine äußerst beeindruckende Frau gewesen sein. Allerdings soll sie die Schlacht von Salamis überlebt haben, außerdem soll es im Vorfeld umgekehrt gewesen sein. Nicht sie wollte bei Salamis angreifen, stattdessen wurde Xerxes gegen ihren Willen von anderen Beratern dazu gedrängt. Auch sonst nimmt sich der Film einige Freiheiten. So hat Themistokles bei der Schlacht von Marathon mitgekämpft, aber er hat nichts mit Darius' Tod zu tun. Zudem wurde Xerxes mit ziemlicher Sicherheit nicht durch ein Bad in einer seltsamen Flüssigkeit von einem normalen Menschen in einen Riesen mit goldener Haut verwandelt ...

Der Film ist insoweit keine Fortsetzung von "300", als sich der Kampf der Spartiaten bei den Thermopylen und zumindest die erste Seeschlacht zur selben Zeit ereignen. Tatsächlich bekommt man erstaunlich viele alte Bekannte wie Leonidas, Dilios und Königin Gorgo, verkörpert von denselben Schauspielern, noch einmal zu sehen. Während Gerard Butler und David Wenham kaum mehr als Cameo-Auftritte haben, sind Lena Headeys Figur sowie Andrew Tiernan (in der Ganzkörpermaske des verräterischen Krüppels Ephialtes praktisch nicht zu erkennen) durchaus handlungsrelevant. Der Perser, von dem Artemisia gerettet wird, ist übrigens der Gesandte, den Leonidas in den Brunnen schubst. Und dann ist da ja auch noch Rodrigo Santoro als Xerxes, den ich bei seinem ersten Auftritt gar nicht wiedererkannt habe. Zu diesem Zeitpunkt ist Xerxes noch nicht "verwandelt". Die Gleichzeitigkeit der Geschehnisse und die Bezugnahmen auf "300" waren für mich besondere Schmankerl. Die Figurenzeichnung ist dagegen eher schwach. Nur Artemisia erhält einen ausführlicheren Hintergrund, der ihre Motivation verdeutlicht. Themistokles wird als Muskelprotz dargestellt, dessen Kampfkünste denen von König Leonidas womöglich noch überlegen sind. Man hätte ihn vielleicht mehr als Staatsmann und Manipulator im Hintergrund einsetzen sollen, Gorgo an seiner Stelle als Anführerin - dann hätte es anstelle einer etwas bemüht wirkenden Sexszene zwischen den beiden Hauptantagonisten vielleicht einen herzhaften Catfight gegeben!

Aber ganz ehrlich: Von einem Film dieser Art erwarte ich gar keine tiefgründige Story, keine komplexen Figuren und so weiter. Hier geht es um mitreißende Action sowie nicht zuletzt um den typischen "300-Look". Und der überzeugt hundertprozentig! Als Verfilmung einer Graphic Novel kann ich den Film nur als perfekt bezeichnen. Durch CGI-Hintergründe, digital bearbeitete Farben und verschiedene Tricks wie zum Beispiel den plötzlichen Wechsel zu extremer Zeitlupe mitten in dynamischen Kampfszenen sowie die absichtlich völlig überspitzte Übertreibung der Gewaltszenen (das Blut spritzt eimerweise) entsteht ein ganz besonderer Eindruck von Künstlichkeit und Stilisierung. Ganz wie in einem Comic verharren die Protagonisten in heroischen Posen, ihre Körper werden modelliert wie antike Statuen. Man könnte fast meinen, man hätte ein in Bewegung geratenes Gemälde von Frank Frazetta oder Boris Vallejo vor sich. Ich finde nicht, dass "300" einfach nach dem Motto "mehr von allem" kopiert wurde. Schließlich sind die Seeschlachten etwas Neues und auch sonst wird viel Abwechslung geboten. Nur sollte man kein grundsätzliches Problem mit expliziter, ästhetisierender Gewaltdarstellung haben; die FSK-18-Einstufung ist völlig gerechtfertigt. Nebenbei bemerkt sind mir die Athener deutlich sympathischer als die Beinahe-Faschisten aus Sparta. Zugegeben, auch Themistokles und seine Leute halten ständig ihre Muskelpakete in die Kamera, aber sie faseln wenigstens nicht permanent davon, was für tolle Elitekämpfer sie sind und für wie minderwertig sie alle anderen Griechen halten. Die Athener kämpfen nicht aus Lust am Töten, sondern um zu überleben.


Extras

Die Gesamtlaufzeit des Bonusmaterials (ca. 80 Minuten) klingt nach viel. Gut die Hälfte entfällt aber auf Filmausschnitte und manche Inhalte wiederholen sich, wodurch das Ganze schon wieder relativiert wird. Insgesamt gesehen sind die Featurettes nicht sehr informativ, soweit es um den Film geht. Immerhin wird gezeigt, dass Teile der griechischen und persischen Schiffe in Originalgröße gebaut wurden. Dabei wurde viel Wert auf Realismus gelegt, das heißt, man hat sich an Konstruktionsplänen der Olympias orientiert. Hierbei handelt es sich um eine in den Achtzigern fertiggestellte Rekonstruktion einer Triere aus der Zeit, in der der Film spielt. Die Olympias ist voll funktionsfähig, wie man anhand von Originalaufnahmen aus dem Jahre 1990 sehen kann. Drei Reihen von sehr eng sitzenden Ruderern (Männer und Frauen) pullen absolut synchron - ein beeindruckender Anblick! Außerdem wird deutlich, wie sehr sich die Schauspieler im Training gequält haben, um ihre Körper in optisch ansprechende Form zu bringen und den Anforderungen der Dreharbeiten gewachsen zu sein.

Richtig interessant wird es, wenn Historiker wie Bettany Hughes, Victor Davis Hanson und andere über die geschichtlichen Hintergründe referieren. Man erfährt so einiges über das reale persische Reich, die Perserkriege, die Rolle der Frauen in der Antike und die wahren Lebensumstände der Filmhelden - soweit diese überhaupt bekannt sind. So gehen die Historiker auch darauf ein, dass Herodots "Historien", mithin die wichtigsten Quellen zu den Perserkriegen, nicht unumstritten sind. Außerdem bekommt man die realen Schauplätze der Seeschlachten von Artemision und Salamis zu sehen.


J. Kreis, 23.05.2018




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