Das Leben des Brian

Das Leben des Brian


Das Leben des Brian (GB, 1979)
- Monty Pythons Life of Brian -

DVD - Regionalcode 2, Columbia TriStar (Montys Enzyklopythonia)
Blu-ray, Sony Pictures Home Entertainment (The Immaculate Edition)
Altersfreigabe: FSK 12
Laufzeit: ca. 90 Minuten (DVD) / ca. 94 Minuten (Blu-ray)

Extras DVD:
- "The Pythons" (49:55 Min.)
- Trailer

Extras Blu-ray:
- 2 Audiokommentare
- Die Geschichte des Brian (59:51 Min.)
- Leseprobe vorläufiges Drehbuch (110:48 Min.)
- Radio-Spots (2:55 Min.)
- Entfallene Szenen mit optionalem Audiokommentar (13:16 Min.)
- Fotogalerie (1:47 Min.)

Regie:
Terry Jones

Hauptdarsteller:
Graham Chapman (Brian Cohen u.a.)
Terry Jones (Frau Cohen u.a.)
John Cleese (Reg u.a.)
Eric Idle (Loretta u.a.)
Michael Palin (Pontius Pilatus u.a.)
Sue Jones-Davies (Judith)
Terry Gilliam (div. Nebenrollen)
Carol Cleveland (div. Nebenrollen)




Inhalt

Drei Könige aus dem Morgenland folgen einem Stern, der ihnen den Weg nach Bethlehem weist. Dort wollen die weisen Astrologen dem Messias huldigen, welcher der Sohn Gottes ist und König der Juden. Sie finden den neugeborenen Jungen in einem Stall, in einer Krippe liegend, behütet von seiner Mutter, Frau Cohen. Die herrische Schreckschraube rät den drei Weisen, sich schleunigst zu verpissen. Sie ändert ihre Meinung, als die Besucher wertvolle Geschenke präsentieren: Gold, Weihrauch und Myrrhe. Nachdem die Männer das Kindlein, dessen Name Brian lautet, angemessen gepriesen haben, werden sie rausgeworfen. Gleich darauf kommen sie zurück und nehmen Frau Cohen die Geschenke wieder ab, denn im Stall nebenan haben sie den echten Heiland gefunden. Erst 33 Jahre später (Brians Altersgenosse zieht inzwischen als Prediger durch die Lande), verrät Frau Cohen ihrem Sohn, dass er kein echter Judäer ist. Sein Vater ist ein römischer Zenturio aus der Jerusalemer Garnison. Für Brian bricht eine Welt zusammen, denn er wünscht sich nichts sehnlicher, als sich einer der zahlreichen Widerstandsgruppen anzuschließen, welche es sich zur Aufgabe gemacht haben, das Land von den römischen Besatzern zu befreien. Außerdem hat sich Brian in die schöne Judith verliebt, ein Mitglied der von Reg angeführten Untergrundorganisation "Volksfront von Judäa" (VVJ).

Bei der Kindervorstellung im Kolosseum von Jerusalem, wo Brian kleine Snacks wie Lerchenzungen, gefüllte Jaguarohrläppchen, Otternasen und Ozelotmilch verkauft, ergibt sich endlich eine günstige Gelegenheit für den Beitritt zur VVJ. Nachdem Brian erklärt hat, dass er die Römer wie ein Wahnsinniger hasst, wird er von Reg in die Organisation aufgenommen. Brian erhält auch gleich den ersten Auftrag. Er soll des Nachts "Römer geht nach Hause" in Latein auf die Wand des Palastes schreiben, in dem der Statthalter Pontius Pilatus residiert. Zwar muss Brian von einer römischen Patrouille daran erinnert werden, dass es nicht "Romanes eunt domus" heißen muss, sondern "Romani ite domum", dann jedoch kann Brian die Aufgabe zur vollsten Zufriedenheit der VVJ erfüllen. Somit darf er sich an einer großen Aktion der Terroristen beteiligen. Sie wollen die Frau des Statthalters entführen, um ihn dazu zu zwingen, den römisch-imperialistischen Staatsapparat in Judäa binnen zweier Tage aufzulösen. Dummerweise stößt das Kampfkommando der VVJ im Palast auf Kämpfer der Kampagne für ein freies Galiläa, die dasselbe Ziel verfolgen. Es kommt zum Streit, alle fallen übereinander her. Am Ende lebt nur noch Brian, der den Konflikt schlichten wollte. Er wird von den Wachen eingesammelt und nach einer Nacht im Kerker dem Statthalter vorgeführt, kann aber fliehen.

Um seine Verfolger zu täuschen, mischt sich Brian auf dem Marktplatz unter die dort agitierenden Propheten. Sein unzusammenhängendes Gestammel wirkt für die Zuhörer nicht minder plausibel als die Tiraden der anderen Weissager, und so findet Brian eine schnell anwachsende Schar von Anhängern, die dem vermeintlichen Messias überallhin folgen. Judith findet das sehr beeindruckend und verbringt die Nacht mit Brian. Am nächsten Morgen versucht Brian seinen das Haus belagernden Jüngern klarzumachen, dass er keineswegs Wunder vollbringen kann und dass sie alle Individuen sind, die für sich selbst denken müssen. Als Brian genervt das Haus verlässt, fällt er prompt den Römern in die Hände und soll nun gekreuzigt werden. Pontius Pilatus hat den Brauch eingeführt, zum Beweis der Freundschaft zwischen Rom und Judäa anlässlich des anstehenden Passahfestes einen Gefangenen freizulassen. Er richtet sich mit einer entsprechenden Ansprache an das Volk. Judith, die sich unter die Zuhörer gemischt hat, fordert Brians Freilassung. Der Bitte wird umgehend entsprochen, allerdings kommt nicht der echte Brian frei, sondern ein Delinquent, der sich für Brian ausgibt. Die VVJ kann sich lediglich dazu durchringen, dem schon am Kreuz hängenden Brian größten Respekt auszusprechen. Ein Suizidkommando der Judäischen Volksfront schlägt die Römer am Kreuzigungshügel in die Flucht und begeht kollektiven Selbstmord. Judith erscheint, aber nur, um ihrem Geliebten zu erklären, dass sie sein Martyrium toll findet. Brians Mutter ist auch keine Hilfe. Am Nachbarkreuz hängt ein Verurteilter, der Brian mit dem schönen Lied "Always Look on the Bright Side of Life" aufheitert ...


Kringels Meinung

"Das Leben des Brian" ist meiner persönlichen Meinung nach nicht nur der beste Film der britischen Kultkomiker "Monty Python", sondern auch einer der besten Filme aller Zeiten. Allein schon der Humor würde für eine Aufnahme in dem cineastischen Olymp ausreichen, denn der Film ist einfach nur unglaublich witzig. Die gesamte Bandbreite wird abgedeckt; von subtilen Anspielungen, Situationskomik, skurrilen Figuren und bissigem Sarkasmus bis hin zu Albernheiten, Zoten, Slapstick, Absurdität und blankem Wahnsinn ist alles dabei. In einer der verrücktesten Sequenzen der Filmgeschichte stürzt Brian von einem Turm und wird durch Zufall gerettet, weil gerade ein Raumschiff vorbeifliegt, dessen außerirdische Besatzung sich anschließend eine Verfolgungsjagd mit einem gegnerischen Schiff liefert, abgeschossen wird und direkt neben besagtem Turm abstürzt, so dass Brian gleich weiter vor den Römern fliehen kann ... Ein Deus-ex-machina par excellence und ein schönes Beispiel für die Selbstironie der Pythons. "Das Leben des Brian" ist ein zwerchfellerschütternder Geniestreich, in dem jedes einzelne Mitglied der Python-Truppe (plus einige nicht minder gute weitere Schauspieler) gleich mehrere Rollen beiderlei Geschlechts auf die jeweilige unnachahmliche Art übernimmt. Ich will gar nicht damit anfangen, die unzähligen unvergesslichen Szenen und Dialoge aufzuführen - da müsste ich fast das gesamte Drehbuch abschreiben! Zudem wirkt "Das Leben des Brian" viel, viel runder und in sich geschlossener als Ritter der Kokosnuss oder gar Der Sinn des Lebens, die beiden einzigen anderen Filme mit der kompletten Python-Truppe, weil nicht nur Sketche aneinandergereiht werden. Nein, hier wird eine richtige Geschichte erzählt.

Und diese Geschichte ist es, durch die "Das Leben des Brian" zu etwas ganz Besonderem wird, oder vielmehr die mal darin versteckten, mal deutlich ausgesprochenen, aber nie belehrend daherkommenden, sondern mit den Mitteln des Humors vermittelten Botschaften. Die sind heute noch so aktuell wie bei der Premiere des Films im Jahre 1979, oder vielleicht sogar noch aktueller. Kern ist natürlich Religionskritik. Die Pythons machen sich wohlgemerkt weder über Jesus Christus noch über die christlichen Werte lustig. Angriffsziel sind vielmehr blinder Glaube, Dogmatismus und religiöser Fanatismus sowie die allzu große Bereitschaft der Menschen, sich Autoritäten unterzuordnen und vermeintlichen Heilsbringern hinterherzulaufen. Als Beispiel sei nur eine der wunderbarsten Szenen des Films genannt. Brian flieht vor seinen "Jüngern" und verliert dabei einen Schuh. Die begeisterten Massen finden den Schuh und fangen sofort damit an, über die Bedeutung dieses göttlichen Zeichens zu streiten. Einer meint, Brian verlange von seinen Anhängern, dass sie einen Schuhe ausziehen und in die Höhe halten. Ein anderer glaubt, man solle Schuhe sammeln. Schon ist das erste Schisma da, aber es geht noch weiter, denn ein dritter Anhänger wehrt sich gegen die Bezeichnung "Schuh" - es ist eine Sandale! Die Pythons teilen allerdings nicht nur in Richtung Kirche aus. Die ebenso wortreichen wie sinnentleerten und zu nichts führenden Debatten politischer Gruppen sowie deren Grabenkämpfe untereinander (hier: die Leute von der Volksfront von Judäa, die nichts so sehr hassen wie die Spalter von der Judäischen Volksfront) werden ebenso aufs Korn genommen wie bestimmte Auswüchse des Feminismus, der political correctness und so weiter und so fort. Brian bringt es auf den Punkt, indem er seinen Anhängern zu erklären versucht, dass sie selbständig denken und sich von niemandem sagen lassen sollen, was sie zu tun haben.

Obendrein ist "Das Leben des Brian" ein optischer Genuss. Es ist fast nicht zu glauben, dass der Film nun schon 40 Jahre auf dem Buckel hat! Gedreht wurde nicht etwa in billigen Studiokulissen, sondern an Originalschauplätzen in Tunesien. Ausstattung, Kostüme - das alles wirkt sehr authentisch, wobei ich nicht beurteilen kann, inwieweit es als historisch korrekt bezeichnet werden kann. Hier ist nicht alles sauber und ordentlich wie in den Bibel-Epen vergangener Zeiten. Natürlich residiert Pontius Pilatus in einem prächtigen Palast, aber bei den unterprivilegierten Judäern ist alles ziemlich heruntergekommen und dreckig. Das trägt ebenso zur realistischen Atmosphäre bei wie die Tatsache, dass die Pythons auch diesmal nicht zimperlich sind, was Gewaltdarstellungen angeht. Abgetrennte Gliedmaßen und dergleichen bekommt man des öfteren zu sehen. Das Gesamtergebnis wirkt jedenfalls ebenso glaubwürdig wie zeitlos. Nur die oben genannte Raumschiffsszene kann aus heutiger Sicht nicht mehr überzeugen. "Das Leben des Brian" ist übrigens einer der wenigen Filme, bei denen mir die deutsche Synchronisation genauso gut gefällt wie die englischsprachige Fassung. Für mich haben die deutschen Dialoge absoluten Kultcharakter erreicht. Manche Dialoge kann ich auswendig mitsprechen ... oder mitsingen, wie das legendäre Lied der Gekreuzigten.

"Das Leben des Brian" ist in vielfacher Hinsicht ein Meisterwerk. Der Film gehört meiner Meinung nach zur Allgemeinbildung, wenn ich auch nicht glaube, dass er jemals zur Primetime an Weihnachten in ARD und ZDF zu sehen sein wird. Sollte das eines Tages doch geschehen, werde ich zugeben, dass das christliche Abendland vielleicht noch nicht ganz verloren ist.


Extras

"Das Leben des Brian" ist in vielen verschiedenen DVD- und Blu-ray-Editionen fürs Heimkino erhältlich. Der Film selbst ist immer derselbe, das heißt, meines Wissens gibt es keine unterschiedlichen Schnittversionen. Die Laufzeit der Blu-ray von ca. 94 Minuten im Gegensatz zu den 90 Minuten der DVD kommt dadurch zustande, dass Blu-rays mit knapp 24 Bildern pro Sekunde laufen und somit immer ca 4 Prozent länger sind als PAL-DVDs, die mit 25 Bildern pro Sekunde laufen. Unterschiede bestehen lediglich beim Bonusmaterial.

Die DVD ("Montys Enzyklopythonia") bietet eine Dokumentation aus dem Jahre 1979, in der es mehr um die sechs Mitglieder der Python-Truppe geht und weniger um den Film. Sie besteht allerdings hauptsächlich aus Interviews, die am Rande der Dreharbeiten von "Das Leben des Brian" in Tunesien entstanden sind. Die Interviewten tragen dabei in der Regel noch ihre Kostüme. Sehr viel Material zum Film selbst ist gar nicht vorhanden: Ein paar Blicke auf den Kulissenbau und dergleichen. Die Pythons wären nicht die Pythons, wenn hierbei eine "ernsthafte" Filmdoku herausgekommen wäre. Die Pythons machen sich übereinander lustig und geben auch sonst so einiges von sich, was man nicht unbedingt für bare Münze nehmen sollte! Ein Erzähler geht auf die Vergangenheit der Pythons ein, also auf Monty Python's Flying Circus sowie Ritter der Kokosnuss, außerdem werden die verschiedensten Soloprojekte zur Sprache gebracht, zum Beispiel "Fawlty Towers" von John Cleese, die Beatles-Parodie "The Rutles" von Eric Idle, "The Odd Job" (ein Film mit Graham Chapman) und Jabberwocky, bei dem Terry Gilliam Regie geführt hat und in dem Michael Palin die Hauptrolle spielt. Ausschnitte aus diesen und anderen Werken sind zu sehen.

Die Extras der Blu-ray ("Immaculate Edition") sind viel umfangreicher, allerdings sind einzelne Inhalte des im Jahre 2007 entstandenen Beitrags "Die Geschichte des Brian" auch in der DVD-Doku enthalten. Das ist nicht weiter tragisch, weil sich "Die Geschichte des Brian" voll und ganz auf die Entstehung des Films sowie auf dessen Folgen konzentriert. Interviews aus dem Jahre 2007 und zeitgenössisches Material halten sich die Waage. Einiges davon war mir bereits bekannt, etwa dass der Film vom Ex-Beatle George Harrison finanziert wurde, nachdem EMI einen Rückzieher gemacht hatte. Auch die Kontroverse, die von "Das Leben des Brian" ausgelöst worden ist, bis hin zu einer legendär gewordenen Fernsehdiskussion, in der Palin und Cleese den Film u.a. gegen einen Bischof verteidigen mussten, war mir bekannt. Szenen aus dieser Talkshow (plus eine Parodie derselben mit Rowan Atkinson) und verschiedene Ausschnitte aus anderen Fernsehsendungen der damaligen Zeit sind vorhanden. Was mir nicht bekannt war, ist das Ausmaß einer Hetzkampagne, die von einer gewissen Mary Whitehouse und deren Gesinnungsgenossen schon im Vorfeld, während der Produktion und nach der (in den USA stattgefundenen) Filmpremiere aufgezogen worden ist. Von irgendjemandem wurden diesen Leuten elf Manuskriptseiten zugespielt, als "Das Leben des Brian" noch nicht fertig geschnitten war. Man versuchte die Pythons der Blasphemie anzuklagen, Demonstrationen wurden organisiert und mancherorts waren sich die zuständigen Personen nicht zu schade, die Aufführung des Films zu verbieten, obwohl sie ihn überhaupt nicht gesehen hatten.

Man muss allerdings zugeben, dass einzelne Szenen, die es nicht in den fertigen Film geschafft haben, zu Recht herausgeschnitten worden sind. Sie gehören zu den Blu-ray-Extras. Die erste der fünf Szenen ist schlicht nicht witzig; darin unterhalten sich drei Schäfer über die Vorzüge von Schafen und kriegen nichts davon mit, wie ein Engel in der Nähe die frohe Botschaft verkündet. Ebenso misslungen ist eine Szene, in der man Frau Pilatus zu sehen bekommt. Die Dame ist eine muskulöse Matrone mit überdimensionaler Oberweite, die die Jungs von der VVJ und der Kampagne für ein freies Galiläa durch den Palast jagt. Zwei weitere Szenen, in denen Judith zu sehen ist, sind nicht weiter erwähnenswert. Die bedenklichste dreht sich um das fliegende Suizidkommando bzw. dessen Anführer Otto. In dieser Szene werden Zionismus und Nationalsozialismus miteinander in Verbindung gebracht und das wäre wirklich "too much" gewesen. Wenn ihr euch "Das Leben des Brian" anschaut, dann achtet mal auf die Symbole, die die Jungs vom Suizidkommando an den Helmen tragen. Allein deren Gestaltung ist schon starker Tobak; dieses Detail ist mir in all den Jahren noch nie aufgefallen.

Am 15. Juli 1977 haben sich die sechs Pythons in einem Londoner Studio getroffen, um das Drehbuch gemeinsam zu lesen. Die Tonaufnahme befindet sich in voller Länge auf der Blu-ray! Während sie abläuft, sind Drehbuchseiten und Storyboards zu sehen. Das hochinteressante Bonusmaterial wird durch Radiospots abgerundet, deren Glaubwürdigkeit stark in Zweifel gezogen werden muss. So bittet die Mutter von John Cleese darum, dass man doch den Film anschauen möge, weil ihr Sohn sonst die Kosten für das schöne Altersheim, in dem sie wohnt, nicht mehr aufbringen könne ...


J. Kreis, 09.10.2018




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