Der Dunkle Turm


Der Dunkle Turm (USA, 2017)
- The Dark Tower -

Blu-ray, Sony Pictures Home Entertainment
Altersfreigabe: FSK 12
Laufzeit: ca. 95 Minuten

Extras:
- Entfallene Szenen (6:22 Min.)
- Patzer und Pannen (2:50 Min.)
- Beim letzten Mal (9:14 Min.)
- Stephen King: Inspirationsquellen (4:25 Min.)
- Der Revolverheld in Aktion (8:29 Min.)
- Der Mann in Schwarz (8:22 Min.)
- Die Welt dreht sich weiter ... (7:02 Min.)
- Ein Blick durch das Schlüsselloch (3:42 Min.)

Regie:
Nikolaj Arcel

Hauptdarsteller:
Tom Taylor (Jake Chambers)
Idris Elba (Roland Deschain von Gilead)
Matthew McConaughey (Walter Padick)




Story

Jake Chambers hat immer wieder dieselben beunruhigenden Träume von einem Turm, der im Zentrum aller Dinge steht und das Universum vor der Dunkelheit schützt, sowie von einem Mann in Schwarz, der den Turm zu zerstören trachtet. Jake träumt auch von einem Mann namens Roland, der gegen Walter kämpft. Jake ist davon überzeugt, dass seine Träume wahr sind, zumal er einem Obdachlosen begegnet, der genau zu wissen scheint, wer Jake ist und dass die Schergen des Mannes in Schwarz hinter Jake her sind. Niemand glaubt Jake, erst recht nicht sein Stiefvater Lon, der nicht damit einverstanden ist, dass Jakes Mutter Laurie viel Geld für psychiatrische Sitzungen ausgibt. Jakes Therapeut hält die Alpträume für Folgen eines schweren Verlusts, den der Junge hat erleiden müssen. Jakes Vater, ein Feuerwehrmann, ist vor einigen Monaten bei einem Großbrand ums Leben gekommen. Doch für Jake steht fest, dass das Ende der Welt bevorsteht. Er zeichnet Bilder, in denen er alles festhält, was er in den Visionen sieht.

Jakes Visionen zeigen Geschehnisse in Mittwelt, einer von vielen Welten, die unter dem Schutz des Turmes stehen. Mittwelt war einst die Heimat einer fortschrittlichen Zivilisation. Die Welt hat sich weitergedreht und die Zivilisation ist untergegangen. Die verlassenen Städte wurden von der Natur zurückerobert und von der Hochtechnologie existieren lediglich einzelne Überreste, an deren Funktionsweise sich kaum jemand erinnert. Der Mann in Schwarz ist ein mächtiger Magier namens Walter Padick, der einen Menschen töten kann, indem er ihm einfach befiehlt, nicht mehr zu atmen. Walters Schergen - tierhafte Kreaturen, die ihr abstoßendes Äußeres unter gestohlener Haut verbergen, so dass man sie auf den ersten Blick für Menschen halten kann - jagen Kinder in allen Welten, die übernatürliche Fähigkeiten besitzen, welche man als Shining bezeichnet. Unter furchtbaren Qualen können diese Kinder jene Energie freisetzen, die zum Sturz des Turmes führen soll. Danach könnte Walter über ein Universum voller Dämonen herrschen. Noch haben Walters Bemühungen nicht zum Erfolg geführt, doch die Auswirkungen sind in allen Welten zu spüren. Auch in Jakes Welt kommt es immer öfter zu starken Erdbeben. Roland ist der letzte Abkömmling eines edlen Geschlechts von Revolvermännern, die sich dem Schutz des Turmes verschrieben haben. Walter hat die Revolvermänner vernichtet und jeden Menschen getötet, der Roland lieb und teuer war. Roland ist immun gegen Walters Magie. Er hat nur noch ein Ziel: Rache.

Eines Tages werden Walters Suchtrupps auf Jake aufmerksam, denn sein Shining ist extrem mächtig. Zwei Jäger geben sich als Mitarbeiter einer Therapieeinrichtung aus, die von Lon kontaktiert worden ist, weil er Jake loswerden will. Jake durchschaut die Jäger und flieht. Sein Ziel ist ein leerstehendes altes Haus aus seinen Visionen, das in New York steht, wie er gerade erst erfahren hat. Dort reagiert ein Portal auf seine Ankunft, welches nach Mittwelt führt. Jake wird von einem Wächterdämon angegriffen, kann diesen aber unbewusst mit dem Shining besiegen. Er durchquert das Portal und findet sich mitten in einer Wüste wieder. Jake folgt dem Licht eines Lagerfeuers und begegnet Roland. Der Revolvermann hält Jake zunächst für einen Gefolgsmann Walters. Rolands Interesse wird geweckt, als Jake ihm die Zeichnung eines Ortes in Mittwelt zeigt, bei dem es sich seinen Visionen zufolge um Walters Hauptbasis handelt. Roland und Jake machen sich auf den Weg zu einer Siedlung, in der eine Seherin namens Arra lebt, die Jakes Visionen deuten soll. Unterwegs werden sie von Dämonen angegriffen, die nach einem weiteren Beben durch Dimensionsrisse nach Mittwelt gelangen konnten. Roland besiegt die Bestien, wird aber schwer verwundet und erleidet eine Infektion, die ihn zunehmend schwächt. Arra blickt in Jakes Geist und erkennt, dass sich Walters Basis im Nördlichen Ödland befindet. Zu Fuß wäre Roland ein halbes Jahr dorthin unterwegs. In der Siedlung gibt es ein funktionsfähiges Portal. Damit kann Walters Hauptquartier zwar nicht erreicht werden, aber Jake glaubt zu wissen, dass Walter auch in New York eine Basis hat, in der es eine Portalverbindung mit dem Hauptquartier geben muss.

Diese Annahme ist richtig. Tatsächlich nutzt Walter die New Yorker Basis bereits für die Suche nach Jake. Er macht den Wohnort des Jungen ausfindig, tötet Lon und liest Lauries Gedanken, bevor er auch sie umbringt. Anschließend schickt er seine Schergen in Arras Dorf. Sie töten einige Dorfbewohner und versuchen Jake zu entführen, sind Rolands Schießkünsten aber nicht gewachsen. Sobald das Dorf sicher ist, begeben sich Roland und Jake durch das Portal nach New York. Später foltert Walter das Orakel und nimmt Rolands Spur wieder auf. Nachdem Roland in einem Krankenhaus mit Antibiotika kuriert wurde, suchen er und Jake den Obdachlosen auf. Der Mann war eines jener Kinder, die von Walter missbraucht worden sind. In den Erinnerungen des Mannes findet Jake Hinweise auf die New Yorker Basis. Dann erfährt Jake vom Tod seiner Mutter und seines Stiefvaters. Um Jake zu trösten, bringt Roland ihm das Schießen sowie das Credo der Revolvermänner bei. Zu seiner großen Freude stellt Roland fest, dass in Jakes Heimat, der so genannten Fundamentalen Welt, kein Mangel an Waffen herrscht - ganz im Gegensatz zu Mittwelt, wo Munition sehr rar ist. Als sich Roland in einem Waffenladen einen großen Vorrat an Patronen zulegt, entsendet Walter ein Scheinbild dorthin und lenkt Roland zusätzlich ab, indem er den Ladenbesitzer zwingt, das Feuer auf den Revolvermann zu eröffnen. Derweil entführen Walters Schergen Jake nach Mittwelt. Sein Shining ist so stark, dass er allein den Turm zum Einsturz bringen könnte. Es gelingt ihm jedoch, sich zur Wehr zu setzen und das Portal nach New York offen zu halten, so dass Roland ihm folgen kann.

Nachdem Roland alle Kämpfer Walters getötet hat, muss sich der Mann im Schwarz dem Revolvermann erstmals persönlich stellen. Roland droht den Kräften seines Gegners zu unterliegen. Jake stellt mentalen Kontakt mit seinem Freund her und erinnert ihn an das Credo der Revolvermänner. Mit einem selbst für einen Revolvermann wahrhaft meisterlichen Schuss gelingt es Roland, Walter zu verletzen und aus dem Konzept zu bringen. Mit weiteren Schüssen befreit Roland Jake von seinen Fesseln, vernichtet die Anlage, die dem Jungen die Energie aussaugt, und tötet den Mann in Schwarz. Nun ist der Turm sicher. Es kommt zu keinen weiteren Beben. Roland kann nicht bei Jake in New York bleiben, aber er könnte die Hilfe des Jungen gebrauchen. In der Fundamentalen Welt gibt es nichts mehr für Jake. Freudig begleitet er Roland nach Mittwelt.


Kringels Meinung

Dieser Film basiert auf dem gleichnamigen Romanzyklus von Stephen King. Der Zyklus besteht aus sieben Bänden mit insgesamt mehreren tausend Seiten, die über einen Zeitraum von mehr als zwanzig Jahren hinweg veröffentlicht wurden. Oder acht in dreißig Jahren, wenn man den Roman Wind berücksichtigt, bei dem es sich allerdings nicht um eine Fortsetzung handelt. In diese Romane hat King eine unfassbare Vielzahl von Figuren und Schauplätzen, geschichtlichen Hintergründen und Elementen aus seinen anderen Büchern hineingepackt, so dass ein äußerst komplexes fiktives Universum entstanden ist, durch das in Kings Gesamtwerk quasi alles mit allem verknüpft wird und das sich obendrein mit der realen Welt überschneidet - King hat sich selbst in die Bände 6 und 7 hineingeschrieben. King verarbeitet in dem Zyklus unzählige Themen und vermischt die Genres Fantasy, Science Fiction, Horror sowie Western recht geschickt. Ich habe alle Romane gelesen, die drei ersten mehrmals. Es ist mir immer so vorgekommen, als hätte King nicht so recht gewusst, welche Geschichte er erzählen wollte oder wohin die Reise gehen sollte. Einige Romane enthalten Geschichten innerhalb der Geschichte, Rückblicke und andere ausufernde Abschweifungen. Bei weitem nicht alles wird für die übergreifende Story gebraucht, manches hat meiner Meinung nach sogar überhaupt nichts mit dem Gesamtkontext des Zyklus zu tun. Vielleicht hatte King ursprünglich gar nicht vor, einen zusammenhängenden Zyklus zu erschaffen. Zumindest wirken insbesondere die drei ersten Romane auf mich so, als habe King gute Ideen für Einzelromane gehabt, aber keine Vorstellung davon, wie sie thematisch zu einem kohärenten Ganzen verknüpft und zu einem überzeugenden Abschluss gebracht werden können. Das Mammutwerk wirkt uneinheitlich und unfertig.

Als ich erstmals von der geplanten Verfilmung gehört habe, war mir deshalb gleich klar, dass allenfalls eine Trilogie mit der Laufzeit der Herr der Ringe-Filme (Extended Editions) ausreichend wäre, um auch nur die Zyklus-Rahmenhandlung angemessen wiederzugeben, von den erwähnten Abschweifungen gar nicht zu reden. Ich bin davon ausgegangen, dass man sich für den angedachten einzelnen Film entweder eine ganz bestimmte Episode aus einem Roman herauspicken oder - wahrscheinlicher - eine eigene Geschichte nach Motiven des Zyklus konstruieren werde. So ist es denn auch gekommen und dagegen habe ich überhaupt nichts einzuwenden. Ich hätte aber nicht gedacht, dass dabei ein so banaler, schlecht zusammengeschusterter und leider auch langweiliger 08/15-Atctionfilm herauskommen würde! Selbst wenn ich keinen einzigen Roman des Zyklus gelesen hätte und somit vollkommen "unvorbelastet" an den Film herangehen könnte, wäre ich von der Austauschbarkeit der postapokalyptischen Welt (= Mittwelt) enttäuscht gewesen. Hier wird höchstens an der Oberfläche von Kings Schöpfung gekratzt. Klar, der kundige Leser wird viele Anspielungen und Querverweise entdecken, auch auf andere Romane Kings, aber sonst? Eine Schotterwüste sowie einige durchaus schöne Landschaftsaufnahmen, ein Dorf wie aus einer alten Episode von "Star Trek: The Next Generation" plus ein paar einfallslose Ruinen, ein Wäldchen, das vermutlich im Hinterhof des Studios entstanden ist und zu "guter" Letzt Walters Basis, die so aussieht, als hätte man sie mit diversen Fundstücken vom Schrottplatz ausgestattet - das war's größtenteils. Was für ein verschenktes Potential! Obendrein sind manche Spezialeffekte so grottig, dass sie sofort ins Auge springen.

"Der Dunkle Turm" hat eine Netto-Spielzeit von weniger als 90 Minuten. Zu keinem Zeitpunkt kommt auch nur ein Hauch der erhofften Epik auf. Fast noch schlimmer finde ich, dass es viel zu lange dauert, bis die Handlung überhaupt nach Mittwelt wechselt bzw. bis Roland in Erscheinung tritt. Er ist nämlich keineswegs die zentrale Figur des Films. Stattdessen steht zunächst einmal der zwölfjährige Jake im Mittelpunkt und daran ändert sich im weiteren Verlauf nur wenig. Die erste Hälfte des Films ist vorbei, bis die übliche, wenig überraschende Thematik (die im Grunde überhaupt keine Rolle spielt) abgearbeitet ist: Ein Jugendlicher, der nicht für voll genommen wird - dysfunktionale Familie - Mobbing in der Schule. Möchte ich das sehen? Nein, ich will Roland, den Revolvermann, in Aktion erleben! Die wenigen Szenen, in denen er seine übermenschlichen Schießkünste unter Beweis stellen darf, gehören denn auch zu den wenigen Highlights des Films. Idris Elba mach hier eine gute Figur und sorgt mit seinen Reaktionen auf Jakes Welt für trockenen Humor. Allerdings habe ich mir den Revolvermann anders vorgestellt, und damit meine ich nicht die Hautfarbe. In den Romanen kommt er längst nicht so nett rüber wie im Film. Matthew McConaughey macht den beiläufig-bösartigen Mann in Schwarz zu einer sogar noch interessanteren Figur. Das reißt es aber nicht heraus; der Film ist mir insgesamt zu harmlos. So ist "Der Dunkle Turm" ein typisches Beispiel für Filme, über die ich mich nur deshalb nicht weiter ärgere, weil ich keine Zeit mit dem Kinobesuch verschwendet und nur wenig Geld für die Blu-ray ausgegeben habe.


Extras

Wenn ich mir das magere und teils auch noch redundante Bonusmaterial so anschaue, stellen sich mir zwei Fragen. Erstens: Wie lang hätte der Film eigentlich sein sollen? Nicht nur die Deleted Scenes lassen darauf schließen, dass ursprünglich eine erheblich längere Fassung angedacht war. Auch die Outtakes sowie das in den kurzen Featurettes vorhandene Material haben einige Inhalte, die im Film nicht vorkommen. Zweitens: Haben die interviewten Schauspieler sowie Stephen King, der ebenfalls zu Wort kommt, den Film überhaupt gesehen und wenn ja: Welche Version - etwa die längere? Ihre geradezu überschwänglichen Statements lassen hierauf schließen. Ich müsste das von ihnen gespendete Lob sonst als heillos übertrieben bezeichnen. Ansonsten gibt's zum Bonusmaterial nichts zu sagen, es ist weitestgehend uninteressant. Witzig finde ich allerdings, dass Matthew McConaughey während der Interviews teilweise in seiner Rolle bleibt und so tut, als sei nicht er, sondern Walter interviewt worden.


J. Kreis, 19.04.2018




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