Deadpool


Deadpool (USA, 2016)

Blu-ray, Fox Home Entertainment
Altersfreigabe: FSK 16
Laufzeit: ca. 108 Minuten

Extras:
- Audiokommentare
- Entfallene / Erweiterte Szenen mit optionalem Audiokommentar von Regisseur Tim Miller (19:14 Min.)
- Spaß am Set (6:12 Min.)
- Deadpool - Von den Comics auf die Leinwand ... auf den Bildschirm (80:00 Min.)
- Deadpools prall gefüllter Sack voller Spaß (23:54 Min. plus Bildergalerien)
- Bildergalerien

Regie:
Tim Miller

Hauptdarsteller:
Ryan Reynolds (Wade Wilson/ Deadpool)
Ed Skrein (Francis Freeman/ Ajax)
Morena Baccarin (Vanessa Carlysle)
Stefan Kapicic / Andre Tricoteux (Piotr Rasputin / Colossus)
Brianna Hildebrand (Ellie Phimister / Negasonic Teenage Warhead)
Gina Carano (Angel Dust)
T. J. Miller (Weasel)




Story

Seit der unehrenhaften Entlassung aus einer Spezialeinheit der US-Streitkräfte verdingt sich Wade Wilson in New York als Söldner. Er hat ein großes Herz (sowie ein noch größeres Mundwerk) und nimmt hauptsächlich Aufträge kleiner Leute an. Als Held möchte er allerdings nicht gesehen werden. Wades Hauptanlaufstelle ist eine von seinem Freund Weasel betriebene Söldnerkneipe, in der ein als "Dead Pool" bezeichnetes Spiel gespielt wird. Man wettet darauf, welcher Stammgast seinen nächsten Einsatz nicht überleben wird. In der Kneipe begegnet Wade der ebenso schönen wie verrückten Vanessa Carlysle. Die beiden passen perfekt zueinander, verbringen die nächsten Monate hauptsächlich im Bett und planen eine gemeinsame Zukunft. Doch daraus wird nichts, denn es stellt sich heraus, dass Wade an Krebs im Endstadium leidet und bald sterben wird. Er will Vanessa verlassen, um sie nicht mit dem langsamen Siechtum zu belasten. Da wird Wade vom Repräsentanten einer Organisation aufgesucht, die seine Krankheit angeblich heilen und ihm darüber hinaus Superkräfte verleihen kann. Wade lehnt zunächst ab, doch als sich sein Zustand verschlechtert, kommt er auf das Angebot zurück. Er wird in ein geheimes Versuchslabor gebracht, in dem ein gewisser Francis, der sich selbst Ajax nennt, an der künstlichen Erschaffung von Mutantenfähigkeiten arbeitet. Francis selbst besitzt übermenschliche Kraft und Reaktionsschnelligkeit, allerdings fühlt er rein gar nichts mehr.

Sollte Wade geglaubt haben, man werde ihn zu einem Superhelden machen, so hat er sich geirrt, wie er nur allzu bald erfährt. Francis produziert Kampfsklaven mit besonderen Fähigkeiten für Kunden in aller Welt. Außerdem kann die in jedem Menschen schlummernde Mutanten-DNS nur unter ganz besonderen Bedingungen aktiviert werden. Man injiziert den Probanden ein spezielles Serum und setzt sie dann extremem Stress aus. Wenn sie diese Prozedur überleben und zu mutieren beginnen, werden sie gebrochen, gefügig gemacht und an den Meistbietenden verkauft. In der folgenden Zeit wird Wade auf jede erdenkliche Art gefoltert, kann es aber bis zuletzt nicht lassen, Francis und dessen Assistentin Angel Dust (die ebenfalls über enorme Körperkraft verfügt) zu verspotten. Deshalb widmet Francis ihm ganz besondere Aufmerksamkeit und setzt ihn derart erlesenen Qualen aus, dass Wade schließlich doch noch mutiert. Er wird stärker und schneller, vor allem wird seine Selbstheilungsfähigkeit extrem gesteigert. Verletzungen, die für jeden Menschen tödlich wären, machen ihm nichts aus. Abgetrennte Körperteile wachsen in kurzer Zeit nach. Der Krebs verschwindet vollständig. Doch der Preis ist hoch. Wades Gesicht und Körper sind schwer entstellt. Es gelingt Wade, sich zu befreien, wobei das Laboratorium in Brand gerät. Er attackiert Francis, zögert aber, als dieser behauptet, er könne die Entstellungen heilen. Francis überwältigt Wade, durchbohrt ihn mit einer Metallstange und lässt ihn in dem zusammenbrechenden Gebäude zurück.

So leicht ist Wade nicht zu töten. Er überlebt das Inferno und könnte nun zu Vanessa zurückkehren, wagt es aber nicht, ihr mit seinem hässlichen Aussehen unter die Augen zu treten. Stattdessen macht er sich auf die Suche nach Francis, um sich an ihm zu rächen und ihn zu zwingen, ihm sein normales Aussehen zurückzugeben. In einem selbst entworfenen rot-schwarzen Kostüm mit Maske und schwer bewaffnet macht er sich unter dem Namen "Deadpool" innerhalb der nächsten Jahre einen Namen, indem er zahlreiche Gangster aus Francis' Umfeld ausschaltet. So werden die X-Men auf Deadpool aufmerksam. Man bietet ihm die Aufnahme in die Superheldengruppe an, doch davon will Wade nichts wissen. Als es ihm endlich gelingt, Francis zu stellen, mischen sich die X-Men Colossus und Negasonic Teenage Warhead ein. Wade muss sich eine Hand abschneiden, um sich aus Colossus' Griff befreien zu können. Francis entkommt. Er weiß jetzt, wer Deadpool ist und geht zum Gegenangriff über. In Weasels Kneipe findet er einen Hinweis, der ihn zu Vanessa führt. Weasel warnt Wade, doch bis der sich endlich dazu überwunden hat, sich Vanessa zu zeigen, wurde sie schon von Francis entführt. Zu Vanessas Befreiung braucht Wade Hilfe. Er wendet sich an Colossus und Negasonic, die ihm unter der Voraussetzung beistehen, dass er sich die Sache mit dem Beitritt zu den X-Men noch einmal überlegt. Auf einem abgewrackten S.H.I.E.L.D.-Helicarrier kommt es zum Showdown. Francis' Schergen werden schnell niedergemetzelt. Colossus und Negasonic bezwingen Angel Dust mit vereinten Kräften. Wade befreit Vanessa und triumphiert schließlich über Francis. Als der ihn verhöhnt und zugibt, dass es keine Heilung gibt, erschießt Wade ihn.

Vanessa entfernt die Deadpool-Maske sowie die Hugh-Jackman-Maske, die sich Wade darunter ans vernarbte Gesicht getackert hat. Nachdem sie den ersten Schreck überwunden und Wade ein paar saftige Maulschellen zur Strafe dafür verpasst hat, dass sie ihn jahrelang für tot halten musste, können sich die beiden Liebenden endlich in die Arme sinken.


Kringels Meinung

Nach dem Abspann erscheint Deadpool (im Bademantel) nochmal, fordert die Zuschauer auf, nach Hause zu gehen, und erklärt, für einen Teaser zum Sequel als Post-Credit-Scene sei kein Geld da gewesen (tatsächlich wird die Fortsetzung bereits produziert). Damit durchbricht er die so genannte vierte Wand, was bei Filmen ja normalerweise tunlichst vermieden wird. Das macht er im Film die ganze Zeit, denn er fungiert als Ich-Erzähler und wendet sich obendrein immer wieder mitten in einer Szene direkt ans Publikum. Deadpool erzählt die Geschichte quasi schubweise in Rückblicken. Der Film beginnt mit einer grandiosen Actionszene, in der Deadpool einige Bösewichter mitten auf der Autobahn auseinandernimmt. Danach wird zurück in die Zeit vor dem ersten Zusammentreffen Wades mit Vanessa gesprungen. Ähnliches geschieht später noch das eine oder andere Mal. Das ist ein geschickter Kunstgriff, durch den vermieden wird, dass sich Fans durch eine langweilige Origin-Story quälen müssen, bevor endlich der ersehnte Auftritt des Superhelden in voller Montur und mit voll entwickelten Fähigkeiten kommt. Stattdessen wird gleich in die Vollen gegriffen und es wird sofort deutlich, dass "Deadpool" ein bisschen anders ist als der übliche Superheldenfilm!

Man könnte "Deadpool" sogar als Superheldenparodie bezeichnen - als sehr düstere, derbe und politisch äußerst unkorrekte Parodie allerdings! Wade Wilsons/Deadpools loses Mundwerk steht nie still. Ständig werden Gegner verspottet, jede Szene wird mit einem lässigen Spruch kommentiert. Dabei zündet längst nicht jeder Gag. Im Gegenteil! Das ganze Spektrum von peinlichen präpubertären Plumpheiten über geschickte Anspielungen und mehr oder weniger subtile Seitenhiebe usw. bis hin zum per Holzhammer vermittelten Zynismus, nicht selten in Verbindung mit blutiger Gewalt, wird abgedeckt. Nicht ernst gemeint? Kann sein, dennoch wird bei Zuschauern, die noch nicht ganz so abgestumpft sind wie ich, sicherlich ein mulmiges Gefühl entstehen. Selbst ich finde es nicht witzig, wenn Wade furzend durch die Bude läuft oder üble Zoten tief unter der Gürtellinie von sich gibt. Diese Art von Humor funktioniert in den Szenen mit Vanessa (Morena Baccarin, die ich bisher nur in Firefly zur Kenntnis genommen habe) um einiges besser. Sie ist der Traum jedes Nerds, kennt Filmzitate besser als Wade und meint am Schluss, nachdem sie Deadpool demaskiert hat, ganz trocken, dass sie dieses Gesicht nach ein paar Drinks sicherlich für eines halten könnte, auf das sie sich gern draufsetzen würde ... Spätestens als Deadpool, dem ein Messer tief ins Denkzentrum gejagt wurde und der deshalb unter leichten Halluzinationen leidet, lustige Cartoonfiguren rund um Vanessas Gesicht sieht, war mein Herz gewonnen. Der Film strotzt nur so vor Anspielungen. Alles und jeder wird durch den Kakao gezogen, Selbstironie inklusive. Die gefloppte Green Lantern-Verfilmung, in der Ryan Reynolds die Hauptrolle spielt, bleibt nicht ausgespart. Ryan Reynolds hat Wade Wilson übrigens schon einmal verkörpert, nämlich in X-Men Origins: Wolverine. Allerdings war Deadpool dort eine ganz anders angelegte Figur. Hier bleibt er stets menschlich, auch hinter der Maske.

Nicht nur in der Person der Hauptfigur, die man ja beim besten Willen nicht als strahlenden Helden bezeichnen kann (eher, wie er selbst sagt, als Mörder), unterscheidet sich "Deadpool" auf aus meiner Sicht höchst erfrischende Weise von der Masse der aktuellen Superheldenfilme, sondern auch in Sachen Action und Gewaltdarstellung. Von großmaßstäblichen Vernichtungsorgien wie zum Beispiel in Avengers: Age of Ultron kann keine Rede sein - zum Glück, wie ich finde, denn der Bombast derartiger Filme wird mir allmählich zu viel. Trotzdem geht so einiges kaputt, und damit sind vor allem Menschen gemeint. Ein Film für die ganze Familie ist "Deadpool" mit Sicherheit nicht! Schon gleich in der Eröffnungsszene werden mehrere Kopfschüsse detailgenau gezeigt. Körperteile werden abgetrennt, ein Bösewicht zerschellt an einem Verkehrsschild, von dem die blutigen Überreste etwas später herunterglitschen. Ich werde meistens falsch verstanden, wenn ich sage, dass ich es sehr sympathisch finde, wenn Filmemacher auf eine Jugendfreigabe pfeifen. "Früher", in der "guten alten Zeit" meiner Jugend, wäre "Deadpool" mit Sicherheit auf dem Index gelandet. Heute wird so ein Film ab 16 Jahren freigegeben. Die Zeiten ändern sich!


Blu-ray-Features

"Deadpool - Von den Comics auf die Leinwand" enthält viele Filmausschnitte und Handlungsnacherzählungen, was natürlich nicht so interessant ist, wenn man den Film schon gesehen hat. Allerdings wusste ich nicht, dass Vanessa in den Comics ebenfalls eine Mutantin ist, eine Gestaltwandlerin namens Copycat. Trotzdem ist die achtzigminütige Dokumentation durchaus unterhaltsam. Sie beginnt damit, dass die Erfinder Deadpools die Entstehung dieser Comicfigur erläutern. Dabei kommt auch Stan Lee zu Wort, der beim Dreh zu seinem Cameo-Auftritt im Stripclub sichtlich Spaß hat. Deutlich erkennbar ist auch der Enthusiasmus der Filmemacher. Es ist ihnen darum gegangen, der Vorlage treu zu bleiben, und so ist die Idee zum Film angeblich lange Zeit nicht verwirklicht worden, bis Testaufnahmen, die eigentlich nur für die Augen der Studiobosse gedacht waren, ins Internet gelangten, woraufhin überdeutlich wurde, dass die Fans den Film wollten - und zwar in genau dieser Form, nicht etwa familienfreundlich und mit gebremstem Schaum. Man sieht, wieviel Aufwand für die Erschaffung eines perfekten Deadpool-Anzugs betrieben wurde, was allein schon zeigt, dass hier offensichtlich jemand verstanden hat, was die Fans wollen. Geradezu überraschend fand ich es zu sehen, wie oft CGI zum Einsatz gekommen ist. Einiges davon habe ich für echt gehalten. Die Featurette "Spaß am Set" macht übrigens deutlich, dass Ryan Reynolds und T.J. Miller (der Darsteller von Deadpools Kumpel Weasel) bei ihren Dialogen viel improvisiert haben.

Die zehn nicht verwendeten oder verlängerten Szenen können sich sehen lassen. Eine ist besonders lang. Darin sieht man, wie Wade und Vanessa nach der Krebsdiagnose einen Wunderheiler aufsuchen. Als Wade herausfindet, dass der Typ den Patienten viel Geld abknöpft und sie betrügt, tötet er den Mann. Das führt dann dazu, dass er sich doch rekrutieren lässt. Die Szene, in der Deadpool auf der Autobahn mit Colossus und Negasonic Teenage Warhead spricht, wurde erheblich verlängert. Der CGI-Colossus ist teilweise nicht ganz fertig bzw. man sieht den Schauspieler, durch den er am Set "vertreten" wurde.

"Deadpools prall gefüllter Sack voller Spaß" enthält hauptsächlich Teaser und Trailer. Deadpool wäre aber nicht Deadpool, wenn er uns nur ganz normale Kinotrailer bieten würde. Einiges davon ist wieder pure Verarschung, zum Beispiel ein TV-Interview mit Ryan Reynolds, das von Deadpool gesprengt wird. Außerdem versucht Deadpool, ein Superheldenteam aus kleinen Kindern zusammenzustellen, die als X-Men kostümiert sind. Und schließlich ist noch durchaus ernst gemeinte Werbung für do-it-yourself-Krebsvorsorgeuntersuchungen enthalten, komplett mit Anleitungen, wie man die betroffenen Körperteile abtastet. Das geht natürlich nicht ohne entsprechende Kommentare Deadpools ab.


J. Kreis, 27.09.2017




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