Fitzcarraldo


Fitzcarraldo (BRD, 1982)

DVD Regionalcode 2, Arthaus
Altersfreigabe: FSK 12
Laufzeit: ca. 151 Minuten

Extras:
- Audiokommentar mit Werner Herzog und Laurens Straub
- Landkarte (1:56 Min.)
- Drehberichte (1:20 Min.)

Regie:
Werner Herzog

Hauptdarsteller:
Klaus Kinski (Brian Sweeney Fitzgerald)
Claudia Cardinale (Molly)
Miguel Angel Fuentes (Cholo)
Paul Hittscher ("Orinoco" Paul)
Huerequeque Enrique Bohorquez (Huerequeque)
Jose Lewgoy (Don Aquilino)




Story

Brian Sweeney Fitzgerald, genannt "Fitzcarraldo", hat einen Traum, dem er alles unterordnet: Er möchte in seiner Heimatstadt Iquitos am Amazonas ein großes Opernhaus errichten und der weltberühmte Tenor Enrico Caruso soll bei der Eröffnungsveranstaltung singen. Bisher sind alle Unternehmungen Fitzcarraldos, zum Beispiel der Bau einer über die Anden führenden Eisenbahnlinie oder die Eisherstellung, ebenso fehlgeschlagen wie die Versuche, Investoren für das kostspielige Vorhaben zu begeistern. Er möchte deshalb in den Kautschukboom einsteigen. Der reiche Plantagenbesitzer Don Aquilino erklärt, dass es in der Amazonasregion nur noch ein einziges geeignetes Gebiet gibt, das sich noch nicht in der Hand von Kautschukbaronen befindet, weil es praktisch nicht nutzbar ist. Es liegt am Amazonas-Quellfluss Ucayali und dieser ist aufgrund gefährlicher Stromschnellen unpassierbar. Für den Kautschuktransport kommt aber nur der Wasserweg in Betracht. Außerdem leben in der Umgebung Eingeborene, die sich als Kopfjäger betätigen und schon zahlreiche Weiße getötet haben. Als Fitz auf einer Karte sieht, dass der Pachitea, ein Nebenfluss des Ucayali, an einer Stelle oberhalb der Stromschnellen nur wenige hundert Meter von dem anderen Fluss entfernt ist, entwickelt er einen ehrgeizigen Plan. Mit dem Geld seiner Geliebten, der Bordellbesitzerin Molly, erwirbt Fitz das Gebiet und kauft Don Aquilino einen halbwracken Flussdampfer ab.



Fitzcarraldo

(Molly und Fitz nehmen den Dampfer in Augenschein)

Von nun an steht Fitz unter Zeitdruck, denn die peruanische Regierung knüpft eine Bedingung an die Vergabe der Erschließungsrechte. Fitz muss nach spätestens einem Dreivierteljahr nachweisen können, dass er mit der Nutzbarmachung des Gebietes begonnen hat. Der Dampfer wird instandgesetzt und auf den Namen Molly Aida getauft. Eine Crew wird angeheuert. Don Aquilino besteht darauf, dass Fitz den Maschinisten Cholo einstellt. Der Hüne soll für Don Aquilino spionieren. Während der Fahrt durch die Eingeborenenregion wird die Mannschaft unruhig. Die Männer fühlen sich beobachtet und bedroht. Eines Tages überwältigen sie den Kapitän und verschwinden mit einem Beiboot. Außer dem Kapitän bleiben nur Cholo und der Koch Huerequeque an Bord, ein Trinker, der seinen Rausch ausschlafen musste. Fitz lässt ein Grammophon mit Opernarien auf dem Oberdeck laufen. Mehr noch als von der Musik sind die Indios von dem Schiff fasziniert. Wie Fitz später erfährt, halten sie ihren jetzigen Lebensraum aufgrund der Stromschnellen für einen von Dämonen heimgesuchten Ort und glauben an einen Gott, der sie mit einem weißen Gefährt zur Erlösung führen wird.

Die Indios folgen dem Dampfer mit Kanus und blockieren die Fahrrinne hinter ihm, indem sie Bäume hineinstürzen lassen, greifen aber nicht an. Sie kommen an Bord, verhalten sich jedoch friedlich. Sie helfen Fitz sogar bei der Verwirklichung des Planes. Er beabsichtigt, den Dampfer über den Bergrücken zu schaffen, der die beiden Flüsse voneinander trennt. Das Schiff soll auf dem Ucayali zum Transport des weiter stromaufwärts gewonnenen Kautschuks eingesetzt werden. Am Bergrücken soll eine Niederlassung entstehen, von der aus der Kautschuk über den Pachitea weiter zu den Amazonashäfen gebracht wird. Dieser Plan gefällt Cholo so gut, dass er jetzt vorbehaltlos für Fitz arbeitet. Nach der Rodung des Bergrückens muss zunächst eine Rampe mit einem System aus Flaschenzügen errichtet werden. Dann setzen hunderte Indios das riesige Schiff mit reiner Muskelkraft in Bewegung. Es rutscht jedoch gleich wieder zurück und zermalmt einige Männer. Huerequeque kommt auf die Idee, den Schiffsmotor und die Ankerwinde mit einzubinden. So wird der Gigant langsam aber sicher über die Anhöhe gezogen, bis er auf der anderen Seite wieder Wasser unter dem Kiel hat.



Fitzcarraldo

(Und sie bewegt sich doch!)

Der Erfolg wird ausgiebig begossen. In der Nacht zerschneiden die Indios heimlich die Vertäuung. Manövrierunfähig treibt die Molly Aida durch die Stromschnellen. Es gelingt Fitz nicht, das Schiff anzuhalten. Nur leicht beschädigt gelangt die Molly Aida zurück nach Iquitos. Fitz ist gezwungen, das Schiff an Don Aquilino zurückzuverkaufen. Er darf es noch zwei Wochen lang behalten. Er schickt den Kapitän mit dem Verkaufserlös nach Manaus, damit er das gesamte Ensemble der dortigen Oper samt Musikinstrumenten und Kulissen für eine einzige Aufführung anmietet, die auf dem Oberdeck des Schiffes stattfindet. So geht sein Traum doch noch in Erfüllung. Caruso singt den Hauptpart der Oper "Die Puritaner" von Bellini, während sich eine jubelnde Menschenmenge am Flussufer versammelt.


Kringels Meinung

"Fitzcarraldo" ist die vierte Gemeinschaftsarbeit Werner Herzogs und Klaus Kinskis nach Aguirre, Nosferatu und Woyzeck. Danach haben die beiden nur noch Cobra Verde zusammen gedreht. Von allen Filmen Werner Herzogs ist "Fitzcarraldo" wahrscheinlich der bekannteste, zumindest war die spektakuläre Entstehungsgeschichte damals in aller Munde, wenn ich mich recht erinnere. Typisch Herzog: er wollte nicht etwa ein Modellschiff über einen im Studio gebauten "Berg" ziehen, sondern das gleiche Projekt verwirklichen wie die Hauptfigur des Films. Das hat er trotz aller Widrigkeiten umgesetzt, und so sind grandiose Bilder entstanden, die man so schnell nicht vergisst. Kein Spezialeffekt ist so gut wie die Realität! Die ausschließlich an Originalschauplätzen durchgeführten Dreharbeiten müssen mit extremen Schwierigkeiten verbunden gewesen sein, und damit meine ich nicht Kinskis Launenhaftigkeit, von der man eine Kostprobe in der Dokumentation Mein liebster Feind sehen kann. Diese Doku enthält unter anderem Hinter-den-Szenen-Material von "Fitzcarraldo" und es ist zu sehen, wie sich Kinski am Drehort wahrhaft unmöglich aufführt. Die im Film mitwirkenden Ureinwohner sollen Herzog angeboten haben, Kinski für ihn zu töten ... Außerdem war Kinski ursprünglich gar nicht für die Hauptrolle vorgesehen. Jack Nicholson hätte den Fitzcarraldo ursprünglich spielen sollen (später Jason Robards) und Mick Jagger wäre in der Rolle seines Assistenten zu sehen gewesen! Diese Figur wurde nach dem Hauptdarstellerwechsel ersatzlos gestrichen. "Mein liebster Feind" enthält fertig produziertes Filmmaterial mit Robards und Jagger, welches zeigt, dass Kinski die definitiv bessere Wahl war.



Fitzcarraldo

(Klaus Kinski, wie man ihn selten gesehen hat)

Dabei fällt auf, dass die Figur des Fitzcarraldo ganz anders angelegt ist als die Hauptpersonen der oben genannten Filme, so dass sich auch der "Wahnsinn" Kinskis in Grenzen hält. Er spielt sozusagen mit gebremstem Schaum, denn Fitz ist eine positive Figur. Er mag von einer Idee besessen sein und manchmal etwas überreagieren, wirkt aber durchaus nicht unsympathisch. Ich finde es interessant, dass der Film keinesfalls jenen negativen Grundton hat, der die anderen Gemeinschaftswerke Herzogs/Kinskis prägt. Es gibt sogar ein Happy End! Fitz mag gescheitert und wirtschaftlich ruiniert sein, seinen Traum hat er sich trotzdem erfüllt. Am Ende sind wirklich alle glücklich: Fitz präsentiert Caruso vor einem begeisterten Publikum inklusive Molly, die sich anscheinend überhaupt nicht über den Verlust ihrer Ersparnisse grämt, die Indios haben die Stromschnellen und somit die Dämonen aus ihren Überlieferungen bezwungen. Die Story mag nicht besonders spannend sein und ohne die visuelle Wucht des Films müsste ich sie als zu langatmig bezeichnen, aber "Fitzcarraldo" ist viel mehr als nur eine in eine Rahmenhandlung eingebettete Dokumentation aufwändiger Dreharbeiten. Anfang der Achtziger habe ich mich allerdings noch nicht für Filme dieser Art interessiert. Ich kannte nur die Parodie im Satiremagazin MAD ("Kitschcarraldo"). Das muss 1982 gewesen sein und in all den Jahren habe ich es nie geschafft, "Fitzcarraldo" mal in voller Länge anzuschauen. Das habe ich jetzt endlich nachgeholt. Es hat sich gelohnt!

Einen Fitzcarraldo hat es übrigens wirklich gegeben. Historisches Vorbild ist ein gewisser Carlos Fermin Fitzcarrald, gestorben im Jahre 1897. Ein Kautschukbaron, der wirtschaftlich viel erfolgreicher war als sein filmisches Pendant - und schlauer, denn zum Transport des Schiffes über den Berg hat er den Kahn in seine Einzelteile zerlegt.


Extras

Die Dokumentation "Die Last der Träume" von Les Blank befindet sich leider nicht als Bonusmaterial auf dieser DVD. Es ist lediglich eine Landkarte des Schauplatzes zu sehen, außerdem sind Drehberichte vom 11.01.1981 und 15.11.1981 vorhanden. Darin ist unter anderem von bis zu 4000 Komparsen die Rede!


J. Kreis, 18.01.2018




Gastkommentare


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hairybird (21.01.2018):

Schrullig? Na ja - man muss den mal gesehen haben, wie er für die Jesus-People Bewegung auf der Bühne stand und bei einer harmlosen Störung völlig unflätig ausrastete. Früher fand ich ihn auch eher amüsant gestört - ob in den Edgar Wallace Filmen oder in Talkshows, aber dass er seine andere Tochter Pola jahrelang missbraucht hat macht ihn im nachhinein für mich zu einen Psychopathen. Und die Szenen mit Werner Herzog untermauern diesen Eindruck.


Hans (19.01.2018):

Ich habe den Film damals in einem Programmkino gesehen (gibt es die heute noch?) und mich zu Tode gelangweilt. Das einzig amüsante für mich war die extreme Schrulligkeit von Klaus Kinski. Wenn ich schöne Landschaften sehen will dann Schau ich Geo-Dokus im Fernsehen, Geld würde ich dafür nicht extra ausgeben, grins. Kinski war damals in vielen Talkshows und hat die Moderatoren in den Wahnsinn getrieben. Eine ist mir in Erinnerung geblieben. Kinski wiederholte ständig: "Ich hab die Frage nicht verstanden." und "Ich hab so einen trockenen Mund". Getränke lehnte er aber dankend ab. Solch herrlich verrückten Leute gibt es heute nicht mehr zu sehen. Mich hat es immer gewundert, wie so ein relativ häßlicher Mann so eine wunderschöne Tochter wie Nastassja hat zustande bringen können?



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