Leptirica


Leptirica (Jugoslawien, 1973)

Blu-ray, Ostalgica
Altersfreigabe: FSK 16
Laufzeit: ca. 65 Minuten

Extras:
- Audiokommentar
- Trailer

Regie:
Dorde Kadijevic

Hauptdarsteller:
Mirjana Nikolic (Radojka)
Petar Bozovic (Strahinja)
Slobodan Perovic (Zivan)




Inhalt

Der Rat des kleinen Weilers Zarozje sucht dringend einen Müller. Bereits vier Betreiber der einzigen Mühle des Dorfes wurden ermordet und wenn die Mühle nicht läuft, müssen alle Dorfbewohner hungern. Inzwischen geht man davon aus, dass der Vampir Sava Savanovic hinter den Morden steckt. Das verschweigt man dem neuen Kandidaten, einem jungen Mann namens Strahinja, der den Job nur annimmt, weil er Geld braucht, um anderswo sein Glück machen zu können. Strahinja liebt die schöne Radojka, doch deren Vormund, der knurrige Eigenbrötler Zivan, verweigert ihm ihre Hand, weil er meint, Strahinja sei zu arm und könne Radojka nicht ernähren. Da Strahinja es nicht ertragen könnte, Radojka als Gattin eines anderen Mannes zu sehen, will er die Gegend verlassen.

Schon in der ersten Nacht, die Strahinja in der abgelegenen Mühle verbringt, zeigt sich der Vampir. Die grässliche Kreatur versucht sich über den schreckensstarren Mann herzumachen. Nur durch Zufall überlebt Strahinja die Attacke. Nachdem die Ratsmitglieder von Strahinja erfahren haben, dass ihr Verdacht zutrifft, nehmen sie die Sache selbst in die Hand. Sie befragen ein altes Mütterchen nach dem Ort, an dem Sava Savanovic seinerzeit begraben worden ist, legen den Sarg frei und treiben einen Weißdornpfahl durch den Deckel. Anschließend wird der Sarg mit Weiwasser übergossen. Die Seele des Vampirs entkommt in Gestalt eines Schmetterlings. Dennoch glauben die Männer, der Fluch sei gebrochen, und feiern ihren Erfolg.

Die Ratsmitglieder helfen Strahinja, Radojka zu entführen, so dass die Liebenden doch noch Hochzeit halten können. Zivan fängt den Schmetterling ein und schört Rache. Traditionsgemäß sollte sich Strahinja in der Nacht von seiner Braut fernhalten, doch er schleicht sich heimlich zu ihr. Als er ihr Nachthemd öffnet, legt er zu seinem Entsetzen eine grausige Wunde frei. Radojka verwandelt sich in einen Vampir und fällt Strahinja an. Panisch flieht der junge Mann. Der Vampir klammert sich in seinem Nacken fest. Erst an Sava Savanovics Grab gelingt es Strahinja, die Bestie abzuschütteln. Er zieht den Weißdornstock aus dem Sarg und pfählt Radojka. Am nächsten Morgen liegt Strahinja wie tot am Grab. Ein Schmetterling sitzt auf seinem Kopf.


Kringels Meinung

Die Handlungszusammenfassung ist mit Vorsicht zu genießen, denn die deutsche Synchronisation ist so unfassbar schlecht, dass ich mir den Film im serbokroatischen Original angeschaut habe - mit Untertiteln, weil ich diese Sprache nicht verstehe. Und die Untertitel sind kaum besser als die Synchro. Mir scheint, dass manche Dialoge überhaupt nicht oder nur stichwortartig übersetzt wurden, außerdem strotzt der Text nur so vor Rechtschreibfehlern und fragwürdigem Satzbau. Deutsch und Englisch gehen munter durcheinander. Den Schluss habe ich sowieso nicht ganz verstanden. Ich kann nur vermuten, dass die Seele des Vampirs irgendwie in Radojka gefahren ist, so dass sich der Körper der jungen Frau verwandelt hat. Am Grab scheint Radojka zu verschwinden und im Sarg zu rematerialisieren, dem sie entsteigt, um Strahinja erneut anzugreifen.

Zum Film kann ich nicht viel mehr sagen, als dass ich etwas völlig anderes erwartet habe. Die Geschichte basiert auf einer alten, in Serbien wohlbekannten Vampirsage und der Film wurde in mehreren Reviews als unheimlichster serbischer (beziehungsweise jugoslawischer) Horrorfilm bezeichnet. Nun, vermutlich ist es der einzige Horrorfilm aus diesem Land, so dass die Behauptung nicht falsch wäre, aber ich finde ihn eigentlich überhaupt nicht gruselig. Der Vampir ist nur selten kurz zu sehen und seine Angriffe wirken auf mich ebenso wenig furchteinflößend wie die merkwürdigen Geräusche, die vermutlich sein Nahen andeuten sollen. Sie klingen verdächtig nach einer Mischung aus Brüllaffe und Lachendem Hans. Meiner Meinung nach wird "Leptirica" von humoristischen Elementen dominiert. Gemeint sind die Mitglieder des Dorfrates, die sehr viel mehr Screentime haben als der Vampir, Strahinja, Zivan und Radojka zusammengenommen. Sie benehmen sich eher wie Dorftrottel und sind meist betrunken, so dass ihre Szenen oft fast in Slapstick ausarten. Insoweit wurden meine Erwartungen leider enttäuscht.

Horror- oder auch nur Schauer-Atmosphäre entsteht also nicht. An der Darstellung des einfachen ländlichen Lebens in Osteuropa ist dagegen nichts auszusetzen. Dabei muss natürlich berücksichtigt werden, dass es sich um eine Fernsehproduktion vom Anfang der Siebzigerjahre handelt. Offensichtlich wurde alles mit einfachsten Mitteln umgesetzt, was der Wirkung jedoch erstaunlicherweise nicht abträglich ist. "Leptirica" ist ein schöner Film mit Elementen der Phantastik, aber eben kein Horrorfilm, wie ich finde. Nebenbei bemerkt verstehe ich nicht, warum "Leptirica" eine so hohe Alterseinstufung erhalten hat, erst recht, wenn ich ihn mit sehr viel furchteinflößenderen Filmen wie zum Beispiel Es vergleiche.


J. Kreis, 20.03.2019




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