Masters of Horror


Deer Woman (USA, 2005)

Blu-ray, Splendid Film
Altersfreigabe: FSK 16
Laufzeit: ca. 55 Minuten

Extras:
- Audiokommentar
- Hinter den Kulissen (68:45 Min.)

Regie:
John Landis

Hauptdarsteller:
Brian Benben (Dwight Faraday)
Anthony Griffith (Jacob Reed)
Cinthia Moura (Deer Woman)




Inhalt

Detective Dwight Faraday hält sein Leben für verpfuscht. Vor einiger Zeit hat er seinen Partner bei einem schiefgegangenen Polizeieinsatz erschossen. Es war ein Unfall - zu diesem Ergebnis ist auch die Untersuchungskommission gekommen - aber der Makel ist an ihm hängen geblieben. Seine Frau hat ihn verlassen und nach Ablauf der Suspendierung ist er von seinem Chef versetzt worden. Seitdem ist er ausschließlich für Fälle im Zusammenhang mit Tierangriffen zuständig und hat somit kaum mehr zu tun, als den ganzen Tag am Schreibtisch zu sitzen und das Bild seiner Exfrau anzustarren. Eines Tages wird Faraday zum Schauplatz eines Todesfalls gerufen, der möglicherweise in seinen Zuständigkeitsbereich fällt. Officer John Reed, mit dem er in dieser Angelegenheit zusammenarbeitet, wird in der folgenden Zeit zu einem guten Freund. Das Opfer ist ein Lastwagenfahrer. Die in der Kabine des Trucks liegenden blutigen Überreste sind kaum noch als menschlich zu identifizieren. Die Beifahrertür wurde von innen aus den Angeln getreten. Der eindeutigen Spurenlage zufolge wurde der Trucker von einem Huftier zu Brei getrampelt. Es ist aber kein Tier bekannt, das eine solche Kraft entfalten könnte. Außerdem wird bei der Leichenschau festgestellt, dass der Trucker zum Zeitpunkt des Todes sexuell erregt war. Das passt zur Aussage eines Zeugen, der den Mann zuletzt gesehen hat. Der Trucker soll in Begleitung einer verführerischen Frau gewesen sein.

Wenig später wird ein zweiter, genauso grausig zugerichteter Toter gefunden, und zwar in einem Hotelzimmer. Diesmal findet die Gerichtsmedizinerin Haare eines Hirsches an der Leiche. Während Faraday noch mit seinen Kollegen darüber diskutiert, was dem Mann zugestoßen sein mag, der kurz vor seinem Tod ebenfalls in Gesellschaft der schönen Unbekannten gesehen wurde, wird das dritte Opfer gebracht. Faraday sieht sich am Tatort um und findet blutige Hufspuren, allerdings sehen diese nicht so aus, als würden sie von einem Vierbeiner stammen. Als sich Faraday und Reed in einem Restaurant über die Einzelheiten des Falles unterhalten, hört zufällig jemand mit, der etwas dazu sagen kann. In der Mythologie der amerikanischen Ureinwohner gibt es die Legende von der Hirschfrau (Deer Woman), einem übermenschlich starken Naturgeist, der sich unter die Menschen mischt, um Männer zu verführen und anschließend zu töten. Von der Hüfte aufwärts hat dieser Geist die Gestalt einer schönen jungen Frau. Ihre Hirschbeine verbirgt die Kreatur unter einem langen Rock.

Am selben Abend begegnet Reed in einem Casino einer wunderschönen Frau, die ihm Glück beim Würfelspiel bringt und sich von ihm mit nach Hause nehmen lässt. Faraday hat inzwischen ein wenig recherchiert und herausgefunden, dass es schon vor über 100 Jahren eine Mordserie gegeben hat, die der jetzigen gleicht. Er ruft bei seinem Partner an, um ihm das mitzuteilen. Erst jetzt fällt bei Reed der Groschen: Er hat sich mit der Hirschfrau eingelassen! Faraday eilt ihm zu Hilfe, kommt aber zu spät. Reed ist tot. Die Hirschfrau ist noch in der Wohnung. Sie attackiert Faraday, der sie mit einem Schuss niederstreckt. Als er ihren Rock anhebt und die Hirschbeine sieht, kommt die Kreatur wieder zu sich, versetzt Faraday einen wuchtigen Tritt und flieht. Faraday verfolgt die Hirschfrau mit dem Auto bis in den Wald. Doch selbst als er sie mit dem Wagen an einen Baum rammt, ist die Kreatur noch kampfbereit. Faraday verschießt seine gesamte Munition auf die Hirschfrau. Diese verschwindet spurlos und kehrt nicht zurück.


Kringels Meinung

"Deer Woman" ist die siebte Episode der zwei Staffeln zu je 13 Folgen umfassenden Fernsehserie "Masters of Horror". Die titelgebenden Meister sind namhafte Regisseure des Horror-Genres und sie haben ganz unterschiedliche Beiträge zur Serie beigesteuert. Jede Episode ist eigenständig und in sich abgeschlossen, es gibt keine serienübergreifenden Zusammenhänge. Beide Staffeln sind in je einer Blu-ray-Box erhältlich. Jede Box enthält vier Discs, die es auch gesondert zu kaufen gibt. Die Staffeloxen haben eine Altersfreigabe ab 18 Jahren erhalten, was allerdings nicht bedeutet, dass alle Filme entsprechend eingestuft wurden. Die meisten sind (wie "Deer Woman") uncut frei ab 16 Jahren. Drei der ab 18 Jahren freigegebenen Episoden liegen leider nur in geschnittener Version vor.

John Landis ist - abgesehen vom legendären Musikvideo zu Michael Jacksons Hit "Thriller" - vor allem durch (Horror-)Komödien bekannt geworden. The Blues Brothers und American Werewolf haben Kultstatus erlangt, Bloody Marie sollte auch nicht unerwähnt bleiben. In dieselbe Kerbe schlägt er mit "Deer Woman". Das ist auch gut so, denn die Idee von einer Frau, die von der Hüfte abwärts wie ein zweibeiniger Hirsch aussieht und ihre Lover tottrampelt, ist ziemlich absurd. Allerdings ist die Hirschfrau-Legende keine Erfindung von John Landis, wie man in der englischsprachigen Wikipedia lesen kann. Jedenfalls hätte ein "ernsthafter" Horrorfilm mit dieser Thematik leicht in unfreiwillige Komik abrutschen können. Also versucht Landis es gar nicht erst auf diese Weise, sondern mit Humor. Ich muss leider sagen, dass er das diesmal nicht so gut hinbekommen hat wie bei "American Werewolf". Es sind durchaus witzige Momente enthalten, zum Beispiel wenn Faraday sich ausmalt, wie das erste Mordopfer wohl zu Tode gekommen sein mag. Seine recht abwegigen Theorien werden in entsprechenden Szenen gezeigt, sie gipfeln darin, dass er sich einen aufrecht gehenden Hirsch (mit Latzhose und Flanellhemd!) vorstellt, der den Trucker ermordet, um dessen Freundin verschleppen zu können ... Diese Momente wirken aber fast wie Fremdkörper, es entsteht kein harmonisches Ganzes.

Ich würde "Deer Woman" nicht mal als Horrorfilm bezeichnen, eher als "Buddy-Cop-Film". Faraday und Reed sind ja zwei grundverschiedene Typen, die gezwungenermaßen zusammen an einem Fall arbeiten müssen und im Verlauf der Ermittlungen Freunde werden. Tatsächlich nehmen die Polizeifilm-Elemente breiten Raum ein. Ich habe in obiger Zusammenfassung gar nicht alles erwähnt. So wird Faraday von dem Mordfall abgezogen und muss Überzeugungsarbeit bei seinem Chef leisten, um wieder darauf angesetzt zu werden. Diese Elemente funktionieren gut, sie hätten sicher auch für einen längeren Film gereicht. Das Ende kommt für meinen Geschmack zu abrupt. Furchteinflößend sind die Geschehnisse nicht, weil man die Taten der Hirschfrau nicht sieht. Man bekommt nur die Ergebnisse zu Gesicht. Die sind allerdings ganz schön unappetitlich! Cinthia Moura hat in diesem Film keine einzige Textzeile. Sie muss lediglich verführerisch wirken, was ihr hervorragend gelingt (sie sieht wirklich hinreißend aus), oder böse aus der Wäsche gucken, was nicht so gut klappt. Spannung kommt nur in den letzten zehn Minuten auf, wenn die sympathischen Hauptfiguren in Gefahr geraten.


Extras

Abgesehen vom Audiokommentar der beiden Hauptdarsteller besteht das Bonusmaterial ausschließlich aus unkommentiertem "Hinter-den-Kulissen"-Material. Es handelt sich nicht um eine Making-of-Dokumentation, stattdessen wurde einfach bei den Dreharbeiten verschiedener Szenen mitgefilmt. Man sieht, was sich alles um die Schauspieler herum abspielt. Dutzende Männer und Frauen aus dem Filmteam haben die verschiedensten Aufgaben gleichzeitig zu erledigen. Währenddessen müssen die Schauspieler erstmal warten. Es wird ein genauerer Blick auf die Überreste des ersten Opfers geworfen und es wird gezeigt, wie die Hirschbeine an Schienen montiert werden, die an den Beinen der Schauspielerin angebracht sind. Sie musste mit diesen Dingern herumlaufen, was ziemlich unbequem aussieht. Teilweise werden die Schauspieler gar nicht gezeigt, sondern der Regisseur, der hinter einer Batterie von Monitoren sitzt und von dort aus Anweisungen erteilt.


J. Kreis, 16.10.2018




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