Masters of Horror


The Fair-Haired Child (USA, 2006)

Blu-ray, Splendid Film
Altersfreigabe: FSK 16
Laufzeit: ca. 55 Minuten

Extras:
- Audiokommentar
- Master of Horror: William Malone (10:33 Min.)
- Interview Lori Petty (9:45 Min.)
- Interview William Samples (15:56 Min.)
- Interview Lindsay Pulsipher (11:01 Min.)
- Interview Jesse Haddock (9:12 Min.) -

Regie:
William Malone

Hauptdarsteller:
Lindsay Pulsipher (Tara)
Jesse Haddock (Jonathan Bernard Ruric)
Lori Petty (Judith Ruric)
William Samples (Anton Ruric)




Inhalt

Auf dem Heimweg von der Schule wird ein Mädchen namens Tara angefahren, mit Chloroform betäubt und verschleppt. Als sie wieder zu sich kommt, findet sich Tara im abgelegenen Haus der Eheleute Judith und Anton Ruric wieder. Nach einem gescheiterten Fluchtversuch wird sie im Keller eingesperrt. Dort findet sie einen in einer Schlinge baumelnden Jungen und befreit ihn aus der lebensgefählichen Lage. Der Junge spricht nicht. Er schreibt seinen Namen "Johnny" in den Staub. An mehr scheint er sich nicht erinnern zu können. Eine Injektionswunde lässt darauf schließen, dass die Erinnerungslücken auf Drogen zurückzuführen sind, die die Rurics ihm verabreicht haben. An den Kellerwänden sind Warnungen vor einem blonden Kind (Fair-Haired Child) eingeritzt und in einem Nachbarraum liegen mehrere Rucksäcke sowie Leichenteile herum. Tara weiß nun, dass die Rurics schon mehrere Teenager entführt haben, und sie glaubt, Johnny sei ein Leidensgenosse. Doch während die beiden nach einem Ausweg suchen, verändert sich Johnny plötzlich. Aus dem netten und hilflosen Jungen wird eine bizarre, kaum mehr als menschlich zu bezeichnende und mit übernatürlichen Kräften ausgestattete Kreatur, die Jagd auf Tara macht.

Es gelingt Tara, sich vor dem grässlichen Wesen zu verstecken. Dieses verwandelt sich nach einiger Zeit in Johnny zurück. Allmählich gewinnt Johnny sein Gedächtnis zurück, zudem findet er eine leere Urne, auf der sein Name steht, sowie ein Buch, in dem Beschwörungsformeln aufgezeichnet sind. Es wird klar, dass Johnny vor Jahren bei einem tragischen Unglück ums Leben gekommen ist. Die Rurics sind seine Eltern und sie haben einen Pakt mit dämonischen Mächten geschlossen, um ihn ins Leben zurückzuholen. Johnnys Asche wurde auf eine aus Dreck und Zweigen zusammengestückelte menschengroße Puppe gestreut. Diese ist zum Leben erwacht, behält aber nur Johnnys Form, wenn die Rurics ein Kind opfern. Erst nach der zwölften Opferung kann Johnny wieder ganz menschlich werden. Johnny hat schon elf junge Menschen getötet und soll nach dem Willen seiner Eltern mit Tara genauso verfahren. Er will das nicht, denn er hat sich in Tara verliebt. Er versucht sich umzubringen - genau das hat er vor Taras Ankunft schon einmal getan - was natürlich nicht gelingt, da er nicht wirklich lebt. Tara vergibt ihm und lässt zu, dass er sie zerreißt, nachdem er sich erneut verwandelt hat.

Die Ruricks lauschen an der Kellertür. Sobald nichts mehr zu hören ist, holen sie Johnny aus dem Keller und vollenden das Ritual. Somit haben sie ihren Sohn zurück. Ihre Freude währt kurz, denn Johnny hat ebenfalls einen Pakt mit dem Dämon geschlossen. Er konnte ihn sogar von zwölf Opfern auf zwei herunterhandeln. Damit sind Johnnys Eltern gemeint. Sie müssen sterben, damit Tara wieder leben kann. Die lebende Tote dringt in ähnlicher Form wie Johnny vor Vollendung des Rituals in das Haus ein und tötet die Ruricks, woraufhin sie wieder menschlich wird. Johnny verabreicht ihr dieselbe Droge, mit der seine eigenen Erinnerungen blockiert worden sind ...


Kringels Meinung

"The Fair-Haired Child" ist die neunte Episode der zwei Staffeln zu je 13 Folgen umfassenden Fernsehserie "Masters of Horror". Die titelgebenden Meister sind namhafte Regisseure des Horror-Genres und sie haben ganz unterschiedliche Beiträge zur Serie beigesteuert. Jede Episode ist eigenständig und in sich abgeschlossen, es gibt keine serienübergreifenden Zusammenhänge. Beide Staffeln sind in je einer Blu-ray-Box erhältlich. Jede Box enthält vier Discs, die es auch gesondert zu kaufen gibt. Die Staffelboxen haben eine Altersfreigabe ab 18 Jahren erhalten, was allerdings nicht bedeutet, dass alle Filme entsprechend eingestuft wurden. Die meisten sind (wie "The Fair-Haired Child") uncut frei ab 16 Jahren. Drei der ab 18 Jahren freigegebenen Episoden liegen leider nur in geschnittener Version vor.

Ich halte die Bezeichnung "Master of Horror" bei William Malone für etwas übertrieben, das heißt, die wahren Meister wie zum Beispiel Joe Dante und John Landis, die ebenfalls Kurzfilme zu der Serie beigesteuert haben, spielen meiner Meinung nach doch in einer anderen Liga. Das hat aber nichts zu bedeuten, will sagen, "The Fair-Haired Child" hat mir gefallen! Wie bei einer guten Kurzgeschichte schlägt die nicht sehr in die Tiefe gehende Ausarbeitung von Figuren und Situationen nicht negativ zu Buche. Einige kurze Szenen und Andeutungen genügen und man weiß Bescheid. Da keine Zeit für eine lange Expositionsphase vorhanden ist, muss sich der Regisseur aufs Wesentliche konzentrieren. Das gelingt bestens, zumal die innere Schlüssigkeit der an sich nicht besonders originellen Story stets gewahrt bleibt. In manchen Kritiken wird der Schluss als kitschig bezeichnet. Das habe ich anders empfunden. Es mag sein, dass Johnny Tara nichts Böses will, aber es sieht so aus, als gedenke er die Situation zu seinem Vorteil auszunutzen. Im Grunde ist Tara immer noch eine Gefangene.

Besonders gut gefällt mir die düstere Atmosphäre im Keller, wenn Tara herauszufinden versucht, was eigentlich los ist. Sobald sich Johnny in eine ziemlich gruselige Kreatur verwandelt, beginnt eine zwar kurze, aber sehr spannende Katz-und-Maus-Jagd. Hinzu kommen surreale Szenen, in denen ein Alptraum Antons visualisiert wird; es handelt sich um eine verfremdete Version von Johnnys Tod. Taras Tod ist angemessen brutal und blutig, ebenso Judiths Ende. Action und Spezialeffekte können sich also schonmal sehen lassen. Aber auch die schauspielerischen Leistungen können überzeugen. Lindsay Pulsipher macht ihre Sache meiner Meinung nach ganz hervorragend und es gelingt ihr, den Zuschauer für sich einzunehmen. Das ist ja die Grundvoraussetzung dafür, dass ein Film dieser Art überhaupt funktionieren kann. Es gibt nur eines, das ich nicht verstehe. Wenn sich Johnny an nichts erinnern kann, warum hat er dann versucht, sich zu erhängen?


Extras

Abgesehen vom Audiokommentar besteht das Bonusmaterial ausschließlich aus Interviews ohne deutsche Untertitel, bei denen man leider die Fragen oft nicht versteht. Hauptsächlich loben sich der Regisseur und die vier Hauptdarsteller gegenseitig, außerdem wird erzählt, worum es in dem Film geht. Über die Dreharbeiten und so weiter erfährt man leider sehr wenig. Lindsay Pulsipher und Jesse Haddock outen sich als Horrorfans. Lori Petty erklärt das Geheimnis der Schauspielerei: Wenn sie daran glaubt, Cello spielen zu können, dann glaubt's auch der Zuschauer. William Samples gibt die erste Strophe des Gedichts "This Be The Verse" von Philip Larkin zum Besten.


J. Kreis, 28.01.2019




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