Masters of Horror


Jenifer (USA, 2005)

Blu-ray, Splendid Film
Altersfreigabe: FSK 18
Laufzeit: ca. 56 Minuten

Extras:
- Audiokommentar
- Making-of (40:37 Min.)
- Behind the Scenes (9:36 Min.)
- Interviews (38:44 Min.)

Regie:
Dario Argento

Hauptdarsteller:
Steven Weber (Frank Spivey)
Carrie Anne Fleming (Jenifer)




Inhalt

Der Polizist Frank Spivey ist erstmals in seinem Leben gezwungen, jemanden zu töten. Er wird zufällig auf einen Mann aufmerksam, der offensichtlich die Absicht hat, eine junge Frau mit einem Hackmesser zu ermorden. Spivey kann die Frau nur retten, indem er den Mann erschießt. Das letzte Wort des Sterbenden ist der Name der Frau: Jenifer. Sie hat eine phantastische Figur, aber ein grausig entstelltes Gesicht mit einem verzerrten Mund voller scharfer Zähne, das sie unter ihren langen blonden Haaren verbirgt. Spivey fühlt sich zu Jenifer hingezogen. Die Zuneigung scheint auf Gegenseitigkeit zu beruhen. Spivey befreit Jenifer aus der psychiatrischen Klinik, in die sie gebracht wurde, weil man weder ihre Identität feststellen konnte noch die des Mannes, der sie umbringen wollte. Jenifer spricht nicht. Man hält sie für geistig zurückgeblieben.

Gegen den erbitterten Widerstand seiner Frau nimmt Spivey Jenifer bei sich auf. Er unternimmt einen halbherzigen Versuch, eine andere Bleibe für Jenifer zu finden. Unterwegs verführt sie ihn. Spivey nimmt Jenifer wieder mit nach Hause. Abends bekommt sie Hunger und frisst die Katze. Jetzt hat Spiveys Frau endgültig genug, sie zieht aus. Als Jenifer ein Nachbarkind zerfleischt, dämmert es Spivey, dass der Unbekannte gute Gründe für den versuchten Mord an Jenifer gehabt haben könnte. Er vertuscht die Tat und versucht Jenifer loszuwerden. Der Betreiber einer Freakshow ist bereit, sie mitzunehmen. Spivey gibt ihm den Hausschlüssel und kommt einige Zeit später nach. Er findet er die blutigen Überreste des Mannes ihm Kühlschrank.

Spivey steht nach wie vor unter Jenifers Bann. Nachdem er die Leiche im Garten vergraben hat, lädt er ein paar Vorräte ins Auto und fährt mit Jenifer zu einer Waldhütte, wo er sich in der Hoffnung häuslich einrichtet, dass Jenifer in dieser abgelegenen Gegend keinen Schaden anrichten kann. Spivey findet Arbeit in einem kleinen Gemischtwarenladen und freundet sich mit der Besitzerin an. Jenifer beobachtet ihn und wird eifersüchtig. Sie lockt den Sohn der Ladenbesitzerin in die Hütte und weidet ihn aus. Als Spivey hinzukommt, dreht er durch. Er zerrt Jenifer ins Freie, um sie zu erschlagen. Ein Jäger, der zufällig in der Nähe ist, beobachtet das und erschießt Spivey. Jenifer hat einen neuen "Freund" gefunden ...


Kringels Meinung

"Jenifer" ist die vierte Episode der zwei Staffeln zu je 13 Folgen umfassenden Fernsehserie "Masters of Horror". Die titelgebenden Meister sind namhafte Regisseure des Horror-Genres und sie haben ganz unterschiedliche Beiträge zur Serie beigesteuert. Jede Episode ist eigenständig und in sich abgeschlossen, es gibt keine serienübergreifenden Zusammenhänge. Beide Staffeln sind in je einer Blu-ray-Box erhältlich. Jede Box enthält vier Discs, die es auch gesondert zu kaufen gibt. Die Staffelboxen haben eine Altersfreigabe ab 18 Jahren erhalten, was allerdings nicht bedeutet, dass alle Filme entsprechend eingestuft wurden. Die meisten sind frei ab 16 Jahren. Drei der ab 18 Jahren freigegebenen Episoden liegen leider nur in geschnittener Version vor. "Jenifer" hat keine Jugendfreigabe erhalten, liegt aber uncut auf der Blu-ray vor.

Dario Argento hat die Bezeichnung "Master of Horror" sicherlich verdient; man denke nur an "Suspiria". Einige eher nicht so meisterliche Werke (siehe z.B. Phenomena) gehen allerdings auch auf sein Konto. Der Kurzfilm "Jenifer" rangiert mit konventioneller Erzählweise, ideenarmer Inszenierung und deftigen Splatterszenen irgendwo dazwischen. Das größte Problem dürfte sein, dass der Ablauf vorhersehbar ist. Zumindest hat für mich von Anfang an festgestanden, wie der Film ausgehen würde. Es blieb nur die Frage, wen Jenifer als nächstes "vernaschen" wird - und wie blutig die entsprechenden Szenen ausfallen mögen. Die entsprechenden Spezialeffekte haben es wirklich in sich! Es wird nicht mit Blut und Eingeweiden gegeizt (mit Sex übrigens auch nicht), Jenifers Gesicht ist durchaus furchteinflößend ... aber Spannung kommt trotzdem praktisch nicht auf. Mit dem Schluss bin ich sowieso nicht ganz zufrieden. Es gibt keinen ersichtlichen Grund für Frank, Jenifer nicht direkt in der Hütte zu töten. Warum musste er sie erst was weiß ich wie weit durch die Gegend zerren? Die Atmosphäre leidet übrigens teilweise unter der manchmal generischen Synthie-Dudelmusik.

Die Story ist also nicht wirklich aufregend, immerhin ist eine Metaebene vorhanden. Man könnte Jenifer als Personifizierung unkontrollierbarer Triebe verstehen, mit denen sich Frank im Grunde selbst zugrunde richtet. Er hätte ja jederzeit die Möglichkeit, Jenifer an die Kette zu legen oder sie in die Irrenanstalt zurückzubringen. Da er das nach ihrem ersten Mord nicht tut, trägt er eine Teilschuld an ihren nächsten Taten. Die Schauspieler holen durchaus einiges aus dem mageren Stoff heraus. Steven Weber bringt Franks Getriebenheit akzeptabel zum Ausdruck und Carrie Anne Fleming bringt das Kunststück fertig, trotz der grässlichen Maske verführerisch und sogar schutzbedürftig zu wirken. Der Film ist OK, aber längst nicht so furchteinflößend, wie es der Trailer vermuten lässt.


Extras

Das Bonusmaterial zu den Filmen dieser Reihe ist meist recht umfangreich, hätte aber eine Bearbeitung vertragen können. Zum Beispiel geben die Interviews mit dem Regisseur und den beiden Hauptdarstellern sehr wenig her, zumal man die Fragen, die Dario Argento gestellt werden, überhaupt nicht versteht. Bei ihm kommt außerdem noch die Sprachbarriere hinzu, sein Englisch ist nicht sehr gut. Untertitel sind nicht vorhanden. Immer wieder unterbrechen sich die Interviewten, scheinen sich unbehaglich zu fühlen oder nicht zu wissen, was sie überhaupt sagen sollen. Hätte man die relevanten Teile (viele sind es nicht) herausgelöst und mit den sieben kurzen Einzel-Featurettes des so genannten "Making-of" zu einem sinnvollen Ganzen verknüpft, dann hätte eine ganz gute Filmdoku dabei herauskommen können.

Insgesamt erhält man doch einige Hintergrundinformationen. So basiert der Film auf einem Comic aus dem Jahre 1974, von dem Steven Weber als Teenager sehr beeindruckt war. Er selbst hat das Material zur Verfilmung vorgeschlagen und sogar das Drehbuch geschrieben. Einzelne Frames des Comics werden gezeigt. Sowohl Weber als auch Carrie Anne Fleming (schön, dass man sie mal ohne Maske sieht) outen sich als Horror-Fans. Ansonsten bekommt man den Maskenbildner Howard Berger bei der Arbeit zu sehen. Die Hauptdarstellerin hat offenbar so einiges erdulden müssen, etwa bei der Herstellung eines Abgusses ihres Kopfes. Trotzdem sagt sie im Interview, dass sie einen Riesenspaß bei der ganzen Sache hatte. Respekt!


J. Kreis, 09.04.2019




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