A Quiet Place


A Quiet Place (USA, 2018)

Blu-ray, Paramount
Altersfreigabe: FSK 16
Laufzeit: ca. 90 Minuten

Extras:
- Die Erschaffung der Stille - Hinter den Kulissen von A Quiet Place (14:45 Min.)
- Der Klang der Dunkelheit - Die Tonbearbeitung von A Quiet Place (11:44 Min.)
- Ein Grund zum Schweigen - Die visuellen Effekte von A Quiet Place (7:33 Min.)

Regie:
John Krasinski

Hauptdarsteller:
Emily Blunt (Evelyn Abbott)
John Krasinski (Lee Abbott)
Millicent Simmonds (Regan Abbott)
Noah Jupe (Marcus Abbott)




Inhalt

Die Erde wurde von übermenschlich starken, schnellen und fast unverwundbaren Kreaturen überrannt. Die Wesen haben Klauen, mit denen sie Stahl wie Papier zerfetzen können. Sie sind blind und reagieren nur auf Geräusche. Wer in der von diesen Kreaturen dominierten Welt überleben will, darf keine lauten Geräusche verursachen und nicht einmal sprechen, denn die Monster haben ein höchst sensibles Gehör und attackieren alles, was nach Lebewesen klingt. Lee und Evelyn Abbott leben mit ihren Kindern Regan und Marcus auf einer Farm, von deren Erträgen sie sich ernähren können. Fisch wird in einem nahen Fluss gefangen. Alle vier haben das Gebot absoluter Stille verinnerlicht und alle erdenklichen Maßnahmen getroffen, um keines der aggressiven Wesen auf sich aufmerksam zu machen. Regan ist taub, sie trägt ein Cochlea-Implantat. Sie gibt sich die Schuld am Tod ihres kleinen Bruders Beau und glaubt, ihr Vater liebe sie nicht mehr. Lee sucht seit geraumer Zeit vergeblich nach einer Schwachstelle der Kreaturen. Er hat Kameras auf dem Farmgelände installiert und eine leistungsfähige Funkanlage aufgebaut. Bislang konnte er keinen Kontakt mit anderen Überlebenden herstellen. Außerdem versucht er den Sender des nicht funktionierenden Cochlea-Implantats zu verstärken. Auch hierbei hatte er noch keinen Erfolg.

Evelyn ist schwanger. Am Tag der Niederkunft ist sie allein im Haus. Sie tritt in einen Nagel, kann einen Schmerzenslaut nicht unterdrücken und lässt etwas fallen. Eine Kreatur wird angelockt und beginnt im Haus nach Evelyn zu suchen. Mit Lichtsignalen warnt Evelyn die anderen, bevor sie von den Wehen überwältigt wird. Marcus zündet eigens für diesen Zweck bereitliegende Silvesterraketen, so dass die Kreatur abgelenkt wird. Lee bringt Evelyn, die inzwischen einen gesunden Jungen zur Welt gebracht hat, in den schallisolierten Keller, muss diesen aber verlassen, um Marcus und Regan zu suchen. Die Kinder haben überlebt, denn jedes Mal, wenn ihnen eine Kreatur zu nahe gekommen ist, ist es zu einer für die fremden Wesen unerträglichen Rückkopplung mit Regans Hörgerät gekommen. Da auch Regan unter der Rückkopplung leidet und noch nicht begriffen hat, was eigentlich geschehen ist, schaltet sie das Hörgerät ab. Prompt greift eine Kreatur an. Lee opfert sich, um es den Kindern zu ermöglichen, ins Haus zu gelangen. Doch auch dort sind sie nicht sicher. Die Kreaturen haben eine Wasserleitung zerstört, so dass der Keller voll Wasser läuft.

In höchster Gefahr erkennt Regan, dass sie ihr Hörgerät als Waffe einsetzen kann. Sie verbindet das Gerät mit der Funkanlage und dreht diese voll auf, so dass eine in den Keller eingedrungene Kreatur von Qualen überwältigt wird. Evelyn nutzt die Gelegenheit, die ziellos herumtorkelnde Kreatur mit einer Schrotflinte zu töten. Weitere Kreaturen sind auf den Überwachungsmonitoren zu sehen. Evelyn lädt durch; jetzt kennt sie die Schwachstelle der Ungeheuer.


Kringels Meinung

Bei diesem Film wurde alles richtig gemacht. Dramaturgie und Besetzung sind einfach perfekt. "A Quiet Place" ist kein tiefschürfendes Drama mit komplexer Story - ganz und gar nicht, die Story ist sogar recht simpel. Das soll keine Negativkritik sein! Nein, dies ist ein Horrorthriller, wobei "Horror" im Sinne von brutalem Gemetzel (darum geht es hier nicht) klein geschrieben werden muss, die Spannung dafür um so größer. Die einzige Hürde für den Zuschauer besteht darin, dass er die Existenz der Monster als gegeben hinnehmen muss. Die Herkunft der Kreaturen, von denen die Erde überrannt wurde, wird bleibt unklar. In der englischsprachigen Wikipedia habe ich gelesen, sie seien mit einem Meteoritenschauer zur Erde gekommen. Wenn es im Film einen entsprechenden Hinweis gibt, so habe ich ihn übersehen. Jedenfalls werden abgesehen von Zeitungsfetzen, die hier und da herumliegen, keine Erklärungen geliefert. Es gibt keinen Prolog, keinen Voice-over-Kommentar oder dergleichen. Man muss also einfach akzeptieren, dass Lebewesen existieren, die so stark sind, dass das Militär ihnen nichts entgegenzusetzen hatte, so dass sie in den Wochen vor Beginn der Filmhandlung den größten Teil der Menschheit (sowie viele Tiere) ausrotten konnten. Wer sowas nicht mag, mit dem Phantastikgenre nichts am Hut hat und keinen Monster- oder Science-Fiction-Film sehen möchte, wird sich an dieser Stelle womöglich ausklinken, würde aber wirklich was verpassen!

Nach den ersten zehn Minuten kennt man die Ausgangssituation, und das, ohne dass ein einziges Wort gesprochen wurde! Wie es sich für einen richtig guten Monsterfilm gehört, wird die Kreatur zunächst einmal gar nicht gezeigt. Man sieht kaum mehr als einen Schatten, eine sich schnell bewegende formlose Gestalt, und das auch nur ganz kurz. Die Spannung entsteht vielmehr durch das Verhalten der Menschen, ihre extreme Vorsicht, ihre Angst vor lauten Geräuschen. Auf sehr drastische Weise wird verdeutlicht, dass es eine äußerst schlechte Idee ist, mitten im Wald Krach zu machen! Der Zuschauer weiß also, was den Protagonisten widerfahren könnte, und allmählich häufen sich die Hinweise darauf, dass es ihnen früher oder später wiederfahren wird. Jetzt kommt es darauf an, dass der Zuschauer Sympathie für die Protagonisten empfindet, denn wenn es ihm egal wäre, ob die Abbotts leben oder sterben, dann würde das Bedrohungsszenario wirkungslos verpuffen. Und hier zeigt sich eine große Stärke des Films, denn nicht nur die Erwachsenen, also Emily Blunt (immer eine sichere Bank) und John Krasinski bringen es fertig, den Zuschauer emotional zu beteiligen, sondern auch die Kinder - insbesondere Millicent Simmonds.

Somit haben wir zwei wichtige Zutaten, nämlich eine stets präsente Gefahr und ein Figurenensemble, um das wir uns sorgen, mit dem wir mitfiebern können. Fehlt nur noch das Monster. Die Kreaturen sind computergeneriert, doch die sind hervorragend gelungen. Ihr Design ist vielleicht nicht wahnsinnig spektakulär, erfüllt aber seinen Zweck, zumal man die Viecher ja wie gesagt nur selten in voller "Schönheit" zu Gesicht bekommt. Ihr ganzer Kopf scheint ein einziges großes Hörorgan zu sein. Ihre Körperpanzerung ist an dieser Stelle segmentiert. Die Segmente können aufgeklappt und in verschiedene Richtungen gedreht werden. Darunter kommt Gewebe zum Vorschein, das ans menschliche Innenohr erinnert. Die eigentliche Besonderheit des Films ist allerdings das Sounddesign beziehungsweise die Tatsache, dass es fast keine Dialoge gibt und dass sich die Abbotts so leise wie möglich verhalten. Da treten natürlich ganz andere Geräusche in den Vordergrund. Außerdem erlebt man einzelne Szenen aus Regans Perspektive, das heißt, es ist entweder gar nichts zu hören oder nur eine Art dumpfes Rauschen. Wer (wie ich) schonmal einen Hörsturz hatte, wird sich da sicherlich wiederfinden.

Ich habe nur einen einzigen winzigen Kritikpunkt vorzubringen: Wenn Lee und Evelyn ganz genau wissen, dass laute Geräusche tödlich sind, wieso riskieren sie dann eine Schwangerschaft? Damit wirklich nichts passiert, muss das Baby nicht nur im Keller bleiben. Es wird obendrein in eine Kiste gelegt und erhält Atemluft via Sauerstoffmaske. Wie soll es unter diesen Bedingungen aufwachsen?


Extras

Das Bonusmaterial besteht aus Filmausschnitten, Interviews und Hinter-den-Kulissen-Material. Man erfährt einiges über den Entwicklungsprozess, den die Kreaturen durchgemacht haben, aber auch über das Sounddesign. Besonders interessant fand ich, dass Krasinski und Blunt tatsächlich verheiratet sind, und dass sie vor "A Quiet Place" noch nie zusammengearbeitet haben. Krasinski hätte seine Gattin gern von Anfang an ins Boot geholt, wollte aber nicht, dass sie sich verpflichtet fühlte, ihm einen Gefallen zu tun. Deshalb hat er sie nicht darauf angesprochen. Sobald sie das Drehbuch gelesen habe, sagt Krasinski, habe sie unbedingt mitmachen wollen. Auch wusste ich nicht, dass Millicent Simmonds wirklich taub ist.


J. Kreis, 20.02.2019




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