Robin Hood


Robin Hood - Director's Cut (USA/GB, 2010)

Blu-ray, Universal
Altersfreigabe: FSK 12
Laufzeit: ca. 141 Minuten (Kinoversion) / 157 Min. (Director's Cut)

Extras:
- The Art of Nottingham (6:04 Min. und Bildergalerien)

Regie:
Ridley Scott

Hauptdarsteller:
Russell Crowe (Robin Longstride)
Cate Blanchett (Marion Locksley)
Max von Sydow (Sir Walter Locksley)
Mark Strong (Sir Godfrey)
William Hurt (William Marshal)
Oscar Isaac (John Lackland)
Danny Huston (Richard Löwenherz)




Story

Im Jahre 1199 dient der desillusionierte Kreuzzugsveteran Robin Longstride als einfacher Bogenschütze in der Armee von König Richard Löwenherz. Seit den Kreuzzügen und der exorbitanten Lösegeldzahlung für den König, der bei der Rückreise aus dem Heiligen Land in Gefangenschaft geraten war, ist die Staatskasse leer. Zur Aufbesserung seiner maroden Finanzen belagert Richard die Burg Chalus in Frankreich. Robin sowie seine Kameraden Will Scarlet, Allan A'Dayle und Little John hoffen, nach dem abzusehenden Sieg endlich nach Hause zurückkehren zu können. Als Richard, der wie immer in vorderster Reihe mitkämpft, tödlich von einem Armbrustbolzen getrofen wird, nehmen die Männer ihren verfrühten Abschied. Auf dem Weg zur Küste stoßen sie durch Zufall auf französische Soldaten, die gerade eine Gruppe englischer Ritter in einen Hinterhalt gelockt und niedergemetzelt haben. Hinter dieser Tat steckt Sir Godfrey, ein Vertrauter von Richards Bruder John. Godfrey konspiriert insgeheim mit König Philipp von Frankreich, der die Invasion Englands plant. Unter Richards Führung wäre England ein zu starker Gegner. Mit dem schwachen, hauptsächlich mit seiner schönen Gattin befassten Prinzen John auf dem Thron hätten die Franzosen größere Siegeschancen. Godfrey sollte den König ermorden. Er hatte angenommen, Richard befinde sich bei den Rittern; er wusste nicht, dass er sich die Mühe hätte sparen können.

Robin und seine Kameraden töten die Wegelagerer. Nur Godfrey und sein wichtigster Handlanger entkommen. Bei der Plünderung der Leichen findet Robin den tödlich verwundeten englischen Ritter Sir Robert Locksley von Nottingham. Er hatte den Auftrag, Richards Krone zurück nach London zu bringen. Der Sterbende ringt Robin das Versprechen ab, sein Schwert an sich zu nehmen und es seinem Vater Sir Walter Locksley mit der Nachricht von seinem Tod zu übergeben. Sir Robert und sein Vater waren seinerzeit im Streit voneinander geschieden. Um sicher und bequem mit dem Schiff des Königs in die Heimat reisen zu können, nimmt Robin die Identität des Toten an. Robin und seine Gefährten lassen es sich während der Kanalüberquerung gut gehen, müssen ihren Rausch ausschlafen und erwachen zu spät; eigentlich hatten sie vor, sich frühzeitig abzusetzen, doch das Schiff hat London bereits erreicht. Robin muss die Täuschung fortführen und der Königinmutter die Krone überreichen. John tritt Richards Nachfolge an. Eine seiner ersten Aktionen besteht in der Ersetzung des Schatzkanzlers William Marshal durch Godfrey. Der neue Kanzler soll Steuern eintreiben, insbesondere von den säumigen nördlichen Baronen. John ahnt nicht, dass Godfrey die ihm mitgegebenen Soldaten ermorden lässt und durch französische Schergen ersetzt, die kein Problem damit haben, mit extremer Härte gegen das englische Volk vorzugehen. Es ist Godfreys Ziel, die Barone zum Bürgerkrieg aufzuhetzen und das Reich damit weiter zu schwächen. Godfrey weiß, welche Rolle Robin spielt und dass er Zeuge des Hinterhalts war. Robin soll beseitigt werden.

Derweil macht Robin sein Versprechen wahr, nicht zuletzt, weil eine Inschrift im Griff von Sir Roberts Schwert etwas in seinen Erinnerungen zum Klingen bringt. Robin glaubt die Inschrift zu kennen. Sie muss etwas mit dem Tod seines Vaters zu tun haben, den er im Kindesalter verloren hat. Sir Walter weiß etwas darüber. Er verspricht das Geheimnis zu lüften, sofern Robin auch weiterhin als Sir Robert auftritt. Dessen Witwe Marion würde nach Sir Walters Tod sonst alle Ländereien an die Krone verlieren. Robin willigt ein. Marion ist zunächst nicht sehr angetan, findet aber bald Gefallen an der Situation. Sie hat ihren Gatten kaum gekannt - es war eine arrangierte Heirat und Sir Robert ist kurz nach der Hochzeit zum Kreuzzug aufgebrochen - und Robin erweist sich als liebenswerter Partner. Er verhilft der hungernden Landbevölkerung zu neuem Saatgut, indem er einen Transport der Kirche überfällt, und freundet sich wie Marion mit den im Sherwood Forest lebenden Kriegswaisen an. Robin und Marion verlieben sich ineinander. Marshal erfährt mit Hilfe eines Spions, welche Absichten Godfrey wirklich verfolgt. Er reist nach Nottingham, um seinen alten Freund Sir Walter über den bereits ausgebrochenen Bürgerkrieg und die bevorstehende französische Invasion zu informieren. Sir Walter ist alt und blind, er kann Marshal nicht unterstützen. Robin soll das übernehmen. Sir Walter erklärt, Robins Vater sei ein Visionär gewesen, der zusammen mit den Baronen eine Charta entworfen habe, die die absolute Macht des Königs einschränkt und in der verschiedene Grundrechte verbrieft sind. Dafür sei er hingerichtet worden, aber die Charta existiere noch.

Bei einem Treffen der Barone mit John, der jetzt ebenfalls über Godfreys Verrat im Bilde ist, wird Robin alias Sir Robert zum Zünglein an der Waage. Indem er den König dazu bringt, mit seinem Ehrenwort für die Unterzeichnung der Charta einzustehen, vereint er die zerstrittenen Parteien, so dass sich diese der von Frankreich ausgehenden Bedrohung gemeinsam stellen können. Tatsächlich ist Philipps Flotte nur noch zwei Tage entfernt. Robin und seine Leute kehren gerade rechtzeitig nach Nottingham zurück, um die marodierenden Schergen Godfreys aufzuhalten. Godfrey hat bereits Sir Walter getötet, der dem Aggressor tapfer entgegengetreten ist, und schließt sich nun den Invasionstruppen an. Alle Frauen und Kinder des Dorfes wurden in ein Haus getrieben, das in Brand gesetzt wurde. Robins Leute sind siegreich. Von den gefangenen Franzosen erfahren sie, wo die feindliche Flotte anlanden wird. Marion erledigt Godfreys Handlanger, der sie vergewaltigen wollte, und befreit die im brennenden Haus eingeschlossenen Menschen. Der König setzt sich an die Spitze der Armee, die den Franzosen einen unerwartet heißen Empfang beschert. Marion lässt sich nicht davon abhalten, am Kampf teilzunehmen, um den Tod ihres Vaters zu rächen. Sie droht Godfrey zu unterliegen und wird von Robin gerettet. Godfrey sucht sein Heil in der Flucht. Robin streckt ihn mit einem Meisterschuss nieder. Die Franzosen werden zurückgeschlagen. John ist nicht erfreut, als er feststellt, dass die Soldaten nicht ihm zujubeln, sondern Robin.

Wenig später bricht der König sein Wort, indem er die Charta verbrennt. Darüber hinaus erklärt er Robin zum Gesetzlosen, der von jedermann gejagt und getötet werden darf. Robin, seine drei Kameraden, Marion und einige Bewohner Nottinghams ziehen sich in die Wälder zurück, wo sie vogelfrei mit den Kriegswaisen zusammenleben.


Kringels Meinung

Robin Hood, der legendäre Outlaw, der die ungerechten Besitzverhältnisse durch Umverteilung bereinigt, ist schon in vielen Inkarnationen auf Leinwand und Bildschirm zu sehen gewesen, immer wieder wurden dabei neue Ansätze gewählt. Schon lange hüpfen keine fröhlichen Gesellen in Strumpfhosen und mit lustigen Liedern auf den Lippen mehr durch Sherwood Forest. Am bekanntesten und beliebtesten dürfte immer noch Robin Hood - König der Diebe (1991) mit Kevin Costner und Morgan Freeman sein, der meiner Meinung nach nicht unerheblich von der unvergesslichen britischen Fernsehserie Robin of Sherwood inspiriert wurde. Beide Versionen der altbekannten Geschichte setzen auf Realismus, zumindest insoweit, als kein idealisiertes, buntes und harmloses Mittelalter gezeigt wird, sondern eine Welt, in der Gewalt und Korruption herrschen. Die Protagonisten sind keine klischeehaften Abziehbilder; sie haben Ecken und Kanten, dürfen sich schmutzig machen und so weiter. Allerdings spielen sowohl im Film als auch in der Serie gewisse Fantasy-Elemente eine Rolle. Eine der ersten mir bekannten "ernsthaften" Verfilmungen des Mythos ist "Robin und Marian" mit Sean Connery und Audrey Hepburn aus dem Jahre 1976. Die Story dieses Films spielt einige Jahre nach der Zeit, in der Robin und seine Getreuen den Sherwood Forest unsicher gemacht haben. Robin ist sichtlich gealtert, Marian ist Nonne geworden ... und die Geschichte endet tragisch.

Während die Legende in "Robin und Marian" somit endet, hat sie in Ridley Scotts Interpretation noch gar nicht begonnen. Robin, Little John, Will Scarlet und Allan A'Dayle kennen sich bereits, aber Robin ist noch nicht der Robin. Er ist nicht mal die Person, für die alle ihn halten, sondern ein einfacher Soldat, der eine Rolle spielt. Tatsächlich ist er ein Betrüger, und das muss man erst mal schlucken. Die Sache mit der von Robins Vater entworfenen Magna Charta musste wohl hinzugedichtet werden, damit Robin überhaupt motiviert sein kann, für die Sache der Armen einzutreten. Dabei ging es in diesem Schriftstück, das von König John im Jahre 1215 doch noch unterzeichnet worden ist, gar nicht um die Freiheitsrechte des einfachen Volkes, auch wenn die Magna Charta heute als bedeutender Meilenstein auf dem Weg zu modernen gesellschaftlichen Verhältnissen gilt. Damals sollte nur das Verhältnis zwischen Adel und Krone auf eine für den Adel günstigere Basis gestellt werden. Wie dem auch sei: Auch in diesem Film wird auf Realismus gesetzt. Magie kommt nicht vor und der Humor fällt meist ziemlich grimmig aus. "Robin Hood" lässt sich gut in die Liste moderner Historienfilme einreihen, die derselbe Regisseur im Jahre 2000 mit Gladiator erst so richtig losgetreten hat.

Der Film zeigt Pracht und Elend des beginnenden 13. Jahrhunderts, kann mit zwei starken Hauptdarstellern und zwei mindestens ebenso überzeugenden Schurken punkten, geizt nicht mit teils ziemlich brutaler Action ... und trotzdem ist der Funke bei mir nicht übergesprungen. Ich kann nicht den Finger darauf legen, aber es kommt mir so vor, als hätte ich das alles schon -zigmal gesehen. Irgendwie fehlt das Besondere, das Alleinstellungsmerkmal, der letzte Kick, der einen Film erinnerungswürdig werden lässt. Langweilig ist "Robin Hood" allerdings wirklich nicht, erst recht nicht im Director's Cut, der gut 15 Minuten länger ist als die Kinoversion und nach dem ich obige Zusammenfassung geschrieben habe. Robin und Marion haben mehr Charakterszenen, das heißt, ihre sich entwickelnde Beziehung wird besser dargestellt, außerdem rücken die im Wald hausenden Kriegswaisen etwas mehr in den Vordergrund, so dass ihre Beteiligung am Endkampf erst verständlich wird. Insgesamt kann ich "Robin Hood" als durchaus gelungen bezeichnen. Warum er mich nicht annähernd so stark berührt hat wie "Gladiator"? Ich weiß es nicht.


Extras

Das Bonusmaterial besteht hauptsächlich aus umfangreichen Bildergalerien. Dazu gehören Prävisualisierungen, Storyboards, Szenenbilder und Hinter-den-Szenen-Material. In den kurzen Filmbeiträgen werden Production Designer Arthur Max und Kostümdesignerin Janty Yates interviewt. Yates nennt Gemälde von Breughel (gemeint ist wohl Pieter Breughel der Ältere) als Inspirationsquelle. Man sieht ein großes Bühnenbild-Modell sowie die danach entwickelten Sets.


J. Kreis, 15.05.2018




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