For the Love of Spock


For the Love of Spock (Kanada/USA, 2016)

Blu-ray, Studio Hamburg Enterprises
Altersfreigabe: INFO-Programm gemäß § 14 JuSchG
Laufzeit: ca. 111 Minuten

Extras:
Keine

Regie:
Adam Nimoy



Als ich im Jahre 2015 von Leonard Nimoys Tod erfuhr, war ich sehr traurig. Es war fast so, als sei ein kleiner Teil von mir selbst gestorben, denn Nimoy - oder vielmehr der von ihm verkörperte Erste Offizier des Raumschiffes Enterprise namens Spock - hat mich früh beeinflusst und ist einfach immer da gewesen. Für mich war nicht etwa Captain Kirk die interessanteste Figur im "Star Trek" - Universum, sondern der Vulkanier. Ich wollte so sein wie Spock: Ruhig, zurückhaltend und beherrscht, jeder Situation gewachsen und einfach nur cool. Als kleiner Junge habe ich geübt, eine Augenbraue so nonchalant zu heben wie Spock (bei mir geht's nur links), und das ist mir in Fleisch und Blut übergegangen. Spock war ein Vorbild, mit dem ich mich identifizieren konnte. Ich glaube, dass mein Charakter nicht zuletzt dadurch geprägt worden ist, dass ich seine stille Überlegenheit erreichen wollte. Unzähligen Fans in aller Welt ist es ähnlich ergangen. Spock hat Menschen ermutigt, die sich als Außenseiter gefühlt haben oder die ihre Behinderungen überwinden mussten. Immer wieder wird Spock als Inspirationsquelle genannt, wenn Wissenschaftler gefragt werden, warum sie ihre Laufbahnen eingeschlagen haben. Man kann also mit Fug und Recht behaupten, dass Leonard Nimoy mit der Rolle des Spock nicht nur Weltruhm erlangt hat und zu einer Ikone der Popkultur geworden ist, sondern auch eine wichtige Rolle im Leben von Abertausenden gespielt hat.

Der Mensch hinter der Figur ist mir lange Zeit vollkommen unbekannt gewesen. Das hat sich längst geändert, denn ich habe eine ganze Reihe von Büchern von und über Leonard Nimoy gelesen. Ich kenne also seine Herkunft sowie seinen beruflichen Werdegang vor, während und nach "Star Trek". Ich bin über seine familiären und gesundheitlichen Probleme im Bilde (Nimoy war viele Jahre lang Alkoholiker und starker Raucher). Ich weiß, welche Probleme er damit hatte, auf eine einzige Filmfigur reduziert zu werden und wie er schließlich doch seinen Frieden mit Spock gemacht hat. Nimoy hat sich als Fotograf, Sänger und Dichter versucht; einige seiner Werke sind mir bekannt. Was mir bisher gefehlt hat, war eine angemessene filmische Würdigung dieses faszinierenden Mannes. Leonard Nimoys Sohn Adam füllt diese Lücke mit Bravour! Auf alle vorgenannten Stationen von Leonard Nimoys Leben inklusive der Höhen und Tiefen wird im Film eingegangen, wobei "Star Trek" natürlich im Vordergrund steht, und zwar auf sehr unterhaltsame Art. "For the Love of Spock" ist zudem schon deshalb mehr als nur eine trockene Biografie, weil Adam Nimoy seinen ganz individuellen Blickwinkel mit einbringt. Die Beziehung zwischen Vater und Sohn war oft problematisch. Als Kind musste sich Adam Nimoy den Vater quasi mit Millionen Fans teilen, manchmal hatte er sogar das Gefühl, mit ihnen um seine Gunst wetteifern zu müssen. Das verschweigt er ebenso wenig wie die eigene Drogensucht.

Szenen aus allen möglichen Serien und Filmen (auch außerhalb des "Star Trek" - Franchise), alte und neue Interviews mit Vater und Sohn Nimoy sowie mit Schauspielerkollegen, Familienmitgliedern, Fans und anderen Personen, Ausschnitte aus Fernsehshows verschiedener Jahrzehnte und noch viel mehr an aktuellem sowie historischem Film- und Bildmaterial fügen sich zu einem lebendigen Bild zusammen. Für Fans ist "For the Love of Spock" von der ersten bis zur letzten Minute ein einziges Fest, doch auch Leute, die Leonard Nimoy oder Spock überhaupt nicht kennen, werden sich bestimmt nicht langweilen. Der Grundton ist trotz des teils sehr ernsten Themas humorvoll. Einmal habe ich sogar Tränen gelacht, als nämlich Leonard Nimoys Song "The Ballad of Bilbo Baggins" zu sehen war, ein an sich schon äußerst obskures Stück aus den Sechzigerjahren. Adam Nimoy hat Szenen aus einer "Star Trek"-Episode dazwischengeschnitten, bei der Kirk und andere Mitglieder der Brückencrew - auch Spock - ihre Fassungslosigkeit zum Ausdruck bringen ...

Es ist völlig klar, dass man das Leben eines Menschen wie Leonard Nimoy nicht vollständig in einen einzigen 100-Minuten-Film packen kann. Stoff für eine ganze Serie wäre sicherlich vorhanden! Dennoch meine ich, dass Adam Nimoy seinem Vater und Spock mit diesem Film ein hochinteressantes, sehr persönliches und berührendes Denkmal gesetzt hat. Eine Hommage, wie man sie sich kaum besser wünschen könnte!


J. Kreis, 21.01.2019




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