Thor: Tag der Entscheidung


Thor: Tag der Entscheidung (USA, 2017)
- Thor: Ragnarok -

Blu-ray, Marvel Studios
Altersfreigabe: FSK 12
Laufzeit: ca. 130 Minuten

Extras:
- Audiokommentar
- Featurettes (34:24 Min.)
- Pannen vom Dreh (2:18 Min.)
- Team Darryl (6:08 Min.)
- Marvel Studios: Die ersten 10 Jahre - Die Evolution der Helden (5:23 Min.)
- Zusätzliche Szenen (5:43 Min.)
- 8-Bit-Sequenzen (2:25 Min.)

Regie:
Taika Waititi

Hauptdarsteller:
Chris Hemsworth (Thor)
Tom Hiddleston (Loki)
Mark Ruffalo (Bruce Banner / Hulk)
Cate Blanchett (Hela)
Anthony Hopkins (Odin)
Tessa Thompson (Scrapper 142)
Idris Elba (Heimdall)
Jeff Goldblum (Großmeister)




Inhalt

Zur Vorgeschichte siehe Thor, Thor: The Dark Kingdom und Avengers: Age of Ultron.

Seit einiger Zeit träumt Thor immer wieder von Ragnarök, dem Untergang Asgards. Er lässt sich von Surtur gefangen nehmen, einem Feuerdämon, der diese Katastrophe einer Prophezeiung zufolge verursachen wird. Die Prophezeiung besagt außerdem, dass Surturs Krone in die Ewige Flamme Asgards gelegt werden muss, damit der Dämon seine volle Macht erlangen und Ragnarök einleiten kann. Um das zu verhindern, raubt Thor Surturs Krone. Von Surtur erfährt Thor, dass Odin sich nicht mehr in Asgard befindet. Wenn das stimmt, wer sitzt dann auf Odins Thron und lässt es sich gut gehen? Nachdem Thor dafür gesorgt hat, dass Surturs Krone in Odins Schatzkammer gelangt, beendet er die Scharade seines Ziehbruders Loki. Dieser hat seinen Tod damals nur vorgetäuscht und Odins Gestalt angenommen. Der echte Odin wurde mit einem Bann belegt, nach Midgard gebracht und in ein New Yorker Altersheim gesteckt. Heimdall wurde des Verrats beschuldigt, weil er Loki durchschaut hat, und ist untergetaucht.

Thor und Loki reisen nach Midgard, um Odin zurückzuholen. Das Altersheim wird gerade abgerissen. Odin ist verschwunden. New York ist die Domäne von Dr. Stephen Strange. Der Magier ist nicht erfreut über die Anwesenheit zweier potentiell gefährlicher Wesen in seinem Einflussbereich. Um sie loszuwerden, hilft er ihnen, Odin in Norwegen aufzuspüren. Odin erklärt, seine Zeit sei abgelaufen. Nach seinem Tod werde Hela, seine Erstgeborene, deren Existenz er bisher verschwiegen hat, aus der Verbannung zurückkehren. Hela ist die Göttin des Todes und hat Odin einst als Anführerin der Heere Asgards bei der Eroberung der neun Welten geholfen. Im Gegensatz zu ihm wollte sie den Feldzug fortsetzen und alle Welten unterwerfen. Hela muss unbedingt von Asgard ferngehalten werden, denn sie bezieht ihre Macht von diesem Ort.

Hela erscheint prompt nach Odins Tod. Thor und Loki sollen vor ihr niederknien, was sie natürlich verweigern. Es kommt zum Kampf. Hela zerstört Thors Hammer Mjölnir. Loki aktiviert den Bifröst, um nach Asgard zu fliehen. Hela nutzt diese Verbindung ebenfalls. Thor und Loki können sie nicht aufhalten. Sie werden aus dem Bifröst geschleudert und landen auf Sakaar, einem von Wurmlöchern umgebenen Planeten, der als galaktische Müllhalde genutzt wird. Hela gelangt nach Asgard und metzelt alle nieder, die sich ihr entgegenstellen, darunter Thors Freunde Volstagg, Hogund und Fandral. Mit Hilfe der Ewigen Flamme erweckt sie ihre alten Kampfgefährten zu untotem Leben: Gefallene Asen und den Riesenwolf Fenris. Um dort weitermachen zu können, wo sie vor Jahrtausenden aufgehört hat, braucht sie Heimdalls Schwert. Nur damit lässt sich der Bifröst aktivieren und nur so kann Hela andere Welten erreichen. Heimdall stiehlt das Schwert und bringt so viele Bewohner Asgards wie möglich in einer versteckten Zuflucht in Sicherheit.

Derweil müssen sich Thor und Loki auf Sakaar zurechtfinden. Loki schmeichelt sich beim so genannten Großmeister ein, einem reichen und mächtigen Veranstalter von Arenakämpfen. Thor fällt der Sklavenhändlerin Scrapper 142 in die Hände und wird als Gladiator an den Großmeister verkauft. Thor erkennt, dass die Frau eine Walküre ist. Diese Kriegerinnen waren einst mit Asgard verbündet und sind von Odin im Kampf gegen Hela eingesetzt worden. Nur Scrapper 142 hat damals überlebt. Sie ertränkt die Erinnerungen in Alkohol. Thor muss gegen den Champion der Arena antreten. Dieser ist niemand anderer als der Hulk. Bruce Banner lebt seit den Geschehnissen in Sokovia, also seit zwei Jahren, permanent in dieser Gestalt. Der Hulk erkennt Thor, trotzdem attackiert er ihn. Bei dieser Gelegenheit stellt Thor erstmals fest, dass er auch ohne Mjölnir über die Macht von Blitz und Donner gebieten kann. Nach einigen Schwierigkeiten gelingt es Thor, den Hulk (der sich vorübergehend in Banner zurückverwandelt) und die Walküre zur gemeinsamen Flucht zu überreden. Zur Ablenkung zetteln sie einen Gladiatorenaufstand an. Loki versucht Thor auszutricksen, wird selbst ausgetrickst und muss zunächst auf Sakaar bleiben. Die anderen fliehen mit dem Raumschiff des Großmeisters durch ein Wurmloch direkt nach Asgard.

Durch mentalen Kontakt mit Heimdall hat Thor bereits erfahren, was Hela zurzeit in Asgard anrichtet. Thor stellt sich Hela allein, um die Flucht des Volks von Asgard durch den Bifröst zu decken. Im Zweikampf mit seiner Schwester verliert Thor ein Auge. Hela und ihre untoten Krieger treiben die Fliehenden auf der Bifröst-Brücke in die Enge. Da erscheint Loki mit einem großen Raumschiff - er hat sich an die Spitze der rebellierenden Gladiatoren gesetzt und trägt nun zur Rettung des Volks von Asgard bei. Mit vereinten Kräften dezimieren Thor, Loki, die Walküre und der Hulk die Untoten, doch Hela ist zu stark. Thor begreift, dass sie nur besiegt werden kann, wenn Asgard fällt. Er weist Loki an, Surturs Krone in die Ewige Flamme zu legen. Der Feuerdämon wird als Gigant wiedergeboren. Hela kann nicht verhindern, dass Surtur die Stadt der Asen vernichtet und sein Schwert tief ins Herz von Asgard rammt. Die Scheibenwelt explodiert, kurz nachdem Thor, seine Freunde und das überlebende Volk von Asgard ins freie All gelangt sind. Als neuer Herrscher Asgards entscheidet Thor, dass sein Volk sich auf der Erde ansiedeln soll. Unterwegs dorthin gibt es eine unerwartete Begegnung mit einem riesigen Raumschiff ...


Kringels Meinung

Eins vorweg, weil gleich etwas Kritik folgt: Ich habe noch keinen Film aus dem Marvel Cinematic Universe (MCU) gesehen, der mir nicht gefallen hätte und als "schlecht" würde ich keinen einzigen bezeichnen, auch nicht "Thor: Tag der Entscheidung". Nur leider kann ich diesmal nicht dasselbe loben wie bisher, nämlich die Eigenständigkeit. Auf diesen Film trifft überhaupt nicht zu, was mir an den anderen so gut gefällt, womit natürlich auch die ersten beiden Thor-Filme gemeint sind: Dass sie einen typischen, unverwechselbaren Charakter haben, nicht nur was die Hauptfigur und deren Superkräfte angeht, sondern auch den Grundton, die Atmosphäre, den visuellen Stil. Odin, Thor, Loki, Asgard - das sind Namen aus der nordischen Sagenwelt, und passend dazu war ich der Meinung, die Thor-Filme seien epischer, opulenter, "opernhafter" als andere Superheldenfilme. Nicht unbedingt ernsthafter, denn Thor mag in den ersten beiden Filmen ein sehr großes Ego unter Beweis stellen - er ist schließlich ein echter Gott - der Humor ist aber nie zu kurz gekommen. Thors Pathos wurde immer wieder ironisch gebrochen, der Humor entstand durch das Zusammenprallen seiner Attitüde mit der normalen Welt, witzig waren die Reaktionen der Menschen auf ihn, sein Unverständnis für die alltäglichen Kleinigkeiten der Menschenwelt hat für Situationskomik gesorgt. Tja, und als ich "Tag der Entscheidung" erstmals im Kino gesehen habe, hatte ich spontan zwei Gedanken: "Bin ich im falschen Film?" und "Das ist nicht Thor!"

Im falschen Film wähnte ich mich aus einem einfachen Grund. "Tag der Entscheidung" wirkt so sehr wie ein Abklatsch von Guardians of the Galaxy, dass ich mich richtig geärgert habe. Ich hatte den Eindruck, man habe auf der Erfolgswelle von "Guardians" reiten wollen (wohlgemerkt: Ich liebe diesen Film!) und einfach alles in den Thor-Film hineingepackt, was beim Publikum der Guardians-Filme super angekommen ist: Kunterbunte Schauplätze, betont skurrile Figuren, ein pausenloses Gagfeuerwerk und Musik aus den Siebzigerjahren. Wurde Thors Alleinstellungsmerkmal zu Grabe getragen, damit "Guardians of the Galaxy Vol. 2½ dabei herauskommen konnte? Als ich das in einer Diskussion behauptet habe, wurde mir sinngemäß entgegnet: Nein, endlich wurde der klischeehafte Ase in eine lustige Figur verwandelt! Tja, das kann ich bestätigen. Ich gehe sogar noch weiter und behaupte, dass aus Thor eine Witzfigur gemacht wurde. Ich finde, dass Klischees nicht automatisch schlecht sein müssen. Muss der Donnergott denn "lustig" sein? Muss er angsterfüllt winseln, als er dem Großmeister vorgeführt wird? Muss er den Friseur (Stan Lee in einem Cameoauftritt) weinerlich anflehen, die Haare doch bitte, bitte in Ruhe zu lassen? Passen ununterbrochene Witzeleien in die Story von der Vernichtung einer Welt und der Entwurzelung eines Volkes?

Damit wir uns richtig verstehen, sei angemerkt, dass ich mir keineswegs wünsche, alles möge beim Alten bleiben, eine Figur möge für immer in einem bestimmten Zustand verharren und so weiter. Figurenentwicklung ist mein Ding, aber sie muss nachvollziehbar sein! So ist Thors Wandlung zu einer Art Big Lebowski in "Avengers: Endgame" möglicherweise etwas over the top, aber nicht unglaubwürdig. Schließlich hat Thor dann buchstäblich alles verloren und es ist verständlich, dass er keine Lust mehr auf das Superheldendasein hat. Aber eine Begründung dafür, dass Thor in "Tag der Entscheidung" zum lächerlichen Possenreißer mutiert, wird nicht gegeben. Ich sehe völlig ein, dass ein dritter Thor-Film nach dem Muster der ersten beiden langweilig hätte werden können und ich finde es gut, wenn neue Wege eingeschlagen werden. Aber wenn man sich so weit von einer etablierten Figur entfernt wie hier, dann muss ich sagen: Sie hätten es lieber bleiben lassen und keinen weiteren Thor-Film produzieren sollen.

Ansonsten habe ich nichts an "Tag der Entscheidung" auszusetzen, denn eigentlich ist es ein prima Film mit tollen Schauwerten. Manche Gags sind ja auch wirklich witzig, etwa wenn Thor in der Arena plötzlich dem Hulk gegenübersteht und sich freut, weil er ihn, wie er sagt, "von der Arbeit" kennt. Einfach die Person Thor gedanklich streichen und durch Star Lord ersetzen, dann passt das schon! Zumal Chris Hemsworth viel Spielfreude an den Tag legt, ebenso wie Cate Blanchett, die die Superschurkin mit solch großem Genuss raushängen lässt und ihr derart viel Charme & Charisma verleiht, dass ich ihr einfach nicht böse sein kann. Tom Hiddleston wie immer eine sichere Bank und Anthony Hopkins ist als Loki in Odins Gestalt einfach köstlich. Nicht zu vergessen Jeff Goldblum! Wenn es in diesem Film eine Besonderheit gibt, die das Ganze sehenswert macht, dann ist es seine Darstellung des selbstverliebten und völlig verrückten Großmeisters.


Extras

In den fünf relativ kurzen Featurettes geht es hauptsächlich um die Hauptfiguren und deren Darsteller, also Hintergrundgeschichten, Charakterisierung und so weiter. Bezüge zu den Comics werden ebenfalls hergestellt. Infos zur Entstehung des Films gibt es praktisch nicht, aber es ist recht viel Hinter-den-Kulissen-Material zu sehen. Die fünf zusätzlichen bzw. erweiterten Szenen sind vollkommen uninteressant, obendrein fehlen die CGI-Effekte. Zwei Szenen des Films wurden im Stil von Videospielen der Siebzigerjahre nachgestellt, komplett mit der passenden Dudelmusik - schräg! Die Featurette "Marvel Studios: Die ersten 10 Jahre" bietet einen netten Rückblick auf die Filme des MCU vor "Avengers: Infinity War".

Highlight des Bonusmaterials ist der Kurzfilm "Team Darryl". Das ist eine Fortsetzung von "Team Thor: Teil 2", welches man beim Bonusmaterial von Doctor Strange findet. Darryl, ein in Australien wohnhafter Normalo, hatte früher einen ziemlich ungewöhnlichen Mitbewohner, nämlich Thor. Jetzt hat er einen neuen: Den Großmeister von Sakaar! Der arme Darryl weiß nicht so recht, was der irre Exdiktaktor eigentlich vorhat. Mag er Darryl oder möchte er ihn mit dem Schmelzstab schmelzen? Der Großmeister plant natürlich die Machtübernahme auf der Erde. Seine Ansprüche verkündet er auf Youtube. Leider scheint sich niemand für das Video zu interessieren ...


J. Kreis, 23.05.2019




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