Unfall im Weltraum


Unfall im Weltraum (GB, 1969)
- Doppelgänger -

Blu-ray, Koch Media
Altersfreigabe: FSK 16
Laufzeit: ca. 101 Minuten (britische Fassung) bzw. 97 Minuten (deutsche Fassung)

Extras:
- Audiokommentar von Autor und Produzent Gerry Anderson
- Deutsche Fassung
- Alternative Szenen aus der britischen Fassung (2:25 Min.)
- Deutscher / britischer Vorspann (2:21 Min. / 2:27 Min.)
- Trailer
- Bildergalerie

Regie:
Robert Parrish

Hauptdarsteller:
Patrick Wymark (Jason Webb)
Roy Thinnes (Glenn Ross)
Ian Hendry (Dr. John Kane)




Story

Im Jahre 2069 entdeckt eine unbemannte Sonde einen Planeten, der die Sonne auf der Umlaufbahn der Erde umkreist, jedoch stets auf der gegenüberliegenden Seite des Zentralgestirns bleibt und deshalb von der Erde aus nicht gesehen werden kann. Von der Sonde geschossene Fotos lassen vermuten, dass der Planet eine Atmosphäre hat. Diese Informationen unterliegen strengster Geheimhaltung. Jason Webb, Direktor der europäischen Weltraumbehörde EUROSEC, beginnt sofort mit der Planung eines ehrgeizigen Projekts. Das mit zwei Raumfahrern bemannte Raumschiff Phoenix soll sich der fremden Welt nähern und gegebenenfalls dort landen. Das Vorhaben droht wegen mangelnder Finanzierung zu scheitern. Doch dann wird bekannt, dass ein Spion die von der Sonde gesammelten Daten gestohlen und an eine ausländische Macht weitergegeben hat. Die USA können nicht zulassen, dass diese Macht den fremden Planeten zuerst erkundet und somit womöglich einen strategischen Vorteil gegenüber dem Westen gewinnt. Unter der Bedingung, dass Colonel Glenn Ross, Amerikas bester Astronaut, an der Expedition teilnimmt, steuert die Nasa eine Milliarde Dollar zum Phoenix-Projekt bei. Zweiter Mann im Raumschiff ist der Astrophysiker Dr. John Kane, ein Vertrauter Webbs.

Nach einer aufreibenden Vorbereitungsphase starten die beiden Astronauten zu ihrer sechswöchigen Reise. Jeweils drei Wochen wurden für Hin- und Rückflug veranschlagt. Ross und Kane verbringen den größten Teil davon im künstlichen Tiefschlaf. Der Flug verläuft störungsfrei, so dass die Phoenix zum berechneten Zeitpunkt in den Orbit des Planeten gehen kann. Die Existenz einer atembaren Atmosphäre wird bestätigt. Ross und Kane entscheiden sich zur Landung mit dem Beiboot der Phoenix. Die Landefähre gerät jedoch in einen schweren Sturm und stürzt ab. Das Beiboot wird vollständig vernichtet, ebenso die gesamte Ausrüstung der beiden Männer. Sie überleben, doch Kane erleidet schwere Verletzungen. Beide werden gerettet und in die EUROSEC-Zentrale gebracht, wo Kane wenig später stirbt. Ross wird unter Druck gesetzt, denn Webb geht davon aus, dass er die Mission abgebrochen hat und zur Erde zurückgekehrt ist. Ross erkennt sehr bald, dass er sein Ziel wirklich erreicht hat. Er befindet sich tatsächlich auf dem neu entdeckten Planeten. Dieser ist eine spiegelbildliche Kopie "seiner" Erde - und dort befindet sich Ross' Doppelgänger jetzt höchstwahrscheinlich in derselben Situation.

Zunächst hält man Ross für verrückt, obwohl er auch nach Verabreichung einer Wahrheitsdroge bei seinen Behauptungen bleibt. Allerdings wird bei Kanes Autopsie festgestellt, dass sich all seine Organe auf der "falschen" Seite befinden. Das Scheitern des Projekts wäre ein schwerer Schlag für EUROSEC und NASA. Zum Beweis des Erfolgs soll Ross den Flugrecorder der Phoenix bergen und dann zu "seiner" Erde zurückkehren. Eine Landefähre wird so modifiziert, dass Ross die Steuerung bedienen kann. Zunächst läuft alles gut, doch das Andockmanöver misslingt aufgrund eines technischen Fehlers. Die Phoenix verlässt den Orbit und verglüht in der Atmosphäre. Die Landefähre gerät beim Landeanflug außer Kontrolle und stürzt direkt in eine startbereite Großrakete auf dem Weltraumbahnhof. Die gesamte Anlage wird vernichtet. Nur Webb überlebt. Somit wird auf lange Sicht keine weitere Expedition zu der anderen Welt mehr möglich sein, außerdem gibt es außer Webb niemanden, der die Wahrheit kennt. Niemand glaubt Webbs Geschichte. Er landet in einem Sanatorium. Als er viele Jahre nach der Katastrophe sein Spiegelbild sieht, fährt er mit seinem Rollstuhl auf den Spiegel zu und stürzt sich hinein.


Kringels Meinung

Parallelwelten, Doppelgänger und dergleichen - das ist ein in der Science Fiction durchaus beliebtes Thema. Leider konnte man sich offensichtlich nicht entscheiden, welche Geschichte man rund um die Idee einer "gespiegelten" Erde herum stricken sollte, und so dauert es eine geschlagene Stunde, bis es zum titelgebenden Unfall kommt. Fast eine Dreiviertelstunde vergeht, bevor die Phoenix überhaupt abhebt! Davor wird lang und breit auf Webbs Finanzsorgen, der Spionagestory, den Problemen der Eheleute Ross und dem Training der Astronauten herumgeritten. Das alles ist mehr oder weniger irrelevant, zumindest haben die einzelnen Handlungselemente keinen vernünftigen Zusammenhang und hätten nicht derart breit ausgewalzt werden müssen. So geht es auch nach dem Absturz auf Erde II weiter. Hier kommt eine Liebesgeschichte hinzu (Ross und eine Angestellte von EUROSEC kommen sich näher), die sehr aufgepfropft wirkt und nichts zur Story beiträgt. Den Plottwist kann man sich sehr schnell zusammenreimen und das Ende wirkt überhastet. Übrigens: Wenn auf Erde und Erde II nicht nur alles absolut identisch aussieht, sondern auch hundertprozentig gleich abläuft - hätten die Phoenix und die Phoenix II dann nicht auf halbem Weg zusammenstoßen müssen? Na gut, vielleicht hatten beide Raumschiffe ein automatisches Steuersystem, welches die Kollision verhindert hat. Die Astronauten haben ja geschlafen und hätten nichts davon bemerkt.

Jedenfalls ist "Unfall im Weltraum" nicht spannend, wirkt aufgrund der überflüssigen Handlungselemente ziemlich zerfahren und aus der Thematik wird ebenso wenig herausgeholt wie im Falle des jüngsten mir bekannten Beispiels für solche Filme (Another Earth). Dass "Unfall im Weltraum" trotzdem sehenswert ist, und zwar selbst nach fast fünfzig Jahren, liegt an der Tricktechnik. Tatsächlich habe ich den Eindruck, dass der Film nur entstanden ist, damit jemand seine Liebe zum Detail so richtig ausleben konnte. Warum sonst sollte zehn Minuten lang gezeigt werden, wie der von Herbert Lom gespielte Spion die verschiedensten Sicherheitskontrollen in der EUROSEC-Zentrale über sich ergehen lässt, zu Hause ein Kunstauge mit integrierter Kamera aus dem Kopf pult, das Ding sorgfältig an einem aufwändig gestalteten Kontrollpult reinigt und so weiter? Es wurde viel Wert auf die Erschaffung einer plausiblen Zukunftswelt gelegt. Hier werden nicht einfach nur irgendwelche Plastikraumschiffe vor billigen Matte-Paintings gezeigt. Stattdessen sieht man wohldurchdachte Technik in langen Einstellungen; alle Modelle haben viele bewegliche Einzelteile und sehen so aus, als könnten sie wirklich funktionieren. Die Handschrift des Produzenten Gerry Anderson ("Thunderbirds", Mondbasis Alpha 1) ist klar erkennbar.


J. Kreis, 16.10.2017




Gastkommentare


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Hans (22.10.2017):

Ich bin Fan von fast allem was die Andersons im Lauf der Jahrzehnte so alles produziert haben. Nicht nur für Kostüme und Design war Gerrys Andersons Ehefrau Sylvia Anderson verantwortlich sondern auch für das zentrale Element der Charakterentwicklung. Die beiden waren das was man in einem anderen Universum ein synergistisches Paar nennen würde, grins. Nach ihrer Scheidung 1981 machte er alleine weiter und produzierte noch einige SciFi-TV-Serien. Sylvia war 1976 an der legendären TV-Serie "Die Mädchen aus dem Weltraum" beteiligt gewesen.

Die beiden wollten von Beginn ihrer TV-Karriere an mit echten Schauspielern arbeiten aber der Erfolg ihrer Animations-Serien legte sie leider von seiten der geldgebenden Firmen zu früh fest.

"Doppelgaenger" war der erste Kinofilm und das erste Projekt mit echten Schauspielern und ich vermute, daß in die Realisierung zuviel Perfektionismus eingeflossen, zuviele aufgestaute Ideen verwirklicht werden sollten und darunter hat das Ergebnis leider gelitten. Der Film ist auch m.E. trotzdem sehenswert; nicht nur wegen der für die damalige Zeit exzellenten Trickeffekte. Man findet darin einiges was in die TV-Serie U.F.O. kurz danach übernommen worden ist. Könnte eine Art Vorgeschichte dazu sein wenn es auch vom Plot nicht passt da es in U.F.O. keine zweite Erde gab. Diese Serie fand leider ein frühes Ende, bevor überhaupt eine einzige Folge gesendet wurde entschieden die Geldgeber gegen eine zweite Staffel. Stattdessen kam dann zwei Jahre später "Mondbasis Alpha". Meiner Lieblingsanimationsserie "Captain Scarlet and the Mysterons" die ich jedem empfehle der bisher nur "Thunderbirds" kennt erging es ähnlich. In "Captain Scarlet" sind die Marionation-Puppen wesentlich realistischer (die Proportionen der Körper stimmen) und die Thematik ist wesentlich düsterer. Man sieht z.B. recht häufig blutverschmierte Leichen und es geht ordentlich zur Sache um diverse Gefahren abzuwehren. Da alle Marionation-Serien im Kinderprogramm liefen war das den TV-Bossen zu heftig und es wurde leider nach der ersten Staffel abgesetzt - anstatt es zu einer anderen Sendezeit zu bringen. Was ein Jammer!

Was hätten diese genialen Zwei erst mit der heutigen Filmtrick-Technologie zustande gebracht...? Heutzutage stehen diese Instrumente zur Verfügung aber es mangelt leider viel zu oft an wirklich neuen Ideen und vor allem an Kreativität.



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