
Das Jahr 1900 ist erst wenige Tage alt, als sich einige Freunde des jungen Wissenschaftlers George (gemeint ist möglicherweise H.G. Wells) in dessen Haus zum Abendessen treffen. Der Gastgeber verspätet sich allerdings. Als er dann endlich - arg verdreckt, derangiert und offensichtlich zutiefst verwirrt - doch noch auftaucht, tischt er ihnen etwas ganz anderes auf als ein leckeres Essen, denn er hat eine ziemlich unverdauliche Geschichte zu erzählen.
Diese Geschichte beginnt einige Tage früher, am Silvesterabend im Jahre 1899, im selben Zimmer, mit denselben Personen. George und seine vier Freunde lassen das geschichtsträchtige Jahr gemütlich ausklingen. George bringt einen Mißton in das Beisammensein, als er seine neueste Erfindung vorführt: Ein komisches kleines Gestell mit einem Sitz und einer rotierenden Scheibe, das von George mit einer Zigarre "bemannt" wird und wie von Zauberhand verschwindet, als George es aktiviert. Die Männer glauben an einen billigen Taschenspielertrick, doch der sichtlich zufriedene George behauptet steif und fest, daß er eine Zeitmaschine konstruiert habe und daß die Zigarre jetzt ein Zeitreisender sei, der immer weiter in die Zukunft "fährt". Teils erbost, teils erheitert verabschieden sich die Freunde. Erbittert über ihren Unglauben betritt George sein Labor - und dort steht eine viel größere Ausgabe der kleinen Zeitmaschine, ein Gerät, das einen Menschen anstelle einer Zigarre aufnehmen kann. Kurz entschlossen nimmt George in der Maschine Platz und drückt den Steuerhebel nach vorn. Prompt beginnt der Lauf der Sonne sich zu beschleunigen, Wolken rasen über den Himmel und im Bekleidungsgeschäft gegenüber wechselt die Schaufensterpuppe ihre Kleidung schneller als ein Model bei einer Modenschau. Die Zeitmaschine funktioniert tatsächlich! George kann mit dem Steuerhebel selbst bestimmen, wie schnell die Reise in die Zukunft vonstatten gehen soll, ebensogut könnte er auch in die Vergangenheit reisen. George legt öfters eine Pause ein, doch was er in der Zukunft sieht, gefällt ihm nicht: Jedesmal, wenn er aus dem (inzwischen verlassenen) Haus tritt, scheint Krieg zu herrschen! Der letzte dieser Kriege bringt so entsetzliche Zerstörungen über die Welt, daß George die Zeitmaschine so stark "beschleunigt", wie es nur geht.
Der Zeitreisende beobachtet, wie Jahrzehntausende innerhalb weniger Augenblicke vergehen. Als er am Horizont gewaltige Bauten von erstaunlicher Schönheit entstehen sieht, hofft er, daß die Menschheit das furchtbare Zeitalter der Kriege hinter sich gelassen hat. Er stoppt die Maschine, aber er schießt sozusagen über das Ziel hinaus. Als er wieder im "Jetzt" materialisiert, ist rings um ihn her nichts als dichter Dschungel, die schönen weißen Gebäude haben sich in Ruinen verwandelt. Der Zähler der Zeitmaschine zeigt das Jahr 802701 an. Doch auch in dieser fernen Zukunft leben Menschen auf der Erde, scheinbar sorgenfrei spielen sie unter den bunten Blumen des Dschungels. Wenn ein bestimmtes Signal ertönt, ziehen sie sich in die immer noch schön anzuschauenden gigantischen Ruinen zurück, wo üppige Mahlzeiten und bequeme Sitzpolster schon auf sie warten. Doch etwas stimmt nicht in diesem Paradies. Als eine junge Frau in einen Fluß fällt, macht niemand auch nur den geringsten Versuch, ihr zu helfen - George rettet die Schöne vor dem Ertrinken, doch das Mädchen scheint den Vorfall im nächsten Moment schon wieder vergessen zu haben. Keiner der jungen Leute (Alte sind übrigens nirgends zu sehen), denen er in eine zerborstene Kuppel folgt, reagiert auf seine Fragen. Alle menschlichen Eigenschaften wie Neugier oder Mitgefühl scheinen den Leuten abhanden gekommen zu sein. Nur Weena - so der Name der jungen Frau, die von George gerettet wurde - gesellt sich zu ihm, sie erweist sich als recht anhänglich. Aber erwidert sie auch seine zärtlichen Gefühle? Empfinden die Menschen der Zukunft überhaupt noch irgend etwas?
Als George zu seiner Maschine zurückkehrt, ist diese hinter den Metalltoren eines riesigen, unheimlichen Standbilds verschwunden, wohin sie von Unbekannten gezerrt worden sein muß. Die Unbekannten überfallen George und Weena in der Nacht, doch mit der Helligkeit des Feuers kann George sie vertreiben. Es gibt noch Archive, die mit Büchern vollgestopft sind, aber da sich seit Ewigkeiten niemand mehr um sie gekümmert hat, zerfallen sie bei der leisesten Berührung zu Staub. Erst als George ein noch funktionierendes Tonaufzeichnungssystem in der Form "sprechender Ringe" entdeckt, wird ihm einiges klar. Die Stimme aus der Vergangenheit berichtet, daß die einst hochstehende Zivilisation der Menschen allmählich in Degeneration versunken ist. Ein Teil der Menschheit, die Morlocks, hat sich in den Untergrund zurückgezogen, der Rest - Eloi genannt - lebt noch an der Oberfläche. Die Morlocks halten die Eloi wie Vieh, füttern sie und halten sie in einem Zustand tumber Teilnahmslosigkeit. In regelmäßigen Abständen treiben sie einige der Eloi in den Untergrund.
George verzweifelt fast an den sorglosen Eloi, die nur in den Tag hinein leben und gar nicht daran denken, ihm irgendwie zu helfen. So macht er sich allein auf den Weg in die Unterwelt der Morlocks, wo er den letzten Beweis für seinen Verdacht findet: Abgenagte menschliche Knochen. Die Morlocks, mutierte, lichtscheue Wesen, sind Menschenfresser. Kaum ist George wieder an die Erdoberfläche zurückgekehrt, da starten die Morlocks wieder einen ihrer "Fleischzüge", und diesmal ist auch Weena unter den Opfern. George folgt ihr und stürzt sich mutig auf die bestialischen Morlocks, doch er droht ihrer Übermacht zu unterliegen. Da allerdings regt sich doch der Funke des Widerstands in einigen jungen Eloi und sie greifen in den Kampf ein. Während die Maschinen, mit denen die Morlock-Höhlen vollgestopft sind, allmählich durchgehen und das ganze unterirdische Reich vernichten, flüchten George, Weena und die Eloi dorthin, wo die Zeitmaschine steht. George kehrt ins Jahr 1900 zurück - wo er mit seiner Geschichte mitten ins Abendessen hineinplatzt.
Natürlich glaubt keiner dem Zeitreisenden auch nur ein Wort dieser Geschichte, obwohl er einen Beweis dabei hat: Eine Blume, die es auf der Erde überhaupt nicht gibt - noch nicht. Als die Freunde bis auf einen gegangen sind, hört dieser Lärm aus der Richtung des Labors: George ist wieder einmal aufgebrochen. Man kann nur vermuten zu welchem Ziel - oder in welche Zeit...
Man möge mich korrigieren, wenn ich falsch liege, aber dies ist der erste Zeitreise-Film, den es je gegeben hat. Jedenfalls der erste, in dem per Zeitmaschine gereist wird und nicht nach einem Schlag auf den Kopf usw.! Für das Science-Fiction-Genre ist er schon deshalb ein absoluter Klassiker. Ich habe ihn als kleiner Junge erstmals gesehen und war tief von ihm beeindruckt. Eine Reise in eine so weit entfernte Zukunft, daß es das menschliche Begriffsvermögen sprengt, das war schon etwas besonderes. Gar nicht so einfach für ein Kind, die paradoxen Auswirkungen einer Zeitreise zu begreifen - es kann sein, daß ich durch diesen Film erstmals mit dieser Thematik zu tun hatte. Aber am meisten haben mich diese widerlichen Morlocks mit ihren komischen Mäulern und ihren weißen Haaren fasziniert. Auch heute sehe ich mir den Film immer wieder gern an, wenn ich über die Uralt-Special-Effects und die allzu deutlich als solche erkennbaren Kulissen und Matte-Paintings nur noch lächeln kann. Das Design der Zeitmaschine allerdings halte ich heute noch für perfekt. Sie entspricht genau der Vorstellung, die man Ende des 19. Jahrhunderts von Produkten einer zukünftigen Wissenschaft hatte und sie wirkt nicht allzu übertrieben - schließlich muß George sie ja ganz allein gebaut haben können. Es wird auch gar nicht erst der Versuch einer pseudowissenschaftlichen Erklärung ihrer Funktionsweise gemacht, und trotzdem "begreift" jedes Kind, wie sie funktioniert. Getreu dem Filmtitel ist die Zeitmaschine für mich die eigentliche Hauptdarstellerin des Films. Rod Taylor wirkt in der Rolle des Wissenschaftlers für meinen Geschmack ein bißchen zu robust und zu draufgängerisch (aber immer sympathisch). Yvette Mimieux gibt als unschuldige Schönheit, die permanent gerettet werden muß, immerhin ein nettes Bild ab. Genaugenommen finde ich sie einfach entzückend.
Inzwischen kenne ich auch den zur Zeit der Jahrhundertwende erschienenen Roman von H.G. Wells, auf dem der Film basiert. Interessanterweise waren es darin eigentlich die Eloi, die als herrschende Rasse die Morlocks unterdrückt und ausgebeutet haben, bis diese wegen ihrer Fähigkeit, die Maschinen zu bedienen, die Oberhand gewinnen konnten. Das Ganze war nichts anderes als eine Allegorie für den verweichlichten Adel und die Arbeiterklasse. Ich würde dennoch sagen, daß der "Geist" des Buchs gut in den Film hinübergerettet wurde. Auch im Film herrscht diese besondere Wundergläubigkeit der Menschen des viktorianischen Zeitalters in Bezug auf die moderne Technik vor.
Die Original-Dokumentation ist ungefähr eine Dreiviertelstunde lang und wirklich sehenswert. Dieser Beitrag wird von einem deutlich gealterten und rundlicher gewordenen Rod Taylor moderiert und ist in mehrere Kapitel unterteilt, die einzeln angewählt werden können. Da wird nicht nur ausführlich auf das Design der Zeitmaschine eingegangen, es wird auch dem weiteren "Lebensweg" dieses Requisits in der Zeit nach dem Film nachgespürt. Heute steht die restaurierte Maschine in einem Filmmuseum, aber der Weg dorthin war lang und steinig - einmal hat auch George Pal selbst darauf Platz genommen. Interessant ist auch ein Abschnitt, der sich der Visualisierung der Zeitreise-Effekte widmet. Wenn man den Film so sieht, macht man sich gar nicht so viele Gedanken darüber, wie man es damals z.B. geschafft hat, die Kerze so schnell abbrennen zu lassen usw. - hinter diesen kleinen Effekten steckt eine Menge Arbeit. Ein weiteres Kapitel ist eine Art Hommage an George Pal, den Regisseur des Films.
Am kuriosesten ist eine in die Dokumentation eingebettete zusätzliche Filmszene (eine Art alternatives Ende) die viele Jahre nach dem Film speziell für die Dokumentation gedreht wurde. Darin treten Rod Taylor und Alan Young, also zwei der Schauspieler aus dem Film, auf und spielen noch einmal ihre alten Rollen. Der Zeitreisende kehrt aus der Zukunft zurück und will versuchen, seinen Freund Filby zu retten. Durch seine Zwischenstopps in den Zeiten der Weltkriege weiß der Zeitreisende ja, daß Filby in einem dieser Kriege getötet worden ist - bzw. getötet werden wird. Er will jetzt verhindern, daß Filby überhaupt am Krieg teilnimmt. Das gelingt ihm zwar nicht, d.h. es kommt nicht zu einem Zeitparadoxon, aber der Zeitreisende ist entschlossen, es bei einer anderen Gelegenheit wieder zu versuchen - durch die Maschine steht ihm ja alle Zeit der Welt zur Verfügung...