Tanz der Teufel


Tanz der Teufel (USA, 1981)
- The Evil Dead -

Blu-ray, Sony Pictures Home Entertainment
Altersfreigabe: FSK 16
Laufzeit: ca. 85 Minuten

Extras:
- Audiokommentar
- Featurettes:
- - Ellen and Drama Teacher (3:59 Min.)
- - Make-up Test (1:07 Min.)
- - Unconventional: The Ultimate Discussion of Grueling Horror (19:09 Min.)
- - On Stage Interview (7:18 Min.)
- - The Ladies of The Evil Dead meet Bruce Campbell (28:54 Min.)
- - Reunion Panel (31:18 Min.)
- - At the Drive-In (12:03 Min.)
- - Discovering Evil Dead (13:05 Min.)
- - Book of the Dead: The other Pages (1:56 Min.)
- Dokumentationen:
- - One by one we will take you: The untold Saga of The Evil Dead (53:45 Min.)
- - Treasures from the Cutting Room Floor (59:22)
- Trailer/TV-Spots
- Bildergalerie
- Biografien (Text)

Regie:
Sam Raimi

Hauptdarsteller:
Bruce Campbell (Ashley)
Ellen Sandweiss (Cheryl)
Betsy Baker (Linda)
Theresa Tilly (Shelly)
Richard DeManincor (Scott)




Inhalt

Fünf junge Leute machen einen Wochenendurlaub in einer Waldhütte in den Bergen von Tennessee. Im Keller finden sie ein in Menschenhaut gebundenes Buch und ein Tonbandgerät. Während des abendlichen Beisammenseins spielen sie das Band ab. Der Sprecher erklärt, er habe das Buch in den Ruinen von Kanda gefunden und es enthalte Informationen über uralte sumerische Begräbnisriten sowie Beschwörungsformeln. Auf dem Band ist auch eine Rezitation dieser Formeln gespeichert. Während die Tonbandstimme spricht, erwachen im Wald übernatürliche Mächte. Sie nähern sich der Hütte und erfüllen die Bäume mit dämonischem Leben. In der Nacht hört Cheryl ein Geräusch. Sie will nachsehen, verlässt die Hütte und wird von den Bäumen vergewaltigt. Sie flieht zurück zur Hütte und verlangt in die Stadt gebracht zu werden. Das erweist sich als unmöglich, denn die einzige aus dem Wald herausführende Straße endet vor einer zerstörten Brücke.

Ash hört das Band weiter ab und erfährt, dass die Frau des Sprechers von Dämonen besessen war. Es gibt nur eine Möglichkeit, einen Besessenen unschädlich zu machen: Man muss seinen Körper zerstückeln. Die Dämonen ergreifen Besitz von Cheryl. Die junge Frau verwandelt sich in ein grässliches Ungeheuer und attackiert die anderen. Linda, Ashs Freundin, wird am Knöchel verletzt, bevor es Scott gelingt, das übermenschlich starke Monstrum im Keller einzusperren. Wenig später wird Shelly von den Dämonen übernommen und ebenfalls in eine mörderische Bestie verwandelt, die selbst durch schwerste Verletzungen nicht aufgehalten werden kann. Mit einer Axt trennt Scott dem tobenden Wesen Arme und Beine ab. Die jetzt nicht mehr gefährlichen Überreste werden im Wald verscharrt.

Scott hat genug. Er will versuchen, zu Fuß aus dem Wald zu entkommen. Es ist ihm egal, dass Linda aufgrund ihrer Verletzung zurückgelassen werden muss. Ash bleibt bei Linda, muss aber feststellen, dass auch sie sich schon verwandelt hat. Kurz danach kommt Scott blutüberströmt zurück. Er wurde von den Bäumen angegriffen und tödlich verwundet. Ash sticht Linda nieder, bringt es aber nicht über sich, ihr dasselbe Schicksal angedeihen zu lassen wie Shelly. Er versucht sie zu vergraben, wird prompt von ihr attackiert und muss ihr den Kopf mit einem Spaten abtrennen. Inzwischen hat sich Cheryl aus dem Keller befreit. Gemeinsam mit dem zu neuem dämonischem Leben erwachten Scott fällt sie über Ash her. Mit letzter Kraft gelingt es Ash, das Buch ins Kaminfeuer zu werfen. Das vertragen die Dämonen nicht. Sie lösen sich in Schleim auf. Im Morgengrauen verlässt Ash die Hütte. Doch die Dämonen sind noch nicht besiegt ...


Kringels Meinung

... im Finale sieht man, dass Ash offenbar von den dämonischen Mächten attackiert wird. Das letzte Bild ist Ashs zum Schrei aufgerissener Mund. Das lässt darauf schließen, dass Ash nun auch besessen ist, und so ist es in der Fortsetzung "Tanz der Teufel II" tatsächlich. Ashs Besessenheit ist zum Glück nicht von Dauer. Er bekämpft die Dämonen relativ erfolgreich, findet aber keine Ruhe vor ihnen und macht am Ende eine unfreiwillige Zeitreise ins Mittelalter, wo er es in Teil 3 mit einer ganzen Armee der Finsternis zu tun bekommt. Im Jahre 2013 ist ein Remake des ersten Teils (ohne inhaltliche Zusammenhänge mit der Trilogie) in die Kinos gekommen. Eine Fortsetzung der Trilogie existiert in Form der Fernsehserie "Ash vs. Evil Dead", die ich mir irgendwann auch noch zu Gemüte führen muss.

Während Suspense, Gewalt und Splatter in "Tanz der Teufel II" durch Humor und Slapstick aufgelockert werden und in "Armee der Finsternis" im Grunde überhaupt nicht mehr vorhanden sind, handelt es sich beim ersten Teil der Reihe um einen "ernsthaften" Horrorfilm. Auch ist Ash noch längst nicht die spätere Kultfigur mit der am Armstumpf montierten Kettensäge. Das fand ich beim erneuten Anschauen überraschend; anscheinend haben sich die ersten beiden Filme in meiner Erinnerung irgendwie miteinander vermischt. Das ist natürlich schon deshalb kein Wunder, weil die Filme einander ansonsten sehr ähneln. Es ist außerdem Jahrzehnte her, seit ich "Tanz der Teufel" - oder vielmehr "The Evil Dead" - in der englischsprachigen Originalfassung gesehen habe. Das war eine VHS-Videocassette, eine der allerletzten Cassetten in meiner Sammlung. Die habe ich jetzt endlich mal entsorgt und durch die Blu-ray ersetzt, denn die VHS-Bildqualität ist furchterregender als der Film selbst ...

Apropos: Es ist heute kaum noch nachvollziehbar, dass wir "Tanz der Teufel" damals für einen ultraharten, nervenzerfetzenden Schocker gehalten haben, vielleicht für den heftigsten Splatterfilm überhaupt, den man sich nicht allein und schon gar nicht nachts anschauen wollte. Nicht umsonst war die ungeschnittene Fassung in Deutschland nicht nur indiziert, sondern jahrzehntelang sogar beschlagnahmt. Zu meiner Zeit waren VHS-Raubkopien im Umlauf, weil man ansonsten gar nicht an den Film herangekommen wäre. Dieser Umstand wird sicherlich zumindest teilweise dazu beigetragen haben, dass "Tanz der Teufel" Kultstatus erlangt hat. Heute ist der Film frei ab 16, in der ungeschnittenen Version wohlgemerkt. Es ist immer noch genau derselbe Film, er wird nur anders beurteilt. Was sagt das über unsere Werte und Moralvorstellungen aus? Ein Thema für herrliche Diskussionen, aber das würde hier zu weit führen.

Jedenfalls entlocken mir die doch sehr amateurhaft wirkenden Spezialeffekte höchstens ein müdes Lächeln. Es fällt schwer, sich vor wabbeligen Gummigliedmaßen, aufgemalten Entstellungen und dergleichen zu fürchten. Zugegeben: Die durch Kamerafahrten in Egoperspektive (das war damals stilbildend), seltsame Geräusche, dämonisches Gemurmel aus dem Off und andere Stilmittel erzeugte Atmosphäre des Unheimlichen funktioniert durchaus noch - und Cheryls "Wald-Vergewaltigung" hat kaum etwas von ihrer Wirkung eingebüßt. Bei alldem muss man natürlich berücksichtigen, dass "Tanz der Teufel" von Twens ohne jegliche Erfahrung und ohne nennenswertes Budget gedreht worden ist.


Extras

Bild- und Tonqualität der Blu-ray sind okay, Wunder sollte man vom Remaster aber nicht erwarten. Das Bonusmaterial stammt aus verschiedenen Jahren. Am ältesten dürfte die einstündige Montage "Treasures from the Cutting Room Floor" sein. Sie besteht aus unbearbeitetem Original-Filmmaterial, das heißt, man bekommt einige bekannte Szenen in verlängerter Form zu sehen, nämlich vom Einsatz der Filmklappe bis zu dem Moment, in dem jemand "Cut" ruft. Es sind auch ein paar Szenen dabei, die es nicht in den fertigen Film geschafft haben. Die Montage ist ganz interessant, weil man sieht, wie im letzten Moment noch Hand an die Masken gelegt wird, Regieanweisungen gegeben werden und wie auch mal was schiefgeht. Nur in diesen zeitgenössischen Aufnahmen ist Sam Raimi zu sehen. An den aktuelleren Featurettes hat er nicht mitgewirkt.

Die ebenfalls knapp eine Stunde laufende Doku "One by one we will take you: The untold Saga of The Evil Dead" stammt aus dem Jahre 2006. Cast & Crew erzählen, wie sie einander kennengelernt haben, berichten von den ersten gemeinsamen Gehversuchen und so weiter. Im Zentrum steht natürlich die unter chronischem Geldmangel und der Unerfahrenheit aller Beteiligten leidende Produktion von "The Evil Dead". Dazu gibt es einiges zu berichten, denn alle Beteiligten sind an ihre Grenzen gegangen und haben das Projekt mit purem Enthusiasmus am Leben gehalten. Es geht damit los, dass die Hütte, in der gedreht wurde, voller Kuhmist war, der erst einmal entfernt werden musste. Dann war es wohl während der Dreharbeiten immer erbärmlich kalt und eine Heizung war ebenso wenig vorhanden wie Catering. Es gab nicht einmal Toiletten. Sorglos wurde mit gesundheitsschädlichen Substanzen umgegangen (damit ist nicht nur der Selbstgebrannte gemeint, mit dem die Einheimischen das Filmteam versorgt haben) und immer wieder ist es zu teils schmerzhaften Unfällen gekommen. Dazu wird erstaunlich viel hinter-den-Kulissen-Material gezeigt. Dann geht es noch um den Siegeszug des Films infolge der Heimkinoauswertung, die von ihm ausgelöste Kontroverse und den Einfluss, den er auf andere Filmemacher hatte.

Die übrigen (kürzeren) Featurettes sind anscheinend vorwiegend bei Conventions entstanden, zum Beispiel beim Flashback Weekend 2005. Bruce Campbell, Ellen Sandweiss, Betsy Baker, Theresa Tilly (aka Sarah York), der sehr zurückhaltende Richard DeManincor und Ted Raimi (Sam Raimis jüngerer Bruder, der als Vierzehnjähriger bei den Dreharbeiten ausgeholfen hat) unterhalten sich über die alten Zeiten und die Dreharbeiten - siehe oben - sowie über ihre Erfahrungen mit Fans. Impressionen vom Con werden ebenfalls geboten. Eine DVD-Neuauflage wird an die Fans verteilt, allerdings müssen sie erst einmal ihr Wissen über "The Evil Dead" unter Beweis stellen. Bei einem Interview der Gruppe, das im Jahre 2001 vermutlich bei einer Aufführung von "The Evil Dead" entstanden ist, ist zusätzlich Produzent Rob Tapert dabei. Makeup-Künstler Tom Sullivan kommt auch zu Wort. In allen Dokus wird immer wieder der "Latex-Point" erwähnt. So wurde jener Moment genannt, an dem ein Schauspieler genug davon hatte, mit tonnenweise Kunststoff im Gesicht unter unerträglichen Bedingungen arbeiten zu müssen. Offenbar ist keiner verschont geblieben ...

In einer gesonderten Featurette gehen Stephen Woolley, Nick Powell (Gründer von "Palace Productions") und andere auf die Vermarktung von "The Evil Dead" in Großbritannien ein. Es ist mehr ein Exkurs in die gute alte VHS-Zeit, in der die Moralwächter weit strengere Maßstäbe angelegt haben als heute.


J. Kreis, 10.03.2019




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