Nosferatu the Vampyre


Nosferatu the Vampyre (D, 1979)
- Nosferatu: Phantom der Nacht -

DVD - Regionalcode 2, Anchor Bay Entertainment
Altersfreigabe: Keine FSK-Prüfung
Laufzeit: ca. 102 Min. (deutsche Fassung) / 107 Min. (englische Fassung)

Extras
- Audiokommentar mit Werner Herzog (nur deutsche Fassung)
- Behind-the-Scenes-Featurette (13:02 Min.)
- Trailer

Regie:
Werner Herzog

Hauptdarsteller:
Klaus Kinski (Graf Dracula)
Bruno Ganz (Jonathan Harker)
Isabelle Adjani (Lucy Harker)
Walter Ladengast (Dr. Abraham van Helsing)
Roland Topor (Renfield)




Story

Jonathan Harker lebt mit seiner über alles geliebten Frau Lucy in Wismar. Er arbeitet beim Immobilienmakler Renfield. Eines Tages erhält er den Auftrag, nach Transsilvanien zu reisen. Der dort ansässige Graf Dracula wünscht ein Haus in Wismar zu kaufen. Harker soll sofort aufbrechen. Ihm winkt eine ansehnliche Provision, die er gut gebrauchen könnte, um seiner Frau eine schönere Wohnung bieten zu können. Nach vierwöchiger Reise erreicht Harker ein Dorf in den Karpaten und übernachtet in einem Gasthaus am Fuße des Borgopasses. Dort gibt er sein lahmendes Pferd in Pflege. Die Einheimischen sind entsetzt, als Harker das Ziel seiner Reise erwähnt. Kein Kutscher ist bereit, ihn dorthin zu bringen. Der Wirt bringt Harker mit Zigeunern zusammen, die mehr wissen. Sie bezeichnen die Gegend jenseits des Passes als Land der Phantome, aus dem noch niemand zurückgekehrt sei. Die Zigeuner glauben, das Schloss des Grafen existiere nur in der Phantasie der Menschen und sei in Wahrheit eine Ruine. Die Wirtin nötigt Harker ein Buch auf, in dem von untoten Vampiren die Rede ist, verfluchten Kreaturen, die ihren Opfern das Blut aussaugen. Harker hält das alles für Aberglauben und setzt seine Reise durch das wilde Land zu Fuß fort, da niemand ihm ein Pferd verkaufen will. Harker erreicht das Schloss nach Einbruch der Dunkelheit. Der Graf, eine abstoßende Gestalt mit merkwürdigen Verhaltensweisen, bewirtet Harker persönlich. Die Dienerschaft, so behauptet Dracula, steht zurzeit nicht zur Verfügung. Als sich Harker beim Essen versehentlich in den Finger schneidet, saugt der Graf die Wunde aus - um einer Infektion vorzubeugen, wie er sagt, doch Harker fühlt sich von dem unheimlichen Mann bedroht.



Nosferatu

(Lucy und Jonathan Harker)


Als Gast des Grafen führt Harker in der folgenden Zeit Tagebuch für Mina, weil es in Transsilvanien keine Post gibt. Tagsüber ist Dracula angeblich immer unterwegs. Harker ist allein in dem labyrinthischen Schloss, das ihm zunehmend unwirklich vorkommt. Er hat schwere Träume und verspürt eine seltsame Mattigkeit. Dracula sieht Lucys Porträt, welches Harker stets in einem Amulett bei sich trägt. Er ist fasziniert von der Schönheit der jungen Frau und unterschreibt den Kaufvertrag sofort. Dann lässt er die Maske fallen und greift Harker an. Die Gerüchte sind wahr: Dracula ist ein Vampir. Er trinkt Harkers Blut. Lucy ahnt, dass ihrem Mann Schlimmes widerfahren ist. Sie schlafwandelt, hat Visionen und erkrankt an einem Fieber. Man zieht Dr. van Helsing hinzu. Wie von ihm vorhergesagt bessert sich Lucys Zustand schon bald. Währenddessen beobachtet Harker, wie Dracula Särge voller Erde und Ratten verlädt. Im Buch der Wirtin hat er gelesen, dass der Vampir in verseuchter Erde ruhen muss, die von Friedhöfen stammt, auf denen Pestopfer vergraben wurden. Ihm wird klar, dass sich Dracula auf den Weg nach Wismar gemacht hat und dass Lucy in Gefahr ist. Da alle Türen verschlossen sind, bindet Harker zerrissene Bettlaken zusammen und seilt sich ab, wobei er stürzt und sich verletzt. Dennoch gelingt es ihm, ins Dorf zurückzukehren, wo er von Nonnen gepflegt wird. Obwohl er noch längst nicht wieder gesund ist, bricht er so bald wie möglich auf.



Nosferatu

(Harker fällt Dracula zum Opfer)


Per Schiff erreicht Dracula sein Ziel lange vor Harker. Unterwegs hat er alle Besatzungsmitglieder getötet. Mit dem Vampir gehen abertausende Ratten an Land und mit ihnen verbreitet sich die Pest in der Stadt. Als Harker endlich zu Hause eintrifft, ist er nicht mehr er selbst. Er erkennt Lucy nicht und ist apathisch. Dr. van Helsing diagnostiziert ein schweres Hirnfieber. Lucy liest das Tagebuch ihres Mannes und das Buch der Wirtin. Als Dracula ihr eines Nachts einen Besuch abstattet, erkennt sie die Wahrheit. Der Untote ist der Unsterblichkeit überdrüssig und giert nach der Liebe, die Lucy für ihren Mann empfindet. Lucy weist ihn ab. Durch das Kreuz, das sie an einer Kette trägt, wird Dracula gebannt. Er zieht sich zurück. Renfield, der schon lange im Bann des Vampirs steht und inzwischen den Verstand verloren hat, bricht aus dem Gefängnis aus, in das er gesteckt wurde, weil er versucht hat, das Blut einer Kuh zu trinken. Er eilt zu seinem Meister und wird von diesem nach Norden geschickt. Das Heer der Ratten soll ihm folgen und die Pest in andere Länder tragen. Vergeblich bittet Lucy Dr. van Helsing um Hilfe. Van Helsing hält das 19. Jahrhundert für ein aufgeklärtes Zeitalter, in dem alles wissenschaftlich untersucht werden muss. Er schreitet selbst dann nicht ein, als eine Freundin Lucys von Dracula getötet wird und als infolge der Pest jegliche Ordnung in der Stadt zusammenbricht.



Nosferatu

(Graf Dracula)


Also nimmt Lucy den Kampf allein auf. Wie im Buch der Wirtin beschrieben macht sie den Unterschlupf des Vampirs mit einer geweihten Hostie unbrauchbar. Dann bietet sie sich ihm freiwillig als Opfer an und hält Dracula bis zum Tagesanbruch bei sich fest. Durch das Licht der Sonne wird Dracula vernichtet, doch auch Lucy stirbt. Jetzt begreift von Helsing, dass die junge Frau Recht hatte. Um das Ungeheuer endgültig unschädlich zu machen, pfählt van Helsing den Grafen. Doch der Fluch des Vampirs wurde bereits an Harker weitergegeben. Er bezichtigt van Helsing des Mordes, so dass der Arzt verhaftet wird, und reitet davon. Er hat viel zu tun ...


Kringels Meinung

Im Museo de las Momias in Guanajuato, Mexiko, werden zahlreiche auf natürliche Weise mumifizierte Leichen ausgestellt, alles Seuchenopfer aus dem Jahre 1833. Man hatte die Toten irgendwann ausgegraben und zunächst in einem alten Gemäuer gelagert. Dort hat Werner Herzog sie gefilmt (sie befinden sich heute in Glasschränken), und diese Aufnahmen, unterlegt mit Musik und Chorgesang von Popol Vuh, bilden den Auftakt von "Nosferatu - Phantom der Nacht". Die Kamera fährt dicht an den wie vor Qualen verzerrten, in stummen Schreien erstarrten Gesichtern vorbei. Bei manchen Mumien sieht es aus, als würden Haut und Fettgewebe schlaff herabhängen, bei anderen ist die Haut straff gespannt. Manche Mumien sind zumindest teilweise bekleidet. Eine tote Frau trägt nur hochhackige Schuhe. Man sieht Gesichter, die fast lebendig wirken, tote Kinder, verzerrte Gliedmaßen. Ich finde diesen Anblick ziemlich gruselig; er ist die perfekte Einstimmung für einen Film, der mich heute noch genauso in seinen Bann zieht wie vor 30 oder mehr Jahren, als ich ihn zum ersten Mal gesehen habe! Die gespenstische Atmosphäre, die wundervollen Landschaftsaufnahmen, das heruntergekommene Schloss, skurrile Charaktere wie der von Roland Topor verkörperte Renfield, die bereits erwähnte stimmungsvolle Musik, vor allem aber der wirklich bedrohlich daherkommende Vampir ... das alles ist mir unvergesslich geblieben.

Werner Herzogs zweite Zusammenarbeit mit Klaus Kinski ist eine klare Hommage an den Schwarzweiß-Stummfilm "Nosferatu - Eine Symphonie des Grauens" von Friedrich Wilhelm Murnau aus dem Jahre 1922. Einzelne Szenen sind detailgenau nachgestellt und das Aussehen des Vampirs (der im älteren Film übrigens nicht Dracula, sondern Orlok heißt) mit totenbleichem Kahlkopf, spitzen Ohren, an ein Nagetier erinnernden Zähnen und überlangen Fingernägeln wurde übernommen. Klaus Kinskis Interpretation dieser Rolle hat sich mir für immer eingeprägt. Sein Vampir sieht wirklich nicht wie ein lebendiges Wesen aus, sondern wie etwas, das man gerade erst aus dem Grab hervorgezerrt hat. Kein Vergleich mit dem von Bela Lugosi verkörperten Grafen in "Dracula" (1931), dem fast sympathischen Verführer in Francis Ford Coppolas Version aus dem Jahre 1992 oder den in Lack und Leder gekleideten Hedonisten in Underworld. Nein, dieser Nosferatu ist eine abstoßende Kreatur gleich jenen lichtscheuen Wesen, die man am liebsten zertreten würde, sobald sie unter ihren Steinen hervorgekrochen kommen. Wo ich schon mal bei den Vergleichen bin: Der Gegensatz zwischen Walter Ladengast und Anthony Hopkins im oben verlinkten "Bram Stokers Dracula" könnte kaum größer sein! Bei Werner Herzog ist Dr. van Helsing ein hilflos und inkompetent wirkender Tattergreis, während er bei Coppola saft- und kraftvoller ist als die jüngeren Figuren.

Sehr beeindruckt war ich seinerzeit auch von der Endzeitthematik. Nach Ausbruch der Pest verschlechtern sich die Zustände in der Stadt derart, dass irgendwann überhaupt keine Regeln mehr gelten. Särge stapeln sich, man tanzt und feiert ausgelassen im Angesicht des Todes. Der Gerichtsdiener, eine noch greisenhaftere Gestalt als van Helsing, reagiert einigermaßen verzweifelt auf den Befehl, den Pfähler des Grafen festzunehmen. Wo sollte er ihn einsperren? Die Polizei existiert nicht mehr. Das Ende ist im Gegensatz zu Murnaus Film pessimistisch, denn Lucys Opfer war sinnlos. Ihr Mann tritt an Draculas Stelle. Der Film wird nicht nur von Kinski geprägt; er trägt ganz deutlich Herzogs Handschrift. Es wurde ausschließlich an Originalschauplätzen gedreht (wenn auch nicht wirklich in Wismar und Transsilvanien); durch viele lange Einstellungen erhält der Film einen fast dokumentarischen Charakter. "Nosferatu" ist in meinen Augen ein zeitloses Meisterwerk mit einem genialen Kinski in der Titelrolle. Kann ich mir immer wieder anschauen.


DVD-Features

Lange Zeit war dieser Film nur als Import erhältlich. Darauf musste ich seinerzeit zurückgreifen, was insoweit kein Problem war, als Herzog den Film zweisprachig gedreht hat. Alle Szenen mit Dialogen wurden zweimal gedreht - einmal in deutscher, einmal in englischer Sprache. Beide Fassungen liegen auf dieser DVD vor. Interessanterweise ist die englischsprachige Fassung ein paar Minuten länger. Ob das lediglich durch unterschiedliche Schnittführung zustande gekommen ist, oder ob in der deutschen Fassung Szenen fehlen, kann ich nicht sagen. Mittlerweile gibt es verschiedene deutsche Veröffentlichungen, auch eine Blu-ray. Ich weiß nicht, ob der Film anlässlich der HD-Veröffentlichung digital restauriert wurde. Zu wünschen wäre es, denn die Bildqualität meiner DVD ist stellenweise geradezu erbärmlich.

In der kurzen Featurette sieht man Werner Herzog an verschiedenen Drehorten in Delft, wie er Kinski, Adjani und anderen Darstellern Regieanweisungen gibt. Kinski ist ganz zahm, er ist auch mal kurz zu sehen, während er von einer Maskenbildnerin in Dracula umgestaltet wird. Man sieht, wie alle Bereiche, die im Film nicht zu sehen sein sollten (befahrene Straßen, Schaufenster) mit Brettern abgedeckt werden, außerdem sind einige Einstellungen zu sehen, die es nicht in den Film geschafft haben. Herzog und Kinski sprechen (englisch!) über ihre Arbeitsauffassung. Zum Film selbst wird wenig gesagt.

J. Kreis, 19.10.2017




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