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17.02.2018: Retrogaming

Ich bezeichne mich gern als Gamer der ersten Stunde, weil ich mit der Daddelei angefangen habe, als "Pong" von Atari Mitte der Siebzigerjahre in Deutschland herausgekommen ist. Allerdings habe ich bis Anfang der Neunziger kein eigenes Videospielsystem besessen, wenn man mal von "Microvision" absieht, einem der ersten Handhelds überhaupt, das vermutlich 1980 unter dem Weihnachtsbaum gelegen hat. Meine Eltern waren der Ansicht, dass ich sowieso zu wenig an die frische Luft komme (ich habe lieber gelesen statt mich von den anderen Kindern herumschubsen zu lassen), da wollten sie der Stubenhockerei wohl nicht noch Vorschub leisten. Außerdem waren die Geräte schlicht zu teuer für uns. An die Anschaffung eines Heimcomputers war erst recht nicht zu denken. "Pong" konnte ich damals nur bei meinem besten Freund und Blutsbruder spielen, ansonsten habe ich einen nicht unbeträchtlichen Teil meines Taschengelds in Arcade-Automaten versenkt, die meist in völlig verqualmten Kneipen standen der Jugendschutz war zu meiner Zeit noch nicht so streng wie heute ...

Anfang 1993 habe ich mir dann endlich das Super Nintendo Entertainment System zugelegt. Es war eine Offenbarung. Jahrelang habe ich "Super Mario World", "The Legend of Zelda A Link to the Past" und andere Zeitfresser exzessiv gezockt, bis das Gaming mit der ersten Playstation von Sony allmählich in eine neue Phase eingetreten ist. Heute haben Videospiele eine Grafikqualität, wie man sie früher höchstens von Kinofilmen kannte, außerdem ist der Traum von der Virtuellen Realität wahr geworden; mit VR-Brillen lässt sich ein nie dagewesenes Gefühl der Immersion erreichen. Dennoch sind mir die Klassiker der 16-Bit-Ära in all den Jahren unvergesslich geblieben. Ich besitzt das SNES noch heute, habe jedoch alle Spielmodule schon vor vielen Jahren verschenkt oder verkauft. Wie dumm von mir! Aber jetzt muss ich mich nicht mehr darüber ärgern, denn seit Herbst 2017 gibt es das SNES Classic Mini von Nintendo, eine Spielkonsole mit dem Look des alten grauen Kastens, aber viel kleiner und ohne Steckmodule.



SNES Mini


Stattdessen sind 21 Spiele vorinstalliert. Neben den beiden oben genannten sind das unter anderem Knaller wie "Final Fantasy III" (eigentlich VI), "Street Fighter II", "Super Metroid" und "Secret of Mana". Für mich der absolute Nostalgieflash! Über den letztgenannten Titel freue ich mich ganz besonders, denn ich wollte "Secret of Mana" damals unbedingt spielen, aber irgendwie ist es nicht dazu gekommen. Das werde ich jetzt nachholen! Tatsächlich habe ich schon damit angefangen und meine Befürchtung, die Realität werde meinen verklärten Erinnerungen an längst vergangene Zeiten einen herben Dämpfer versetzen, hat sich zum Glück überhaupt nicht bewahrheitet. Im Gegenteil! "Mario" und "Zelda" haben mich derart in ihren Bann gezogen, dass ich mich zum Aufhören zwingen musste. Die Grafikqualität ist richtig gut, selbst auf einem großen Full-HD-Gerät. Wunderbar!

Besonders cool: Beendet man ein Spiel, indem man den Reset-Knopf drückt, so kehrt man ins Auswahlmenü zurück und kann dort bis zu vier Speicherstände anlegen also Savegames, die über das hinausgehen, was ingame möglich ist! Außerdem kann man von diesen Speicherständen aus bis zu 60 Sekunden "zurückspulen", wenn man irgendwo im Spiel nicht weiterkommt oder einen Fehler gemacht hat. Das hätte es mal früher schon geben sollen! Damit hätte ich so manchen Frustmoment vermeiden können. Spielanleitungen sind nicht vorhanden. Im Auswahlmenü findet sich ein QR-Code, den man scannen kann, um zu einer Webseite von Nintendo zu gelangen. Dort stehen alle Anleitungen zum Download bereit. Es handelt sich um Reproduktionen der Original-Anleitungen im PDF-Format. Die Anleitung zu "Secret of Mana" ist knapp 20 MB groß.

Steckmodule werden wie gesagt nicht verwendet, der vermeintliche Schacht an der Oberseite dient nur der Verzierung. Dasselbe gilt natürlich für den Eject-Knopf. Auch die beiden Anschlüsse für Controller an der Vorderseite sind nicht funktionsfähig, es handelt sich um eine aufklappbare Blende. Dahinter verbergen sich die Anschlüsse für die beiden mitgelieferten Controller, die allerdings nicht nur aussehen wie die Originale, sondern auch genauso groß sind und dieselben Funktionen haben. Mir scheint, dass sie etwas leichter sind als Original-SNES-Pads.



SNES Mini


Leider sind die Controllerkabel mit 1,5 Metern etwas zu kurz. Verlängerungskabel sind für wenig Geld erhältlich. Die Konsole wird via HDMI ans Fernsehgerät angeschlossen. Es ist ein USB-Kabel enthalten, ein Netzteil leider nicht. Macht nichts, ich nutze einfach einen USB-Port meines Fernsehers, damit funktioniert die Stromversorgung einwandfrei.

Einziger Wermutstropfen: Die Spieleauswahl könnte viel größer sein! Ich hätte mir zum Beispiel "Wing Commander", "Jimmy Connors Pro Tennis Tour", "Spindizzy Worlds" und "Another World" gewünscht. Die Liste ließe sich noch lange fortsetzen. Die Tatsache, dass in den Spielen nur englische Texte vorhanden sind, ist für mich dagegen eher ein Pluspunkt, lassen die deutschen Übersetzungen doch manchmal sehr zu wünschen übrig!



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